Nachwuchskünstler Mahdi Amiri zeigt seine Werke in der Caritas-Familienberatung
In der Kunst gibt es keine Grenzen
Virtueller Rundgang durch die Ausstellung im Internet möglich
Montabaur. Schon als Kind hat Mahdi Amiri gerne gemalt. Dass er allerdings irgendwann einmal – weit weg von seinem eigentlichen Zuhause - eine eigene Ausstellung haben wird, daran hat der 17-Jährige damals mit Sicherheit nicht gedacht.
Selbst jetzt, wo seine Werke in den Räumlichkeiten der Familienberatung im Caritas-Zentrum in Montabaur hängen, ist es für Mahdi auf eine gewisse Art und Weise immer noch surreal. Schade ist vor allem, dass die Ausstellung aufgrund der Corona-Pandemie aktuell nicht die Aufmerksamkeit bekommen kann, die sie eigentlich verdient hätte.
Denn das, was Madhi Amiri da auf die Leinwand zaubert, kann sich durchaus sehen lassen. Daher war es dem Team der Caritas-Familienberatung auch wichtig, dem jungen Künstler einen gebührenden Rahmen zu bieten und seine Ausstellung mit einer entsprechenden Vernissage zu eröffnen. Wenn auch nur im kleinen Klein – und mit dem entsprechenden Abstand. Der Titel der Ausstellung lautet „In der Kunst gibt es keine Grenzen“.
Über den Künstler
Mahdi ist Afghane, wurde allerdings im Iran geboren und ist dort aufgewachsen. Als er seine Heimat verlassen musste, strandete er zunächst in Schweden, wo er drei Jahre lebte. Im Januar 2019 kam der 17-Jährige schließlich nach Deutschland, wo er in der Jugendhilfeeinrichtung des Caritasverbandes Westerwald-Rhein-Lahn in Hübingen ein neues Zuhause fand. Hier fing Mahdi dann auch an, sich neben der Schule intensiv mit Künstlern der Moderne zu beschäftigen. Seine neue Lebenssituation im Westerwald nutze er als Chance, mit verschiedenen Maltechniken zu experimentieren und Zugänge zu einer eigenen Kunstform zu finden. So entstanden in relativ kurzer Zeit viele eindrucksvolle Werke, von denen einige nun die Caritas- Familienberatung schmücken. „Genauso wie Beratung kann Kunst ein Vergrößerungsglas sein, durch das wir die Welt genauer betrachten können, unsere Umgebung, unsere Umwelt, unsere Mitmenschen aber auch uns selbst“, sagte Kerstin Braun-Dolle von der Familienberatung bei der Vernissage, die im Garten des Caritas-Zentrums stattfand. „Mahdis Bilder treffen genau den Nerv der Zeit, sie holen uns emotional ab, da sie ein Spiegel der menschlichen Gefühlswelt sind. Sie drücken Trauer, Verlust, Wut und Ohnmacht aus - genauso Freude, Glück, Liebe, Hoffnung und Sehnsucht. Nicht zu vergessen den Traum, der jedem einen Raum gibt, in Zeiten, in denen man die Realität nur schwer auszuhalten vermag“, beschrieb die Familientherapeutin die Werke.
Epochen der Moderne
Mahdi Amiri durchstreift in seinen Bildern unterschiedliche Epochen der Moderne. Mal erinnern die Bilder an frühe kubistische Werke, in denen die scheinbar realistische Welt aufgelöst wird und Porträts in satten Lila-, Blau-, Grün-, Gelb- und Rottönen strahlen. Ein anderes Mal schlüpfen die Bilder in die Tradition der Pop Art oder verzichten ganz auf die Darstellung des Gegenständlichen. Immer wieder aber kehren die Menschen auf die Leinwand zurück und man muss sich schon die Mühe machen die Vielzahl der Figuren zu entschlüsseln, unterschiedlichen Gesichtsformen folgen, Augen und Mündern begegnen, die starren, fragen, träumen, sehen. Mal sind die Bilder in zartbunten Farben gehalten, mal kommen archaische und ethnische Elemente dazu, die einen interessanten Kontrast bilden. Die neueren Werke greifen wiederum eine ganz andere Stilrichtung auf und zeigen Motive aus dem Symbolismus wie Sünde, Leidenschaft, Tod. Die dunklen Farben unterstreichen die sensibel-melancholische Grundstimmung. „Mit seinen Bildern hinterlässt Mahdi eindrucksvolle Spuren“, sagte Kerstin Braun-Dolle und betonte in Richtung des jungen Künstlers: „Wir sind uns sicher, dass dein künstlerischer Weg hier noch nicht zu Ende sein wird!“
Wer sich selbst ein Bild von Mahdis Werken machen möchte, kann einige der Arbeiten bei einem virtuellen Rundgang durch die Ausstellung unter www.caritas-www-rl.de bewundern.
Stolz präsentiert Mahdi Amiri eines seiner vielen Werke. Im Beisein einiger Gäste aus seinem direkten Umfeld feierte der 17-Jährige die Vernissage seiner ersten eigenen Ausstellung im Garten des Caritas-Zentrums in Montabaur. Zu den Lieblingskünstlern des jungen Afghanen gehört Pablo Picasso. Foto: privat
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