Meckenheimer Hilfsverein Bon Secours Kamerun ermöglicht den Kindern von Bürgerkriegsflüchtlingen in Kamerun den Schulbesuch
„Ja, die Tasche ist für Dich!“
Meckenheim. Che Neba Roderigo ist elf Jahre alt. Er besucht die fünfte Klasse in der GEPS Schule in Bekoko, Kamerun. Er trägt eine Schuluniform und einen Rucksack mit seinen Schulsachen.
Wenn man in dieses junge Gesicht schaut, ahnt man, dass nicht alles rund gelaufen ist im Leben von Roderigo. Er musste mit seiner Familie fliehen aus dem Bürgerkriegsgebiet im Südwesten Kameruns. Sie sind bei Verwandten untergekommen. Was zunächst als Notlösung gedacht war, mehr schlecht als recht, ist so geblieben. Zwei Jahre lang war kein Geld da für einen Schulbesuch.
René Samuel Mpome, aber eigentlich nennen ihn alle „Samy“ hat eine Aktion auf die Beine gestellt, um Kindern von Bürgerkriegsflüchtlingen den Schulbesuch zu ermöglichen. Er arbeitet für den Kameruner Verein „Hope & Life Cameroun“ und wird unterstützt von mehreren Vereinen in Deutschland und der Schweiz.
Als Roderigo das erste Mal auf Samy traf, veränderte sich sein Leben. Samy überreichte ihm einen Schulrucksack, gefüllt mit Schulbüchern, Heften und Stiften. Roderigo war sehr nervös. Er war 9, als er das letzte Mal in einer Schule gewesen war. Seine Eltern hatten nie eine Tasche für ihn gekauft, er hatte immer eine Plastiktüte als Tasche benutzt. Als er jetzt die Tasche erhielt, lief er zu seinem neuen Lehrer und fragte, ob die Tasche wirklich für ihn sei. Der Lehrer lächelte ihn an und antwortete: „Ja, die Tasche ist für dich“. Er konnte es immer noch nicht glauben und ging zu seiner Schulleiterin und stellte die gleiche Frage und bekam die gleiche Antwort. Daraufhin kam er mit Tränen zurück zu Samy, um sich zu bedanken.
Über 600 Kinder konnte Hope & Life im vergangenen Schuljahr unterstützen. Schulgeld, damit die Eltern die Anmeldung machen können. Eine Schuluniform, geschneidert vor Ort, und was man so braucht für einen Schulbesuch: Hefte, Papier, Stifte, Bücher. Dazu gibt es eine kostenlose medizinische Untersuchung im Medical Center in Bekoko/Douala.
Viele der Kinder aus dem ersten Projektjahr 2019 waren in 2020 wieder dabei. Viele sind aber auch nicht mehr da, weil ihre Eltern weitergezogen sind im Land, auf der Suche nach einer Arbeit und nach anderen Möglichkeiten für eine bessere Zukunft. Viele Eltern sind überfordert mit der Situation, herausgerissen aus ihren Dörfern und aus ihrem sozialen Umfeld. Die Lehrer versuchen zu helfen, wo es geht. Hope & Life arbeitet hauptsächlich mit öffentlichen Schulen. Die Lehrer haben viele Schwierigkeiten mit den Kindern, besonders mit denen, die jahrelang nicht in der Schule waren. Sie versuchen ihr Bestes, um eine gute Qualität des Unterrichts zu liefern, was nicht einfach ist, da sie mehr als 50 Schüler pro Klasse haben. Eine Klasse mit 50 Schülern bedeutet oft 50 ganz verschiedene Lebensläufe.
Im Frühsommer 2021 geht das Schulprojekt wieder in die heiße Phase geht, nun zum dritten Mal. Samy Mpome ist dabei, Schulbehörden und Direktoren zu kontaktieren, Listen mit bedürftigen Kindern zusammenzustellen und mit den Hilfsorganisationen neue Spenden zu organisieren. Das jährliche Schulgeld kostet, je nach Schule und Jahrgangsstufe, zwischen 20 bis 80 Euro, eine Schuluniform von der lokalen Schneiderin 10 bis 20 Euro, die Ausstattung mit (gebrauchten) Büchern, Stiften, Heften, Schulrucksack kostet etwa 50 Euro pro Schüler und Schuljahr.
Hope & Life plant für das Schuljahr 2021/2022 eine von allen Beteiligten sehnlichst gewünschte Fortsetzung dieses Projekts. Die Vereine Bon Secours, KamerunGo! und WMF Barmherzigkeit haben ihre Unterstützung bereits wieder zugesagt. Dazu werden dringend weitere Spenden benötigt.
„Ich akzeptiere nicht, dass Kinder nicht zur Schule gehen“, so Samy Mpome. „Wenn ich die Möglichkeit habe, jemandem zu helfen, zur Schule zu gehen, werde ich nicht zögern. Jeder muss die Möglichkeit haben, zur Schule zu gehen!“
Wo Spenden?
Spendenkonto Bon Secours Kamerun e.V., Raiffeisenbank Voreifel e.G., Kennwort FLÜCHTLINGSKINDER, IBAN DE77 3706 9627 5743 0310 18.
Kontakt: Georg Schorn, info@bon-secours.de, Tel. (01 71) 2 11 77 00, www.bon-secours.de.
