Allgemeine Berichte | 29.01.2020

„Kulturgut Volksfest - Kunst und Kultur auf dem Jahrmarkt“

Insider-Vortrag über Volksfeste und Schausteller

Mit 44 Jahren holte Margit Ramus das Abitur nach, um studieren zu gehen. Foto: privat

Swisttal-Odendorf. „Volksfeste, auch Kirchweih, Kerbe, Kirmes, Messe, Dult, Schützenfest oder Jahrmarkt genannt, werden seit über 1000 Jahren von einer Generation an die nächste Generation zur Freude des Volkes weitergegeben, deshalb sind Volksfeste ein Teil unseres Kulturgutes.“ Mit diesen Worten leitete Margit Ramus im Odendorfer Zehnthaus ihren Vortrag über das „Kulturgut Volksfest“ ein. Packend und äußerst beschlagen begann sie mit der mittelalterlichen Entstehungsgeschichte der Volksfeste, um sich dann aber besonders der Entwicklung der Jahrmärkte von der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis in unsere Tage zuzuwenden. Detailliert ging sie auf die bauliche Gestaltung und Ausstattung der Schaustellerbuden und Fahrgeschäfte ein, die sich eng an der Architektur und dem jeweiligen künstlerischen Geschmack ihrer Zeit orientierten. Tiefe Einblicke gewährte die Referentin in den oft harten aber auch schönen Alltag der Schausteller. Sie berichtete vom Leben in den eher patriarchalisch ausgerichteten Familienverbänden, in denen Hilfsbereitschaft, gegenseitige Rücksichtnahme und Zusammenhalt nach außen auch heute noch nicht verloren sind. Anschaulich ging sie auf die Wohnsituation der Menschen in den mitunter luxuriösen Wohnwagen ein. Ebenso beschrieb sie, wie sich die schulische Ausbildung der Kinder vollzog, - vom Schulbesuch am jeweiligen Volksfestort, über spezielle Internate bis hin zur Unterrichtung im eigens mitgeführten Schulwagen. Ebenso interessant wie das Thema des Vortrags ist aber auch das Leben der Referentin. Margit Ramus ist Kunsthistorikerin und Schaustellerin. Sie entstammt einer traditionellen Schaustellerfamilie und wuchs, wie sie von sich sagte, „zwischen Karussells, Losbuden und anderen Volksbelustigungen“ auf. Mit 14 Jahren musste sie die Schule verlassen, um in den elterlichen Betrieb einzutreten. Mit 44 Jahren entschloss sie sich dann, wieder zur Schule zu gehen. Sie legte das Abitur ab und studierte an der Universität Bonn Kunstgeschichte. 2013 schließlich legte sie eine viel beachtete Doktorarbeit zu den Volksfesten und zum Schaustellergewerbe vor. Bis auf den heutigen Tag ist sie stets auch in ihrem angestammten Beruf tätig.

Margit Ramus ist darüber hinaus die Begründerin des digitalen Kulturgut-Volksfest-Archivs, in das man unter „www.kulturgut-volksfest.de“ gelangt.

Kunsthistorisch und volkskundlich Interessierte stoßen hier auf eine wahre Fundgrube.

Pressemitteilung des

Verein Zehnthaus e. V.

Mit 44 Jahren holte Margit Ramus das Abitur nach, um studieren zu gehen. Foto: privat

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  • Rita Butz: Sehr schön verfasster Bericht , sehr zutreffend und diese beiden " Helden " üben eine Vorbildfunktion für unsere Gemeinde aus !! L. G. verbunden mit meiner höchsten Wertschätzung!!

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