Allgemeine Berichte | 22.03.2016

Willy-Brandt-Forum feierte sein fünfjähriges Bestehen

Jahrestag der Gedenkstätte auf den Tag genau gefeiert

Der Stiftungsvorstand und die ehemaligen Vorsitzenden des Willy-Brandt-Forums umgaben mit Landrat Rainer Kaul sowie den Landtagsabgeordneten Fredi Winter und Marc Ruland sowie Geschäftsführer Rudolf Rupperath die Gastrednerin der Festveranstaltung zum fünfjährigen Bestehen des Museum, Brigitte Seebacher. DL

Unkel. Mit einem Festakt feierte die Unkeler Bürgerstiftung Willy-Brandt-Forum am Sonntag das fünfjährige Bestehen der Gedenkstätte an den großen Sozialdemokraten und Friedensnobelpreisträger, der von 1979 an mit seiner späteren Frau Brigitte Seebacher bis zu seinem Tod im Oktober 1992 als „Bürger unter Bürgern“ in der Kulturstadt am Rhein gewohnt hat. Begrüßen zu der Festveranstaltung, die von der Sängerin Ruth Zimmermann und der Pianistin Irina Krimer musikalisch gestaltet wurde, konnte Christoph Charlier, der seit März 2014 Vorstandsvorsitzender des Willy-Brandt-Forums ist, neben Brigitte Seebacher und ihrem Mann Hilmar Kopper unter den rund 140 geladenen Gästen auch den Kulturstaatssekretär Walter Schumacher, die Landtagsabgeordneten Fredi Winter und Marc Ruland, Landrat Rainer Kaul und den Ersten Kreisbeigeordneten Achim Hallerbach, den Unkeler Stadtbeigeordneten Wolfgang Plöger sowie Reinhard Limbach als Vertreter des Bonner Oberbürgermeisters Ashok-Alexander Sridharan. „Ohne meine Vorgänger im Amt, Thomas Ottersbach und Klaus-Henning Rosen, sowie die Arbeit des stellvertretenden Vorsitzenden Rudolf Barth, der dieses Amt seit Gründung der Bürgerstiftung inne hat, sowie von Geschäftsführer Rudolf Rupperath könnten wir diesen Geburtstag nicht feiern. Ihnen gebührt unser großer Dank“, so Christoph Charlier, der auch Hans Simon nicht vergaß, der Willy Brandt von 1966 an gefahren hatte.

Damit Unkel ein Weltdorf wird

Auf den Tag genau vor fünf Jahren habe der ehemalige spanische Ministerpräsident und „Lieblingsenkel“ von Willy Brandt, Felipe Gonzales, zusammen mit dem damaligen Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz, Kurt Beck, das Forum eröffnet, erinnerte der Vorsitzende, der den ersten SPD-Bundeskanzler und dessen Frau über den SPD-Ortsverein Unkel kennengelernt hatte. „Willy Brandts Ruf, sein weltweites Ansehen ist unser Kapital. Wir werden alles daran setzen, der Aufforderung von Felipe Gonzales gerecht zu werden, alles zu tun, dass die Unkeler Gedenkstätte ein Dialog-Forum wird. Dass es sich so entwickelt, wie Willy Brandt als Mann des Dialogs es gewollt hätte. Und dass von Unkel ein globaler Effekt ausgeht, dass Unkel ein wirkliches Weltdorf wird“, zitierte er den Spanier. Um dies zu ermöglichen sowie Veranstaltungen, Führungen und Events anbieten zu können, würden insgesamt rund 30 Personen ehrenamtlich im Willy-Brandt-Forum arbeiten. „Sie sind die wichtigsten Erfolgsfaktoren“, lobte Christoph Charlier die Forums-Mannschaft. Dieser habe man es zu verdanken, dass bereits über 25.000 Gäste die Begegnungsstätte besucht hätten, die auch weiterhin auf Dialog, Austausch und Erinnerung setzen werde.

