Neues aus der Katholischen Kirchengemeinde Rheinbach
Im kommenden Jahr sollen auch Laien die Wortgottesdienste leiten können
Wortgottesdienstleiterschulung geht an den Start – Seit 1. September wird das Seelsorger Team von Kaplan Carlos Mendoza und Diakon Friedrich Roos verstärkt
Rheinbach. Personell steht die katholische Kirchengemeinde Sankt Martin Rheinbach derzeit „nicht ganz schlecht da“, findet der leitende Pfarrer Bernhard Dobelke. Seit 1. September verstärken nämlich Kaplan Carlos Mendoza und der ständige Diakon Friedrich Roos das Seelsorger-Team, das mittlerweile auf sechs Köpfe angewachsen ist. Zu den geweihten Seelsorgern zählt neben Dobelke, Mendoza und Roos nach wie vor Kaplan Milongo Thibault, dazu kommen Gemeindereferent Gregor Heuer und Pastoralreferentin Andrea Titt, die drei Letzteren mit jeweils einer halben Stelle. Allerdings, so Dobelke jetzt in einem Pressegespräch, gäbe es auch für eine weitere volle Kraft noch mehr als genug zu tun. Schließlich habe die Kirchengemeinde bis 2012 drei volle Stellen im Laienpastorat gehabt.
Beinahe besetzt gewesen wäre auch die Stelle der Verwaltungsleitung, doch die Geschehnisse um die Bonner Münsterpfarrei habe den Rheinbachern einen Strich durch die Rechnung gemacht.
Die eigentlich für den Posten in Rheinbach vorgesehene Petra Arenz sprang nämlich auf Bitten des Erzbistums in Bonn ein, „erst für eine kurze Zeit, die wurde dann verlängert, und mittlerweile ist sie dort fest als Verwaltungsleiterin und stellvertretende Vermögensverwalterin tätig.“ Dennoch ist Dobelke guter Dinge, dass die dringend benötigte Vollzeitstelle noch in diesem Jahr besetzt werde und der Stelleninhaber dann spätestens zum Jahreswechsel seine Arbeit aufnehmen könne. „Bewerber gibt es reichlich, es muss aber auch passen.“ Das Erzbistum habe jedenfalls versprochen, die attraktive Stelle in Rheinbach mit hoher Priorität zu vergeben.
Informationsveranstaltung am 10. November
Auch an der Pfarrei in Rheinbach gehe die Entwicklung nicht vorbei, nach der im Jahr 2030 die Anzahl der Seelsorger im Erzbistum Köln sich glatt halbiert habe. Was weniger an den Finanzen der Kirche liege, sondern am fehlenden Nachwuchs und dem viel zitierten Priestermangel. Der im vergangenen Jahr neugewählte Pfarrgemeinderat sehe es daher als eine seiner wichtigsten Aufgaben an, darüber nachzudenken, wie man auf diese absehbare Entwicklung reagieren könne.
Erste erfolgversprechende Ansätze gebe es bereits, denn in den nächsten Tagen schon soll das Projekt „Wortgottesdienstleiterschulung“ an den Start gehen. Zusammen mit zwei Mitarbeiterinnen will Dobelke nämlich interessierten Laien aus der Kirchengemeinde das Handwerkszeug vermitteln, einen Wortgottesdienst eigenständig abzuhalten. Der Wunsch sei aus der Gemeinde heraus an ihn herangetragen worden. „Jeder, der sich dazu berufen fühlt oder einfach mitmachen möchte in der Gemeinde, ist dazu eingeladen.“ Am 10. November gibt es um 17:30 Uhr im Pfarrzentrum eine Informationsveranstaltung dazu, eine Reihe von Personen habe sich bereits gemeldet. Von Januar bis März 2019 soll an sechs Abenden und einem Abschlusstag das Rüstzeug vermittelt und auch praktisch eingeübt werden, damit künftig die frischgebackenen „Wortgottesdienstleiter“ die hauptamtlichen Seelsorger von Fall zu Fall vertreten können, etwa bei Wortgottesdiensten, Totengebeten und Andachten. „Denn Kirche ohne Menschen wird es nicht geben“, so Dobelke.
