Allgemeine Berichte | 01.10.2019

Den Blick auf Behinderte lenken – eine sinnvolle Aufgabe

Jörg Holzem zu Gast in der Grundschule Löf

Der Behindertensportler ließ Kinder an seinem Leben im Rollstuhl teilhaben

Jörg Holzem ließ Kinder der Grundschule Löf an seinem Schicksal teilhaben. Foto EP

Löf. Die Anspannung der Schüler/innen war förmlich zu spüren, als sie Jörg Holzem zum ersten Mal begegneten. Leise und schüchtern nahmen sie in der Turnhalle im Halbkreis vor dem Rollstuhlfahrer Platz. Dieser brach aber schnell das Eis und nahm ihnen die Angst: „Ihr müsst keine Angst haben und dürft mich alles fragen.“ Wer nicht fragt bleibt dumm, und da die Jungs und Mädchen neugierig waren, wurde es ein interessanter und humorvoller Gedankenaustausch.

Als Gast der Grundschule Löf und des Sportvereins Hatzenport-Löf erzählte Jörg Holzem die Geschichte seines Lebens und ließ die Kinder, sowie die Leiterin der Schule Sarah Lindner und den Vorsitzenden des Sportvereins Manfred Lietz, daran teilhaben. Im Alter von 23 Jahren hatte der gelernte Forstwirt einen schweren Unfall bei Baumfällarbeiten. Der heute 47jährige wurde dabei so schwer verletzt, dass er querschnittsgelähmt blieb. Freimütig erzählte er von der schwierigen Anfangszeit, als er lernen musste mit einem Rollstuhl zu leben und um zu gehen, da flossen auch manchmal die Tränen. Starken Halt gab ihm seine Frau, die er im Rollstuhl sitzend heiratete. Das Paar bekam zwei Kinder, der Sohn ist 11 Jahre – die Tochter 13 Jahre. „Meine Kinder kennen mich nicht anders“, erklärte Jörg Holzem.

Anstoß durch die eigenen Kinder

Diese und ihr unbeschwerter Umgang mit seinem Handicap, brachten ihn auf die Idee zur Aktion „Leben im Rollstuhl“, denn: „Kinder und Jugendliche sollen erleben, das man auch als Behinderter zufrieden sein kann.“ Trotzdem musste er bekennen, dass das nicht immer einfach war.

Heute präsentiert er sich als Mensch, der seine Berufung gefunden hat. Dabei hat ihm auch der Sport geholfen, denn er wurde eine Größe im Sport der Behinderten, spielte erfolgreich Rollstuhl-Rugby bei der RSG Koblenz. Mit seiner Mannschaft gewann er den Europapokal und die Champions League, war zehn Jahre lang aktiv in der Nationalmannschaft – auch als deren Kapitän - und nahm an der Paralympischen Spielen 2004 in Athen (7. Platz) und 2008 in Peking (6. Platz) teil. Dem Rollstuhl-Rugby ist er bis heute treu geblieben. Die Kinder lauschten seinen informativen Ausführungen: „Die meisten Unfälle, die eine Querschnittslähmung mit sich bringen, passieren durch Motorrad-, Auto- oder Badeunfälle“, erklärte Jörg Holzem.

Anschaulich und offen berichtetete Jörg Holzem den Kindern

Darauf wussten viele Schüler/innen von Vorfällen zu berichten, die sie selbst oder Familienangehörige erlebt hatten. Der Behindertensportler informierte sie über den Grad seiner Behinderung, veranschaulichte dies mit Kabelsträngen, um das Durchtrennen der Nerven zu demonstrieren: „Ich musste umdenken, denn ich habe kein Gefühl in den Beinen und meiner linken Hand. Da ist es mir anfangs passiert, dass ich mich mit heißen Kaffee verbrannt habe, weil ich nichts spürte.“

Auf die Frage: „Wie ziehen Sie sich an?“ zeigte er, wie er dies mit Hilfsmitteln schafft, aber gab auch zu, gerne Hilfe in Anspruch zu nehmen:

