Der Dattenberger Verkehrs- und Verschönerungsverein hatte zum 83. Erntedank- und Winzerfest eingeladen
„Im schönen Tal am Mittelrhein gedeiht ein wunderbarer Wein“
Motivwagen und Fußgruppe begeisterten am Sonntag wieder Tausende von Zuschauern an den Straße des Ortes
Dattenberg. Sorgenvolle Blicke richtete der Verkehrs- und Verschönerungsverein Dattenberg (VVVD) um seinen Vorsitzenden Ralf Michels am Sonntagvormittag Richtung Himmel, hatten sich die Regenwolken von der Nacht doch noch immer nicht verzogen und drohten so, den Höhepunkt des 83. Winzerfestes, das gleichzeitig das Erntedankfest der gesamten Verbandsgemeinde Linz ist, zu gefährden. Eröffnet hatte dieses am Freitagabend die noch amtierende Weinkönigin, Kira I. aus dem Hause Michels, die im Fackelzug von den Ortsvereinen auf den Marktplatz geführt worden war, der sich wieder in ein idyllisches, nahezu komplett überdachten Weindorf verwandelt hatte, in dem die California Partybandfür Stimmung sorgte.
Der „Napoleon’s Hijlskapel“ um den belgischen „Korsen“ Adriaan war es vorbehalten, die Weinmajestäten zusammen mit dem Tambourcorps Dattenberg am frühen Samstagnachmittag bei strahlendem Sonnenschein abzuholen, während der Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr Leubsdorf im Weindorf aufspielte. Nach dem „Rücktritt“ von Kira I. begann die Proklamation von Nina I. aus dem Hause Birrenbach, die zusammen mit ihrer Zwillingsschwester Lisa bereits vor 12 Jahren Kinder-Weinkönigin gewesen war und nun in die Fußstapfen ihrer älteren Schwester trat, die als Anja III. 2014 Dattenberg repräsentiert hatte. Begleitet wurde die 22-jährige Weinkönigin nicht nur von ihrer Schwester Lisa als Weinprinzessin, sondern auch von Luisa Kamper, Hanna Schwips und Christine Wolscht. „Ich bin überglücklich und weiß gar nicht, wie ich meine Gefühle in Worte fassen soll“, gestand die angehende Rechtspflegerin am Oberlandesgericht Köln, um dann doch absolut sicher die Besucher mit ihrem Weinspruch aufzufordern: „Im schönen Tal am Mittelrhein gedeiht ein wunderbarer Wein. Genießt ihn mit Freude und bedacht, schätzt die Arbeit, die sich der Winzer macht. Trinkt mit mir auf dieses herrliche Gut, spürt wie gut es Leib und Seele tut!“ Anschließend sorgte die Band „Swing Dry“ für Stimmung, die von der Hijskapel und „ABK-Asten“ unterstützt wurde.
Anders als Vortag präsentierte sich der Oktober alles andere als golden am Sonntagvormittag, der mit dem Festhochamt zum Erntedankfest in der Pfarrkirche „Heilige Schutzengel“ begann. Nur äußerst langsam füllte sich danach das Weindorf zum Frühschoppen, trauten viele doch der Wettervorhersage angesichts der dunklen Wolken und des teils recht eisigen Windes nicht so recht. Aber da „Napoleon’s Hijlskapel“ und „ABK-Asten“ zumindest für heiße Rhythmen sorgten, wurde es rund um die zahlreichen Weinstände allmählich doch sichtlich voller. Zumal am frühen Nachmittag auch die ersten Weinköniginnen aus der Region mit ihrem Gefolge eintrafen, allen voran die Unkeler Burgundia Hannah I. und ihre Erpeler Kollegin Verena I. samt Bacchus. Zu ihnen gesellten sich dann noch Jessica I. aus Leutesdorf, Nathalie I. aus Bad Hönningen, Maike I. aus Linz sowie Janine I. aus Rhöndorf, nicht zu vergessen Lara I. von Remagen und Jenni I. aus Heimersheim von der Ahr. Sie alle erwiese Nina I. ihre Referenz und verkündeten ihre Weinsprüche wie auch die Dattenberger Kinder-Weinkönigin Yasmin I. aus dem Hause Runkel, die mit Celina, Lara, Laura und Katharina gleich von vier Prinzessinnen begleitet wurde.
Zuvor hatte der 1. Ortsbeigeordnete Stefan Betzing in Vertretung von Bürgermeister Dieter Runkel die zahlreichen Ehrengäste begrüßt, allen voran die Landtagsabgeordnete Ellen Demuth und der 1. Kreisbeigeordnete Michael Mahlert. Neben dem Linzer VG-Chef Hans-Günter Fischer seinen Stellvertretern, Andrea Sünning-Löhr und Herbert Kröll, seinem Unkeler Kollegen Karsten Fehr sowie dem Beauftragten der VG Bad Hönningen, Reiner W. Schmitz, konnte er auch die Bürgermeister Hans Georg Faust aus Linz, Willi Knopp aus Sankt Katharinen, Kurt Pape aus Ockenfels, Achim Pohlen aus Leubsdorf, Wolfgang Kluwig aus Hammerstein und Gerhard Hausen aus Unkel begrüßen sowie den erste Kriminalhauptkommissar, Eduard Sprenger, der mit der Alten Garde aus Bad Hönningen den Festumzug musikalisch begleitete.
