Risse in der Fassade verzögerten das Projekt Klosterhof
Im Sommer ziehen die ersten Mieter ein
Acht barrierefreie Wohnungen und eine Arztpraxis kommen
Bad Ems. Die Arbeiten am Klosterhof im Bad Emser Stadtteil „Auf dem Spieß“ laufen auf Hochtouren.
Rund ein halbes Jahr musste die Sanierung zwischenzeitlich ruhen, weil sich bei den umfangreichen Arbeiten im Altbau plötzlich Risse in der zu erhaltenden Fassade gezeigt hatten: zu schlecht war die Substanz des Gebäudes, dass Mitte des 19. Jahrhunderts als Nobelhotel errichtet wurde. Eine komplett neue Statik musste ran – der gesamte Bau musste neu berechnet und geplant werden.
„Am Anfang sind wir davon ausgegangen, dass die alten Außenwände Teil der Statik sein werden“, erläutern Frank Hochegger und Robert Niessen von der Bad Emser Firma Immoconcept.
Die beiden sind mittlerweile als Spezialisten für Sanierungsobjekte mit hohen Anforderungen bekannt, haben die Maßnahme am Klosterhof geplant, verkauft und werden auch die Objektbetreuung übernehmen. 18 barrierefrei Wohnungen und eine große Arztpraxis entstehen, der Komplex aus generalsaniertem Altbau und zwei Anbauten ist an eine Münchner Investorengruppe verkauft.
Die nach DIN-Norm barrierefreien Wohnungen sind „so gut wie komplett verkauft, für die Arztpraxis gibt es einen konkreten Interessenten aus Bad Ems“, erklärt Hochegger.
Doch zurück zur komplizierten Sanierung. Nach der Neuberechnung müssen jetzt die Innenwände das Bauwerk allein tragen. „Man könnte die Fassade komplett wegklappen, dann würde das Gebäude nun immer noch stehen“, verdeutlicht Niessen das nun verwirklichte Konzept.
Dazu waren allerdings massive Änderungen nötig. So musste zum Beispiel die schon fertige, rund einen halben Meter mächtige Bodenplatte wieder von Hand aufgestemmt werden, damit die Moniereisen einzeln hochgebogen und später mit den zusätzlichen Fundamenten und neuen Innenmauern verbunden werden konnten – das kostete nicht nur Zeit, sondern auch einen sechsstelligen Betrag.
„Wenn ein Mauerwerk untersucht wird, werden immer nur Stichproben gemacht. Erst als sich die Risse zeigten, war klar, dass da was nicht stimmt und es wurde detailliert beprobt“, erklärt Frank Hochegger. Für die Experten ist das nichts allzu Ungewöhnliches: „Es wurde damals alles zum Bau genommen, was verfügbar war, da gab es keine durchgehende Qualitätsstufe, auch 1861 wurde schon gebrauchtes Material verwendet. So kann es sein, dass ein verwendeter Balken in einem Neubau von 1860 schon mehrere hundert Jahre auf dem Buckel hat“, führt Robert Niessen aus. Sämtliche entnommene Proben hätten aber im Vorfeld ausreichende Qualität gezeigt. Darauf stützte der Statiker seine ursprünglichen Berechnungen, für die ein Prüfstatiker grünes Licht gab.
Doch das liegt alles „hinter dem Pflug“ – der neue Anbau am Tunnelportal sieht schon fast bezugsfertig aus, im Sommer dieses Jahres will man komplett fertig sein. Ursprünglich war geplant, bereits Ende des vergangenen Jahres unter dem historischen Namen „Hôtel de Flandre“ wieder zu eröffnen.
Für die beiden Spezialisten von ImmoConcept bleibt das dann allerdings nicht das einzige Objekt im Stadtteil Spieß, als Nächstes soll das ehemalige Haus Eichelstein (heute leer stehender Lahnblick mit hässlicher Kunststoff-Fassade) in der Mainzer Straße wieder in alter Optik und unter altem Namen, aber in zeitgemäßer Bauweise und Ausstattung entstehen. Danach wollen sich Hochegger und Niessen dem Kernstück des Stadtteils widmen – dem Hauptbahnhofsgebäude.
Willi Willig
So soll der Klosterhof nach der Sanierung aussehen. Foto: Quelle Immo Concept
