Phänomenale KCK-Jubiläumssitzung in Kurtscheid
Junge Talente und erfahrene Stars auf der Bühne in der Wiedhöhenhalle
Weibliche Kandidatin meldete sich für die VG-Bürgermeisterwahl
Kurtscheid. Ein kurzes Musikstück, schnell gespielt von der hauseigenen „Bloaskapell‘“, und dann aus allen Kehlen ein begeistertes „Hie Höh!“. Das ist Karneval in Kurtscheid, schon seit 50 Jahren und auch jetzt wieder in der Wiedhöhenhalle. Allein der Schlachtruf ist schon ein Spaßfaktor. Umso mehr das abwechslungsreiche Programm auf der Bühne, vor den Augen des Elferrats und dem bunt kostümierten Publikum in der vollbesetzten Halle. Im Jubiläumsjahr des fünfzigjährigen Bestehens seit 1967 zogen die KCK-Mitglieder alle Register ihres karnevalistischen Könnens.
Da wunderte es auch niemanden, dass ein promovierter Dr. Molly der Gesellschaft nach eingehender Prüfung das Karnevals-Diplom verlieh. Der quirlige Axel Holly aus Bendorf-Sayn nannte es zwar Büttenrede, in Wirklichkeit war es aber eher eine One-Man-Show des wortgewandten Alleinunterhalters, in die er das Publikum und den Elferrat immer wieder gekonnt mit einbezog. Axel, von Beruf Erzieher und dabei sicher nicht weniger abwechslungs- und einfallsreich, konnte in Kurtscheid selbst sein eigenes kleines Jubiläum begehen, nämlich karnevalistische Unterhaltung seit 20 Jahren. Zu „BLICK aktuell“ sagte er nach seinem Auftritt: „Ich habe hier in den letzten Jahren Geschichten aus dem Erzieher-Alltag zum Thema gemacht. Diesmal ging es ums Karnevalsthema und die dazu gehörenden Begriffe an sich. Ein Freund meines Vaters hatte die Idee dazu. Gemeinsam haben wir den Vortrag konzipiert. Die Botschaft ist: Es wird nicht viel benötigt, eine gute Sitzung hinzubekommen. Alles kommt und geht eigentlich nur mit dem Publikum. Was oben auf der Bühne passiert, kann auch mal nicht so gut sein, wenn das Publikum gut drauf ist. Mit den Kurtscheidern bin ich in der Hinsicht total zufrieden.“ Außer in Kurtscheid tritt Axel Holly in Bendorf und Sayn, in Winningen, in Waldbreitbach und in Niederbreitbach auf.
Vielleicht gibt es auch schon einen, der in die Fußstapfen des Stimmungsmachers aus Bendorf-Sayn tritt, und zwar den 14-jährigen David Grothaus aus Kurtscheid, der im züchtigen weiß-roten Messdienerkostüm von seiner ersten Wallfahrt berichtete. Allerdings hatte er im Koblenzer Bahnhof den Pilgerzug nach Trier mit dem Tanzexpress nach Bingen verwechselt. Später wurde ihm bewusst: „In Trier war Abendmahl, in Assmannshausen Damenwahl!“ Noch intensivere Erfahrungen mit der Damenwelt hatte Raimund Eul gemacht. Er berichtete über seine Karriere als „Mann für gewisse Stunden“. Sein Motto: „Callboy ist die neue Masche - jet für Männer, nix für Flasche“! Nur hat ihm nicht gefallen, dass ihn Ortsbürgermeister Ferdi Wittlich zum Ausfüllen eines Wandergewerbescheins und Zahlung von Vergnügungssteuer nötigen wollte. Am Ende war Raimund aber doch stolz darauf, dass die neuen roten Sitzkissen in der Kirche fast komplett von seinen Abgaben finanziert werden konnten. Einen besonderen Applaus erhielt Raimund Eul auch dafür, dass er nach 25 Jahren Bühnenabstinenz jetzt sein Comeback feiern konnte - nach zuvor ebenfalls 25 Jahren aktiver Karnevalistenzeit.
Der Karneval hat weit über das offizielle Jubiläum hinaus in Kurtscheid Tradition. Denn die Kurtscheider haben eigentlich schon viel länger närrisches Treiben geschätzt: Schon vor dem Zweiten Weltkrieg organisierte die damalige Kolpingfamilie regelmäßige Veranstaltungen für die Jecken, musste dies allerdings aus Geldmangel nach 1963 einstellen. Die Narrenabstinenz erduldeten die Kurtscheider Jecken nicht lange und gründeten schon Ende 1966 eine „Interessengemeinschaft zur Durchführung einer Karnevalsveranstaltung“. Der Zulauf war so groß, dass die Kurtscheider Karnevalsgrößen zur Gründung eines Vereins aufriefen. Der wurde dann am 18. Februar 1967 aus der Taufe gehoben und feierte gleich mit der ersten Prunksitzung einen durchschlagenden Erfolg: Im Haus Westerwald als Veranstaltungsort waren der Saal und das angrenzende Weinzimmer so voll, dass etliche Narren vor der Tür bleiben mussten.
