Allgemeine Berichte | 28.12.2018

70 Jahre Hand in Hand durchs Leben

Josefine und Paul Bertram feierten Gnadenhochzeit

Am Bahnhof lernten die Jubilare sich kennen, die Schillerlocken von Josefine hatten es Paul angetan.

Das rundum zufriedene Jubelpaar. ab

Remagen. Das wirklich seltene Fest der Gnadenhochzeit, 70 Jahre nach der Hochzeit, feierten Josefine und Paul Bertram aus dem Nibelungenring in Remagen, am 18. Dezember zuhause im Kreis der Familie. Als Gratulantin von der Stadt machte die stellvertretende Ortsvorsteherin Christine Wießmann dem Gnadenhochzeitspaar ihre Aufwartung.

Ausgesprochen fröhlich wirken die Jubilare bei der Gratulation, immerhin hat Jubilarin Josefine schon das 93. und Jubilar Paul das 90. Lebensjahr erreicht. Und dass es den beiden Jubilaren so gut geht, liegt sicher nicht zuletzt daran, dass sie mit Sohn Norbert Bertram und seiner koreanischen Ehefrau Ju-Sook Chung-Bertram im gleichen Haus leben. Das Haus hat Norbert Bertram mit Unterstützung seines Vaters gebaut. Und einig sind sich die beiden Jubilare darin, dass sie wohl keine bessere Schwiegertochter als Ju-Sook hätten bekommen können. Die Jubilarin Josefine Bertram, geborene Haesser, lernte ihren späteren Ehemann am Bahnhof von Reil/Mosel, ihrem Heimatort, kennen. Am 29. Februar 1948 begegnete die Jubilarin dort erstmalig ihrem späteren Ehemann Paul Bertram. Sie war unterwegs zum „Maggeln“ und er kam vom elterlichen Betrieb und hatte Wein erstanden. Immer wieder fuhren die beiden gemeinsam mit dem Zug und „ihm haben es meine Schillerlocken wohl wirklich angetan“. Am 18. Dezember 1948 wurde schon geheiratet.

Paul Bertram wurde am 28. August 1928 in Köln geboren. Mit 16 Jahren zog er freiwillig in den Krieg, „So waren wir damals erzogen“, sagt er. Im Mai 1945 kam er ins zerbombte Köln zurück und wurde noch am selben Tag gefangen genommen und ins Zuchthaus nach Rheinbach gesteckt. Danach kam er für ein halbes Jahr zum Arbeitskommando nach Idar-Oberstein. Später musste er in Diez an der Lahn ein Kriegsgefangenenlager neu aufbauen. Daraus konnte er sich später mit drei anderen befreien, da sie ja wussten, wo sie was aufgebaut hatten. Später war er bei den Mehlemer Rengsdorffwerken als Betriebselektriker beschäftigt. Um mehr Geld zu verdienen arbeitete er auch noch auf dem Bau, bis er umsattelte und als Paketzusteller zur Post ging, bis er nach 34 Jahren dort in den wohlverdienten Ruhestand ging. Ehefrau Josefine arbeitete ebenfalls bis zu ihrer Pension 1983 bei der Post. Neben der Familie und der Arbeit widmete sich die Jubilarin voller Freude ihrem Haushalt. Kochen und gutes Essen genießen ist noch heute ihre Leidenschaft. Ehemann Paul widmet sich gerne seinen Koikarpfen, die im schönen Garten ihren Teich haben. Rolf heißt der zweite Sohn der beiden Jubilare, der in den Wintermonaten in Thailand lebt. In das große Glück der Jubilare mischte sich aber auch Tragik als der ältere der beiden Söhne von Norbert und Ju-Sook Bertram, Andreas, vor einigen Jahren bei einem Flugzeugabsturz in Frankreich ums Leben kam. Dennoch haben die beiden Jubilare ihre Fröhlichkeit nicht verloren und sind dankbar, dass sie gemeinsam mit Sohn Norbert und Schwiegertochter Ju-Sook leben können. „Etwas schöneres könnten wir uns nicht vorstellen“, betonen die beiden rundum zufriedenen Jubilare, die seit 70 Jahren Hand in Hand durchs Leben gehen. AB

Das rundum zufriedene Jubelpaar.Foto: ab

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