Allgemeine Berichte | 28.12.2018

Einsegnung der Sinziger Orgel

In Sankt Peter erklingt wieder Orgelmusik

Umfangreiche Sanierungsarbeiten an der Walcker-Orgel sind abgeschlossen

Am vierten Advent wurde ein ganz besonderer Gottesdienst in Sankt Peter gefeiert.RASCH

Sinzig. Dieses Weihnachtsgeschenk der ganz besonderen Art kam zeitlich genau passend. Denn im Sinziger Wahrzeichen Sankt Peter erklingt wieder Orgelmusik. Im Hochamt am vierten Advent, einen Tag vor Heiligabend, segnete Dechant Achim Thieser die neu restaurierte Walcker-Orgel ein. Die Zeit der musikalischen Stille im Sinziger Gotteshaus ist damit vorbei.

Organist Theofanis Gonzalez Palenzuela steht damit wieder der volle Klangumfang des einzigartigen Instrumentes in der Sinziger Pfarrkirche zur Verfügung. Dazu waren umfangreichste Sanierungsarbeiten der Bonner Orgelbaufirma Klais nötig, die knapp ein Jahr dauerten.

Die Ursprünge der Sinziger Orgel und vor allem ihr Gehäuse gehen bis in das Jahr 1880 zurück. Denn seinerzeit errichtete die Trierer Firma Briedenfeld die Ursprungsorgel in Sinzig und ihr heute noch in weiten Teilen erhaltenes Prospekt. Entscheidend für die Geschichte der Sinziger Orgel waren die umfangreichen Umbau- und Erweiterungsarbeiten im Jahr 1972. Geistiger Vater des einzigartigen Instruments aus dem Jahr 1972 war der legendäre Sinziger Organist und Komponist Peter Bares. Und im Jahr der Fertigstellung 1972 war die Sinziger Walcker-Orgel wohl weltweit ein einzigartiges Instrument.

Deren Klangmöglichkeiten gingen weit über eine normale Orgel hinaus. In herkömmlichen Orgeln sind meist nur Pfeifen verbaut, wobei sich in der Sinziger Walcker-Orgel zusätzlich Xylofone und Glockenspiele aller Art tummelten. Zudem war seinerzeit eine hochmoderne Elektronik verbaut, die den Organisten vielfältige und bis dahin nicht bekannte Möglichkeiten gaben.

Ein einzigartiges Instrument sowohl für die klassische Orgelmusik, als auch für die moderne geistliche Musik. Die Sinziger Walcker-Orgel kam durch die internationalen Studienwochen für neue geistliche Musik, die Peter Bares in den Achtzigerjahren organisierte, zu Weltruhm. Denn alles, was in dieser Sparte der neuen geistliche Musik auf der Welt Rang und Namen hatte, saß in Sinzig bei diesen Orgelwochen an den Manualen und Pedalen.

Die Sinziger Orgel wurde weltweit samt ihrer imposanten Trompeteria zu einem Pilgerort für Liebhaber moderner Musik und Orgelenthusiasten, zeitgenössische Komponisten und die Creme de la Creme der Organistenzunft.

Seit dem Neubau 1972 waren zum Start der Restaurierungsarbeiten fast 45 Jahre vergangen. Die Sinziger Orgel war vom Staub der Zeit mehr und mehr außer Gefecht gesetzt worden. Die Krux lag auch in der seinerzeit hochmodernen Elektronik. Denn für die gab es längst keine Ersatzteile mehr und auch niemand, der sie reparieren konnte.

Die Reinigung der rund 4000 Orgelpfeifen und eine vollkommen neue Elektronik waren dann auch die ganz großen Herausforderungen für die Orgelbauer aus Bonn. Die haben diese mit Bravour bewältigt. Mit enormen Kosten in Höhe von über 350.000 Euro, die der Sinziger Pfarreiengemeinschaft schwer auf der Tasche liegen. Spendenaktionen und sogenannte Pfeifenpatenschaften sollen helfen, einen Teil dieser Kosten zu decken. Und vielen Sinzigern ist die einzigartige Bedeutung ihrer Orgel in Sankt Peter durchaus bewusst.

Über eines können die Sinziger und Orgelfans auf der ganzen Welt sich aber freuen: In Sankt Peter erklingt wieder die Musik eines einzigartigen Orgel-Instrumentes, das wieder im Dienst der Musica Sacra steht. Weitere Informationen auch über Spenden und die noch gesuchten Pfeifenpatenschaften gibt es im Internet unter www.orgel-sinzig.de. BL

Organist Theofanis Gonzalez Palenzuela.

Organist Theofanis Gonzalez Palenzuela.

Dechant Achim Thieser segnete die neu restaurierte Walcker-Orgel ein.

Dechant Achim Thieser segnete die neu restaurierte Walcker-Orgel ein.

Am vierten Advent wurde ein ganz besonderer Gottesdienst in Sankt Peter gefeiert.Fotos: RASCH

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