Erste Bleibe von Willi Brandt

„Im Frühjahr 1979 haben wir beschlossen, uns ein gemeinsames Dach zu schaffen“, erinnerte Brigitte Seebacher. Auf der Immobilienseite einer Tageszeitung habe man damals sie eine Annonce gefunden über eine Appartementwohnung in der Eschenbrender Straße 4, die für Willy Brandt die erste eigene Bleibe geworden sei. „Er hat hier in Unkel zum ersten Mal Wurzeln geschlagen und er hat sich hier auch vom ersten Tag an wohlgefühlt. Hier hat er die glücklichsten Jahre seines Lebens verbracht“, versicherte sie. Maßgeblich dazu beigetragen habe Maria Fuchs, die heutige Ehrenbürgerin der Stadt, die damalige „Seele des SPD-Ortsvereins“, die dem Paar auch Waltraud Meisenbach als Haushaltshilfe beschafft habe. „In dieser trauten Atmosphäre war 1983 auch nicht die Frage , wo wir heiraten sollten, sondern eher, wie man den Pressewirbel vermeiden könnte. Aber die Geheimhaltung ist Bürgermeister Hans Hafener tadellos gelungen“, berichtete Brigitte Seebacher, um dann auf einige Zwischenfälle einzugehen.

Die Umzugspläne

So musste das Ehepaar etwa im November 1986 wie alle anderen Unkeler auch um Trinkwasser an den Notausgabestellen der Feuerwehr anstehen, nachdem das Giftwasser wegen eines Brandes im Baseler Chemieunternehmen Sandoz zu einem bis dahin nicht gesehenen Fischsterben im Rhein geführt hatte. „Als dann aber auf unserem Balkon plötzlich Wäsche zum Trocknen hing, mutmaßte man im Ort, dass die Brandts eine gesonderte Wasserleitung gelegt bekommen hätten. Dabei haben wir unsere Sachen nur bei den Charliers in Bruchhausen gewaschen“, so Brigitte Seebacher.

Als sich im Spätsommer 1982 das Ende der sozialliberalen Koalition abzuzeichnen begonnen habe, sei Bundeskanzler Helmut Schmidt spontan in Unkel vorbeigekommen, um die Situation mit seinem Vorgänger zu besprechen. Trotz ihrer unterschiedlichen Ansichten in vielen Dingen, hätten sich beide doch dem gemeinsamen Ziel, der Regierungstätigkeit der Sozialdemokraten verschrieben. „Solche spontanen Besuche finden Sie in keiner Akte“, kommentierte Brigitte Seebacher das Treffen.

Am 23. März 1987 trat Willy Brandt dann vom Parteivorsitz der SPD zurück. Eine junge Generation war nachgerückt, die ganz anders tickte als der Altbundeskanzler. Der fühlte sich auch in der 120 Quadratmeter großen Appartementwohnung nicht mehr wohl, so dass man sich zu einem Hausbau entschloss. Das „wo“ haben für Willy Brandt nie in Frage gestanden. „Als ich ihm sagte, man könne ja auch in Bruchhausen bauen, antwortet er nur verständnislos: Was willst du denn in Bruchhausen?“, erinnerte Brigitte Seebacher. Stattdessen habe man Hausmeister Hans Zehnpfennig von den Plänen berichtet und postwendend seien zwei Grundstücke angeboten worden. Auf dem der Steffens-Brauerei, in Rheinlage, sei dann das neue Haus am 8. November 1989 zwar nicht komplett, aber eben doch bezugsfertig gewesen sei, wenn auch ohne Fernseher und sogar ohne Radio, das auch noch am Abend des nächsten Tages in einer der zahllosen Umzugskartons steckte.