Zahl der Gläubigen gegen den Trend konstant
Zwar sei auch in Rheinbach mit seinen gut 12.000 Katholiken der Gottesdienstbesuch rückläufig, „dennoch sind wir hier in gewisser Weise auf der Insel der Glückseligen“. Die Zahl der Gläubigen sei gegen den Trend konstant, weil Rheinbach nach wie vor einen starken Zuzug von jungen Familien verzeichne, was sich auch in der Zahl der Gemeindemitglieder niederschlage. Ohnehin gebe es ein sehr aktives Gemeindeleben, beispielsweise sei das Familienfest hervorragend besucht gewesen und habe sehr erfreuliche Nachwirkungen gehabt. Denn für die am 17. und 18. November anstehende Neuwahl des Kirchenvorstandes hätten sich danach sieben neue Kandidaten gemeldet. Die Gläubigen hätten nun eine echte Wahl, denn für die acht zur Verfügung stehenden Sitze treten damit nun zehn Kandidaten an.
Der künftige Kirchenvorstand werde ein Konzept entwickeln müssen, wie es mit den Gebäuden im Eigentum der Kirchengemeinde weitergeht. Dazu sollen im Auftrag des Erzbistums zunächst externe Architekten jedes einzelne Gebäude auf seinen baulichen Zustand und auf die Wirtschaftlichkeit hin untersuchen, um eine Entscheidungsgrundlage zu geben, wo man künftig noch investieren wolle und wo es sich eher nicht mehr rentiere. „Wir wissen, dass es sich dabei um ein sehr emotionales Thema handelt, deshalb müssen mögliche Konsequenzen sehr gut durchdacht und mit guten Argumenten begründet sein“, weiß der leitende Pfarrer.
Pfarrhaus in Rheinbach soll saniert werden
In nächster Zeit soll dennoch das Pfarrhaus in Rheinbach direkt neben der Kirche saniert und künftig wieder besser genutzt werden, wofür insgesamt 200.000 Euro an Kosten eingeplant sind. Das sei schon lange in Planung, und jetzt liege auch endlich die Genehmigung des Erzbistums vor, freute sich Dobelke. Der Kirchenvorstand habe mittlerweile einige Firmen angeschrieben, um Angebote für die einzelnen Gewerke einzuholen. Anfang 2019 sollen die Aufträge vergeben und dann auch gleich mit den Arbeiten begonnen werden. Ins Erdgeschoss und in die Hälfte des ersten Obergeschosses soll dann das Pastoralbüro einziehen, die andere Hälfte soll als Arbeitsplatz für Pfarrer Dobelke dienen. Dieser will dann auch in die Dachgeschosswohnung einziehen, die ebenfalls renoviert wird.
Auch die Krypta der Pfarrkirche Sankt Martin in Rheinbach will man in nächster Zeit renovieren, trockenlegen und mit einem neuen Anstrich versehen. Die in die Jahre gekommene Toilettenanlage soll in diesem Zuge ebenfalls ausgetauscht werden, hier rechnet man insgesamt mit Kosten von etwa 120.000 Euro. Dann könne man aber die Krypta auch stärker als bisher für schwächer besuchte Gottesdienste die Woche über nutzen.
Pfarrkirche St. Martin Flerzheim wird ebenfalls saniert
Noch keine Kostenschätzung gibt es hingegen für die bevorstehende Sanierung der Pfarrkirche St. Martin in Flerzheim.
Dort sei die Heizungsanlage reparaturbedürftig, es müsse eine neue Lüftungssituation geschaffen werden, um eine drohende Schimmelbildung zu verhindern. Außerdem werde man die Orgel, eine der ersten elektropneumatischen Orgeln der Firma Klais aus Bonn, komplett auseinandernehmen und reinigen. Für all diese Arbeiten im Pfarrhaus und in den beiden Kirchen habe das Bistum die Übernahme von 70 Prozent der Kosten zugesagt, sodass an der Kirchengemeinde selbst etwa 30 Prozent Eigenanteil verbleibe.
JOST