Damals schon mit dabei war der heutige Vereinsvorsitzende Friedel Wagner als Sitzungspräsident. „Ich war damals der jüngste Präsident, den Kurtscheid je hatte, und heute bin ich der älteste Vorsitzende“, berichtet der heute 73-Jährige schmunzelnd. Übrigens war sein Vater maßgeblich an der Etablierung des „Hie-Höh“- Schlachtrufs beteiligt: Peter Wagner, den Karnevalisten bekannt als „Peter von Hawai“, und Paul Wittlich alias „Klärch Paul“ pflegten in den 1950er Jahren so das Karnevalstreiben in der höchstgelegenen Gemeinde des Kreises zu bejubeln. Bis heute kann der Verein auf viele Höhepunkte zurückblicken. Dazu zählen die großen Umzüge, die die KCK-Jecken in den frühen 70er-Jahren von den Möhnen übernommen hatten: Dabei waren oft so viele Bürger des Dorfes beteiligt, dass kaum Zuschauer am Streckenrand übrig waren. Heute sind rund 80 Mitglieder im KCK aktiv, sodass die Organisatoren immer genug Jecken bei der Hand haben, um ihre Veranstaltungsprogramme zu größten Teilen aus den eigenen Reihen zu bestücken. Von Anfang an dabei waren auch die KCK Funken, die über Kurtscheid hinaus mit ihren Hebefiguren von sich reden machen. Hierzu gehören: Rebecca Eul, Raphaela Funk, Sina Gemünd, Celine Gräf, Carolin Hardt, Katharina Hart, Kathrin Jung, Sarak Niedermark, Lisa Preyer, Jasmin Wolfram, Jasmin Henn und Nina Herzog. Pünktlich zum Jubiläumsjahr hat sich sogar die zwischenzeitlich ruhende Jugendgarde reaktiviert und kann mit stolzen elf Tänzerinnen aufwarten.
Eine nicht minder beliebte Tanzgruppe in Kurtscheid sind die „Wäller Weiber“, eine überwiegend aus Kurtscheider Frauen bestehende Gruppe. Hier wurden jetzt zwei Tänzerinnen verabschiedet: Silke Otto-Kaschewski und Marion Hardt, die seit 2001 dabei war. Ihre Mittänzerinnen bei der Jubiläums-Prunksitzung waren: Ute Fischer, Catrin Reuber, Sabine Wittlich, Helga Wittlich, Marie Wittlich, Heidi Laubin, Heike Weber, Denise Kaschewski und Ulrike Weißenfels. Trainiert werden sie von Siggi Meyer aus Niederbreitbach. Von September an treffen sich die „Wäller Weiber“ zum Trainieren einmal in der Woche, ab Januar dann zweimal wöchentlich.
Viel Prominenz und auch Politprominenz befand sich unter den Ehrengästen der Sitzung, so Landrat Rainer Kaul, Kreisbeigeordneter Achim Hallerbach, Ex-HwK-Präsident und Bundestagsabgeordneter Werner Wittlich, der aktuelle Wahlkreis-Bundestagsabgeordnete Erwin Rüddel (er besuchte die Kurtscheider Sitzung kurz vor Mitternacht) und auch Verbandsgemeinde-Bürgermeister Hans-Werner Breithausen. Der hat schon seit fünf Jahren die Aufgabe, als erster Büttenredner sozusagen das karnevalistische Eis zu brechen. Was ihm immer wieder gut gelingt.
Vielleicht war er auch besonders angespornt, trat doch an diesem Abend noch eine „Konkurrentin“ für das Amt des Bürgermeisters ans Rednerpult: Büttenrednerin Rita empfahl dem Kandidaten: „Hans-Werner, zieh dich warm an, hier kommt deine Konkurrenz!“ Mit der Showtanzgruppe „Funky Diamonds“ aus Neuwied-Irlich, den Grün-Weißen Funken vom Zippchen aus Kölsch-Büllesbach und dem Möhnen-Männerballet (Martin Hardt, Marcus Grothaus, Andre Reuber, Achim Vogt, Thomas Bär, Jürgen Weingarten, Andreas Gersthahn, Holger Zuchel und Kamil Spustek) hatte der KCK seinen Gästen noch viel Show und Tanz zu bieten. Sehr originell war auch die Multimedia-Präsentation von Grothie und Stocki, die als Hausmeister mit der Installation einer Brause beauftragt waren. Mittels einer geschickten Video-Präsentation stand bei diesen Arbeiten so einiges auf dem Kopf und die Zuschauer kamen aus dem Lachen nicht mehr heraus.
