VBE-Senioren lernen stetig hinzu
Im Planwagen heimische Wälder erkunden
Neuwied. Nach mehreren Fußwanderungen während der vergangenen vier Jahre trafen sich i erneut neun Senioren, um dieses Mal im Planwagen den Feldkirchener Märkerwald sowie den benachbarten Rheinbrohler Wald bis zum Mahlberg oberhalb von Waldbreitbach und anschließend das Wiedtal zu erkunden, um dann den „Kreis“ zu schließen und wieder den Märkerwald zu erreichen.
Bei herrlicher Morgensonne begrüßte der Organisator Bernd Kuha, ehemaliger Leiter der Maximilian-Kolbe-Förderschule Rheinbrohl, die Senioren am Startplatz nahe der Blindenschule in Neuwied-Feldkirchen.
Zunächst ging es fortwährend bergauf zum Feldkirchener Märkerwald, am Jakobshof sowie der Christianhütte vorbei bis zur Kreisstraße 1, die beim ehemaligen Ort Rockenfeld beginnt und kaum befahren durch den Rheinbrohler Wald führt.
Hier bewegte man sich im Wirkungsbereich der Rheinbrohler Ehrenamtlichen, die seit vielen Jahren die dort erhaltenen Limesrelikte pflegen. Ihre Tätigkeiten geschehen in Absprache mit der archäologischen Bodendenkmalpflege des Landes Rheinland-Pfalz.
Instandhaltungsarbeiten seit drei Jahrzehnten
Diese Arbeiten gehen auf Initiative, des zur Seniorengruppe gehörenden zertifizierten Limes-Cicerone und Landschaftsführers Manfred Müller, ehemaliger Förderschullehrer an der Maximilian-Kolbe-Förderschule in Rheinbrohl, zurück. Mit seinen Schüler/innen hatte er bereits vor über drei Jahrzehnten mit Pflegearbeiten am Limes begonnen.
Bei rekonstruierten Palisadenstücken an originaler Stelle an der Kreisstraße 1, die den Limes zwischen Turm 1/10 und 1/11 kreuzt, sind Graben und Wall noch sehr deutlich zu erkennen.
Manfred Müller informierte, dass die Nummerierung der Wachttürme gegen Ende des 19. Jahrhunderts erfolgte, als die mit der Erforschung des Limes beauftragte Reichslimeskommission den Limes in Deutschland aus organisatorischen Gründen in 15 Abschnitte einteilte.
Die 1 steht für den Streckenabschnitt 1 zwischen Rhein und Lahn. Die 10 bedeutet, dass hier einmal, ebenfalls vom Rhein aus gezählt, der 10. Wachtturm stand.
Die Kreisstraße 1 verlassend, ging es weiter durch den Wald bis zum Gebildeichshäuschen, einer Wetterschutzkapelle im Rheinbrohler Hochwald. Ihr Dachgebälk, in dem sich die Brandmarkierung 1819 findet, soll aus dem Holz einer einzigen Eiche gefertigt worden sein. Die Kapelle dürfte also in der heutigen Form schon fast 200 Jahre zählen. Vermutungen besagen aber, dass sie erheblich früher erbaut wurde.
Verschnaufpause mit kühlen Getränken
Die hier vorhandenen Tische und Sitzgelegenheiten nutzend, lud Organisator Bernd Kuha zu einer Verschnaufpause mit Erfrischungsgetränken sowie Kaffee und Imbiss aus seinem Rucksack ein.
Nur wenige 100 Meter entfernt kam es bei der Kaisereiche zu einem neuerlichen Halt. Im Dreikaiserjahr 1888 war sie gepflanzt worden. In jenem Jahr starb Kaiser Wilhelm I. und, nach nur 99-tägiger Herrschaft, am 15. Juni sein ältester Sohn und Thronfolger Friedrich III. Ihm folgte sein Sohn Wilhelm II. als dritter Kaiser im ein und demselben Jahr.
