Fahrradklimatest für die Gemeinde Swisttal
In Sachen Fahrradfreundlichkeit ist noch viel Luft nach oben
Arbeitskreis Radverkehr stellte das Ergebnis für Swisttal vor: Gesamtnote von 3,9 ist eher durchwachsen, doch auf der vorhandenen Basis kann man aufbauen
Ludendorf. In Sachen Fahrradfreundlichkeit ist in der Gemeinde Swisttal noch Luft nach oben, darüber sind sich zumindest die Mitglieder des Arbeitskreises Radverkehr einig. „Wir sind uns einig, dass in dieser Hinsicht mehr getan werden muss“, erklärte dessen Vorsitzender Hartmut Kirchner (CDU) jetzt in einer Pressekonferenz, in der der Fahrradklimatest 2016 für Swisttal vorgestellt wurde. Dabei schnitt die Gemeinde eher durchwachsen ab mit einer Gesamtnote von 3,9, doch auf der vorhandenen Basis könne man ganz gut aufbauen. Zum Vergleich: die Stadt Meckenheim gilt als fahrradfreundliche Stadt und wurde mit einer Durchschnittsnote von 2,7 bewertet. Auch Bürgermeisterin Petra Kalkbrenner (CDU) hat die Bedeutung des Themas erkannt und stellte fest: „Das Thema muss stärker vorangebracht werden.“ Kein Wunder also, dass der Arbeitskreis mit Unterstützung der Gemeinde einen umfangreichen Maßnahmenkatalog erarbeitet hat. Ziel ist es, das Radwegenetz in der Gemeinde Swisttal und auch in den angrenzenden Kommunen moderner auszubauen und darüber hinaus auch noch die Bürger stärker zu motivieren, öfter zum Fahrrad zu greifen, um kurze und mittlere Strecken zurückzulegen. Einen Schwerpunkt möchte man dabei auf die Pendler legen, so Kircher. Die sollen nämlich nach Möglichkeit alle vom Auto aufs Fahrrad umsteigen.
Auspendler sollen aufs Fahrrad umsteigen
Derzeit zählt man rund 7200 Auspendler in der Gemeinde Swisttal, etwa ein Drittel davon fährt nach Bonn, nämlich 2525 Personen. 800 sind unterwegs nach Köln und 2000 in die Nachbarstädte und die übrige Region. Der mittelfristige Wunsch des Arbeitskreises wäre es, dass ein Drittel dieser Auspendler aufs Fahrrad umsteigt, also etwa 2400 Radfahrern. Damit könnten in Swisttal etwa 5600 Tonnen Treibhausgase jährlich eingespart werden, erklärt Kircher. Ein verbessertes Radverkehrskonzept könnte also durchaus enorme umweltpolitische Auswirkungen haben. Sven Kraatz (Grüne) sieht das ebenfalls positiv: „Unsere Umwelt soll emissionsfreier werden, aber um das zu erreichen, müssen wir zunächst das Bewusstsein der Menschen schärfen.“ Geeignete Maßnahmen für eine Verbesserung der Situation der Radfahrer seien beispielsweise die Vernetzung der kommunalen Radwege besonders in Richtung Bonn, Bornheim, Weilerswist und Euskirchen, aber auch die Ausbesserung vorhandener Strecken, indem Schlaglöcher geschlossen und unangenehme Bodenwellen begradigt würden. Ludendorf und Heimerzheim sollen über neue Radwege mit allen anderen Ortschaften verbunden werden, zusätzlich möchte man Radfahr- und Schutzstreifen entlang der wichtigen Straßen anlegen. Wünschenswert seien zudem neue und überdachte Fahrradabstellanlagen auf „Bike and Ride“-Plätzen an Bahnhöfen und Haltepunkten. Nicht zuletzt soll eine neue Radverkehrsnetz-Karte die kürzesten und sichersten Strecken zwischen den Orten aufzeigen.
Fördertöpfe anzapfen und Zuschussanträge stellen
Für die Umsetzung der Vorschläge reichen nach Ansicht des Arbeitskreises die bereits im Gemeindehaushalt veranschlagten 100.000 Euro jedoch bei weitem nicht aus. Deshalb riet Bürgermeisterin Kalkbrenner dazu, möglichst viele Fördertöpfe anzuzapfen und Zuschussanträge zu stellen, damit die Steigerung der nachhaltigen und klimafreundlichen Alltagsmobilität auf den Weg gebracht werden könne.
Sowohl beim Kreis wie auch beim Land müsse man klarmachen, dass es einen Bedarf an Fahrrad gegen zu den Pendler-Zielorten gebe. Kein Vorbild sei allerdings die Kreisstraße 61, so Kircher. Die sei für Fahrradfahrer einfach zu gefährlich und erst recht für Schüler, die mit dem Rad die Schule besuchten. Zwischen Straßfeld und Heimerzheim gebe es etwa einen starken Schwerlastverkehr wegen der dort ansässigen Kiesgruben, und leider gebe es keine Wirtschaftswege, auf die die Fahrradfahrer ausweichen könnten. Ein weiteres Hindernis sei die enge Brücke über die Autobahn A 61, die verbreitert werden müsste, damit sie auch Radfahrer gefahrlos überqueren könnten. JOST