Die Kinder erhielten praktische Einblicke in die Lebensrealität

„Ich habe viele Telefonnummern in meinem Handy gespeichert. Zum Beispiel wenn ich zum Bäcker möchte, aber keine Chance habe in die Bäckerei zu kommen, dann rufe ich an und bekomme herausgebracht, was ich möchte. Ich muss alles gut planen und organisieren!“ Wissbegierig schauten die Kinder zu, als Jörg Holzem die Funktion eines Rollstuhls erklärte und seine Beweglichkeit zeigte. Weil sich die Schüler/innen sich nicht vorstellen konnten, wie das mit dem Autofahren klappt, demonstrierte er dies vor der Schule. Voller Spannung betrachteten sie das Manöver, ließen sich zeigen, wie er sich ins Auto zog, den Rollstuhl demontierte und einlud. Dann das Ganze wieder rückwärts.

Auf zwei sehr wichtige Utensilien machte er aufmerksam: den Behindertenausweis und den Parkausweis. Diese wichtigen Dokumente erleichtern sein Leben, unter anderem bei der Parkplatzsuche. Und weil die Kinder mit eigenen Augen gesehen hatten, wie schwierig dieses Manöver ist, werden sie an einem Behindertenparkplatz immer daran denken, dass dort nur Menschen mit körperlichen Einschränkungen parken dürfen. Am Ende der Veranstaltung durften die Schüler und Schülerinnen Rollstühle verschiedenster Ausführungen fahren und die Technik ausprobieren.

Seit 2017 ist Jörg Holzem, der in Arft in der Eifel wohnt, mit seiner Aktion „Leben im Rollstuhl“ an den Schulen und bei Vereinen in Rheinland-Pfalz unterwegs. Er will Berührungsängste abbauen, den Blick auf Behinderte lenken und zeigen, dass ein weitgehend normales Leben möglich ist - er will Mut machen!Dabei widmet er sich dieser sinnvollen Aufgabe mit sehr viel positivem Denken, das machte den Kindern den Umgang mit ihm und seinem Schicksal sehr leicht. Sie nahmen eine ganze Menge Erfahrungen mit in ihr Leben.

EP

Am Ende durften die Schüler und Schülerinnen Rollstühle verschiedenster Ausführungen und deren Technik testen. Foto EP

Am Ende durften die Schüler und Schülerinnen Rollstühle verschiedenster Ausführungen und deren Technik testen. Foto EP

Mit Kabelsträngen veranschaulichte Jörg Holzem den Grad seiner Behinderung. Foto EP

Mit Kabelsträngen veranschaulichte Jörg Holzem den Grad seiner Behinderung. Foto EP

Jörg Holzem ließ Kinder der Grundschule Löf an seinem Schicksal teilhaben. Foto EP

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Neueste Artikel-Kommentare
  • Roman Bermel: Hallo Julia. Du hast vollkommen recht. Ich habe lange bei euch gearbeitet und bin auch heute noch in der Grundschule unterstützend tätig. Ich kann nicht feststellen, dass weniger Unterstützung notwendig ist, eher das Gegenteil ist der Fall.
  • Andi-RLP: Hallo Herr oder Frau Bastian, Sie haben Recht, die Kommentarantwort von mir war falsch ausgedrückt. Das Wort "vertrauensvoll" steht natürlich im Bericht. Jedoch habe nicht ich den vertrauensvollen Abstimmungsprozess...
  • S. Bastian: Herr Winkelmann, Sie werden doch ihren eigenen Artikel kennen. Zitat: "Verbandsbürgermeister Jan Ermtraud machte in einer Rede deutlich, dass die Maßnahmenliste einerseits das Ergebnis eines vertrauensvollen...
  • Andreas Winkelmann: Hallo Frau Roth, von "vertrauensvoll" steht nichts im Bericht. Und die veränderte Maßnahmenreihenfolge ist ausdrücklich erwähnt. Gleich zu Anfang ist auf die dem Ratsinformationssystem zu entnehmenden Details verwiesen, wo u..a.
  • Elke Zeise: Nur Schade das man als Nachbarin keine Information bekommt ob der Täter noch in U Haft ist oder wieder auf freiem Fuß ist. Habe Angst die Wohnung zu verlassen
Dauerauftrag 2026
Daueranzeige 2026
125 Jahre Kaufhaus Moses in Bad Neuenahr
Minijob
Shopping Genuss Abend Ahrweiler / o.B. Sponsoring
Gegengeschäft
100 Jahre Eifelverein Dernau
Empfohlene Artikel
Die Stadt Andernach beteiligt sich auch in diesem Jahr an der bundesweiten Aktion „Mähfreier Mai“ und setzt damit ein weiteres Zeichen für eine nachhaltige und naturnahe Stadtentwicklung.Foto: Stadtverwaltung Andernach / Regina Unruh
202