Weiter ging die Fahrt nun am Mahlberg und dessen früheren Wintersportanlagen vorbei hinunter ins Wiedtal bis zum dortigen Restaurant zum gemeinsamen Mittagessen am reservierten Tisch.
Gestärkt wurde die Fahrt anschließend durchs Wiedtal fortgesetzt. Erneut ging es bergauf und zurück in den Feldkirchener Märkerwald und an Schloss Monrepos vorbei, das das Museum für die Archäologie des Eiszeitalters beherbergt. Es war bereits im April 2017 Ziel einer Wanderung der Senioren gewesen. Schon bald wurde der Limes erneut gekreuzt.
Beim Wachtturm Nr. 1/22 verließen die Senioren den Planwagen und verfolgten aufmerksam Limes-Cicerone Müllers Ausführungen: Der Wachtturm ist besser bekannt, als der Turm „Bei Gebrannte Hof“. Heute erinnert ein rund 1,50 Meter hoher, deutlich sichtbarer Schutthügel daran, dass an dieser Stelle einst ein steinerner Wachtturm stand.
Von dem damals freistehenden Turm zeugen noch viele umherliegende Bruchsteine. Der Turm war, wie viele antike Bauten in der Zeit nach den Römern, als Steinbruch genutzt worden. Sein heutiges Aussehen erhielt der Schutthügel durch die Grabungstätigkeit der Reichlimeskommission nach 1894.
Heute beklagt die Archäologie das Versäumnis der damaligen Kollegen, für die es weder einen Plan noch eine rechtliche Grundlage gab, die Grabungsstelle so zu verlassen wie sie vor Beginn der Tätigkeiten angetroffen worden war. Der von den beeindruckten Senioren als respektabel empfundene Schutthügel ist einer der größten auf diesem Limesabschnitt.
Einblicke in die Geschichte
Der steinerne Turm selbst hatte einen quadratischen Grundriss von lediglich 4,0 m x 4,0 m. Die einsam und verlassen daliegende Turmstelle ist nicht nur der Witterung schutzlos preisgegeben, sondern auch dem Wurzelwerk kräftiger noch junger Eichen, die ganze Steine fest „im Griff“ haben. Manfred Müller frischte bei den heimatkundlich immer noch sehr interessierten Senioren altes Wissen wieder auf und fügte umfänglich neues hinzu.
Neben der Genese der einstigen römischen Grenze sprach er auch die Situation der Wachmannschaften an, die sich über einhundert Jahre lang aus der einheimischen germanischen Bevölkerung rekrutierten, ein geschickter Schachzug des römischen Staates.
Die diesbezügliche wissenschaftliche Forschungslage zeigt, dass der Dienst in der Grenztruppe lukrativ und überaus attraktiv war, denn Rom garantierte während der 25-jährigen Dienstzeit einen besoldeten sicheren Arbeitsplatz und anschließend die römische Staatsbürgerschaft mit allen ihren Rechten. Unsere Urahnen wurden somit römische Bürger. Von Widerstand gegen den Dienstherrn ist nichts bekannt. Die „Pax Romana“, der römische Friede am Rhein war stabil.
Zum Abschluss dieser Erkundungsfahrt mit dem Planwagen genossen, die Senioren den beeindruckenden Blick vom Aussichtshäuschen an der Linde über das gesamte von der Abendsonne beschienene Neuwieder Becken.
Limes-Cicerone und Landschaftsführer Manfred Müller war es wieder einmal trefflich gelungen, die äußerst interessierten Senioren, mit seinen detailreichen Ausführungen zu faszinieren und ihrem bereits vorhandenen heimatkundlichen Wissen viel Neues hinzuzufügen. Tour-Organisator Bernd Kuha war überzeugt, dass die so anschaulich vorgetragene Geschichte der Römer die Senioren noch weiter beschäftigen kann.
Am Gebildeichshäuschen legten die Herren eine Pause ein. Foto: Picasa