„Wie hervorragend die Dattenberger Gemeinschaftsarbeit ist, belegt nicht zuletzt die Bronzemedaille, mit welcher der Ort beim diesjährigen Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“, auf Landesebene ausgezeichnet worden ist“, lobte Hans-Günter Fischer die Kooperation der Ortsvereine, allen voran das Engagement der Festorganisatoren vom VVVD, bevor sich mit Marianne Lorscheid (1958), Ilse Kraus (1963), Ingrid Honnef (1968) und Ute Simon (1978) auch noch die Ex-Weinmajestäten des Ortes vorstellten, die auch in offenen Cabrios im Zug mitfuhren.
Den führten kleine Wetterfrösche an, die aus der „Rappelkiste“ gekrabbelt waren und die Yasmin I. einen sonnigen Nachmittag prophezeiten. Allerdings musste diese auf ihrem Wagen vorerst mit einer riesigen Blumensonne vorlieb nehmen, die in ihrem Rücken erstrahlte. „Nach der Arbeit Müh und Last“ im Wingert gönnte sich die Winzerin auf dem Motivwagen der Rööpe Kicker ein gutes Schlückchen Wein. Damit die Gäste am Straßenrand ihr zuprosten konnten, betätigten sich zahlreiche Teufel als Kellner. Mit einem Halali hatte die Hegeringgemeinschaft Asbach/Neustadt rechtzeitig ihre „Pirsch“ beendet, um auch im Dattenberger Zug mitzufahren.
Hoffnungslos vertrocknet waren dagegen die Getreidepflanzen des Junggesellen, die aber aus der Not unter dem Motto „Sommer zu heiß – Popcorn statt Mais!“ eine Tugend machten. Dem Dattenberger Festzug treu geblieben war die Leutesdorfer Weinkönigin des Vorjahres, Johanna I. samt ihrem damaligen Bacchus Daniel. Ein wahren Schwall Burgunders ergoss von einem hohen Felsen auf den Wagen von Weinbau Wagner, so dass die beiden Paddler in dem dunkelroten Strom am „Weinfall nur aus Rebensaft“ mit ihren Weinfässern immer wieder zu kentern drohten. In diese Gefahr befanden sich die „Kleinbauern“ zwar nicht, dafür aber hatten sie auf ihren schwerbeladenen Schürreskarren jede Menge Obst und Gemüse durch den Ort zu schieben. Dagegen hatte es sich die Dorfgemeinschaft Heeg in ihrer Küche bequem gemacht und verkündete: „Wer im Herbst Kappes klaut, hat im Winter Sauerkraut!“
Erheblich variantenreicher war da schon der Ertrag der „lustigen Landleut‘“, die „Erntedank mit jungem Gemüse, knackig und zart“ feierten und dazu ihren Nachwuchs auf den Wagen gesetzt hatten, hinter dem schon das große Gefolge von Nina I. zu sehen war. Diese stand in gut zwei Meter Höhe mit ihrem Weinpokal in der Hand auf einem von Blumen gesäumten Rasenpodest erhöht hinter ihren vier Weinprinzessinnen, während hinter ihr eine riesige Waage emporragte. Deren beiden breiten Schalen waren so voll beladen mit Obst, Getreidegarben und Gemüse, dass Zwiebel- und Rote-Beete-Zöpfe sowie dicke grüne und blaue Reben überquollen. Kaum hatte die Weinkönigin in der Hauptstraße das Weindorf passiert, machten sich die Zuschauer von dort aus auf in Richtung Kirchstraße, um den Festzug, der am unteren Marktplatz wie in den Vorjahren von Daniela Kamper moderiert wurde, zumindest teilweise ein weiteres Mal bewundern zu können. Nach dem fulminanten Festzug war das Erntedankfest natürlich auch noch längst nicht beendet. Zwar nicht so lange wie die Band „Swing Dry“ am Vorabend, aber doch bis in den späten Abend sorgte das „Show-&Music-Duo – Daggi & Thommi“ im Weindorf für Stimmung, in dem sich dann Yasmin I. und Nina I. von ihren Gästen verabschiedeten. DL
Ihre überaus reichhaltige Ernte hatte die Feuerwehr farbenprächtig drapiert .
Vor riesigen, mit Obst und Gemüse schwer gefüllten Waagschalen stand Nina I. und grüßte ihr weinseliges Völkchen.