Es wächst zusammen, was zusammen gehört

„Wir sind an diesem Donnerstag früh ins Bett gegangen und haben den Schlaf der Gerechten geschlafen, nachdem Willy Brandt gegen 21.30 Uhr aus Bonn zu Hause eingetroffen war“, erinnerte Brigitte Seebacher. Im Bonner Wasserwerk habe zwar am Nachmittag die Nachricht von Günter Schabowskis Pressekonferenz die Runde gemacht, so dass die Bundestagsabgeordneten die Nationalhymne angestimmt hätten, nachdem der Kanzleramtsminister Rudolf Seiters eine Erklärung über die neue Reiseregelung in der DDR abgegeben habe. „Von den unmittelbaren Folgen in der Nacht hatten wir aber keine Ahnung, bis um vier, fünf Uhr das Telefon klingelte und ein Reporter des Hessischen Rundfunks mir mitteilte, dass er den ehemaligen Regierenden Bürgermeister von Berlin wegen des Mauerfalls sprechen wollte“, so die Festrednerin. Als sie dies Willy Brandt gesagt habe, sei dieser sofort hellwach gewesen und seine Antworten am Telefon hätten alles andere als überrascht geklungen. Mit einem versonnenen Lächeln habe er danach vor Glück überwältigt zu ihr gesagt:“ Das ist es!“, erinnerte Brigitte Seebacher. Am Morgen habe ihn Hans Simon dann nach Bonn gefahren, von wo aus er mit seinem Büroleiter Klaus-Hennig Rosen in einer kleinen Militärmaschine nach Berlin geflogen worden sei, um dort am Rathaus von Schöneberg jenen Satz auszusprechen, der Geschichte gemacht hat: „Jetzt sind wir in einer Situation, in der wieder zusammenwächst, was zusammengehört!“

So sei die große Politik mit dem kleinen Unkleler Leben vermischt worden, zu dem bei den Brandts auch der Heisterer Hermann Müller als Gärtner und rundum begabter Handwerker gehört habe, berichtete Brigitte Seebacher, um über die Landtagswahl 1991 mit Rudolf Scharping als erstem SPD-Ministerpräsident von Rheinland Pfalz ihren Vortrag „Willy Brandt in Unkel – Warum ist es am Rhein so schön?“ mit der Krankheit und dem Tod des Friedensnobelpreisträgers zu beenden.

Einrichtung rund um das Arbeitszimmer von Willy Brandt

„Ihr bewegender und überaus beeindruckender Bericht hat bei uns allen Erinnerungen wieder ins Bewusstsein gerückt. Aber wir haben auch viel Neues erfahren“, dankte Landrat Rainer Kaul der dritten Frau von Willy Brandt, bevor er sich dem Ehrenamt, speziell dem im Willy-Brandt-Forum widmete. Dessen Geschichte habe im Grunde mit der Landtagswahl 1991 und der Einweihung des Willy-Brandt-Platzes durch Rudolf Scharping begonnen, erinnerte er. In der Innenstadt sei es nach dem Bau des Einkaufszentrums im Unkeler Süden einsam geworden, in den auch die Sparkasse habe umziehen wollen. „Der Stadt schmackhaft gemacht hat sie diesen Umzug durch die Schenkung des Gebäudes im Wert von 300.000 Euro, in dem heute das Willy-Brandt-Forum zuhause ist“, berichtete Rainer Kaul. Das Land Rheinland-Pfalz habe den Umbau des ehemaligen Sparkassengebäudes und den Aufbau des Museums mit 800.000 Euro bezuschusst, weitere 300.000 Euro seien dann durch bürgerschaftliches Engagement gesammelt worden. Nur so sei eine wunderbare Einrichtung rund um das von Brigitte Seebacher gestiftete Arbeitszimmer Willy Brandts entstanden, dessen Leben sich in Unkel nach ihrer Aussage gerundet habe. „Wer weiß, ob er die Zeitenwende 1989 und die deutsche Einheit noch erlebt hätte, wären Sie nicht gewesen“, hatte Brigitte Seebacher den Unkelern erklärt, bevor die Bürgerstiftung im Anschluss an die Vorträge zu einem Imbiss in das Foyer des Verwaltungsgebäudes sowie ab 13 Uhr zu Führungen durch das Museum einlud.

Der Stiftungsvorstand und die ehemaligen Vorsitzenden des Willy-Brandt-Forums umgaben mit Landrat Rainer Kaul sowie den Landtagsabgeordneten Fredi Winter und Marc Ruland sowie Geschäftsführer Rudolf Rupperath die Gastrednerin der Festveranstaltung zum fünfjährigen Bestehen des Museum, Brigitte Seebacher. Foto: DL

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