Andernach. Die Stadt Andernach beteiligt sich auch in diesem Jahr an der bundesweiten Aktion „Mähfreier Mai“ und setzt damit ein weiteres Zeichen für eine nachhaltige und naturnahe Stadtentwicklung. Gleichzeitig verfolgt die Stadt einen ganzheitlichen Ansatz in der Grünflächenpflege.

Weiterlesen

Die Kreisverwaltung in Koblenz. Foto: ROB
111

Kreis MYK. Im Mai 2026 findet im Kreis Mayen-Koblenz die Bundeswehrübung „Gelber Merkur 2026“ unter der Leitung der Teilstreitkraft Cyber- und Informationsraum statt. Der Zeitraum dieser Übung erstreckt sich vom 8. bis 22. Mai, und die Aktivitäten sind nicht nur auf Standort- oder Truppenübungsplätze beschränkt. Die beteiligten Kräfte bewegen sich auch im öffentlichen Raum, was dazu führen kann, dass Schussgeräusche durch den Einsatz von Platzpatronen wahrnehmbar sind.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Nadine Kreuser.  Foto: privat
30

In Ahrweiler gehört es fest dazu: das Maibaumstellen. Gemeinsam werden die großen geschmückten Bäume aufgerichtet – mit viel Vorbereitung, Muskelkraft und Gemeinschaftssinn. Gleichzeitig sieht man in diesen Tagen vor vielen Häusern kleinere Maibäume stehen. Sie werden meist ganz persönlich aufgestellt: als Zeichen der Zuneigung, der Verbundenheit oder einfach, um einem Menschen zu zeigen: Ich denke an dich.

Weiterlesen

Symbolbild.
34

Pkw touchiert Kind an einer Bushaltestelle

21.04.:Kind bei Unfall in Marienfels verletzt

Marienfels. Am Dienstag, dem 21. April 2026, kam es gegen 16:30 Uhr in der Römerstraße in Marienfels zu einem Verkehrsunfall an einer Bushaltestelle. Ein Kind wurde von einem vorbeifahrenden PKW leicht touchiert und erlitt dabei leichte Verletzungen.

Weiterlesen

Dauerauftrag
Hausmeister, bis auf Widerruf
Anzeige Sonderpreis wie vereinbart
Gesundheit im Blick
125 Jahre Kaufhaus Moses in Bad Neuenahr
Maifest in Gönnersdorf
Stellenanzeige Kaufmännische/r Angestellte/r
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0253#
Handwerker im Außendienst
Gesundheit im Blick
Gesundheit im Blick Lahnstein
Gesundheit im Blick
Gesundheit im Blick
125 Jahre Kaufhaus Moses in Bad Neuenahr
Innovatives rund um Andernach
125 Jahre Kaufhaus Moses in Bad Neuenahr
125 Jahre Kaufhaus Moses in Bad Neuenahr
Maifest Dedenbach
Bestellung Nr. 4300003040 - W100 - 606  // AZ Commodity Rheinschiene KW 17