Allgemeine Berichte | 06.06.2019

Spaziergänger findet toten Uhu unter Strommast bei Polch

Junguhus plötzlich ohne Mutter

Stefan Brücher von der Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen hält den toten Uhu in seinen Händen. Fotos: EGE e.V.

Polch. Ausgerechnet am Muttertag findet ein Spaziergänger einen toten Uhu unter einem Strommast bei Polch im Kreis Mayen-Koblenz. Der Uhu ist mit einem Ring der Vogelwarte Radolfzell gekennzeichnet. Wie sich herausstellt, hatte Stefan Brücher von der Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen e.V. (EGE) den Uhu im Jahr 2012 als Jungvogel mit dem Ring markiert. Bei der Nachricht über den Fund des Uhus befürchtet Brücher das Schlimmste, denn mit Ausfall des Uhus besteht für die möglicherweise vorhandene Brut des Vogels akute Lebensgefahr. Zumal, wenn es sich wie hier um ein Uhuweibchen handelt.

„Als wir am Dienstagabend das Nest der Uhus fanden, waren die beiden Junguhus bereits verendet“, berichtet Brücher und erklärt: „Das Uhumännchen hatte offensichtlich versucht, die Uhujungen alleine mit Nahrung zu versorgen. Neben jedem der Kleinen hatte es Beutetiere abgelegt. Uhumännchen fehlt jedoch das Vermögen, die Beute schnabelgerecht zu zerkleinern und die Küken zu füttern. Außerdem erkennt das Uhumännchen nicht, wann seine Nachkommenschaft vor der Sonne geschützt werden muss. Ich vermute, das kleinere Küken erlag der sengenden Sonne. Das Größere hatte sich unter einem Baum zu schützen versucht und ist dort vermutlich verhungert.“

Uhus und andere große Vogelarten landen gerne auf Strommasten. Als vogelgefährlich erweisen sich dabei bestimmte Konstruktionen von Mittelspannungsmasten. Das sind 10 bis 15 Meter hohe Masten aus Holz, Beton oder Stahl. Dabei können die Uhus die spannungsführenden Bauteile überbrücken oder einen Kontakt zwischen dem geerdeten Mast und einem unter Spannung stehenden Bauteil herstellen. Die Vögel kommen unter solchen Umständen meist durch Stromschlag ums Leben oder werden zumindest schwer verletzt. So wurde auch der Mast bei Polch dem Uhuweibchen zum tödlichen Verhängnis.

Das Bundesnaturschutzgesetz verpflichtet die Stromnetzbetreiber seit 2002 zur vogelsicheren Entschärfung aller Masten. Diese Entschärfung hatte bereit bis Ende 2012 abgeschlossen sein müssen. Doch diese Vorgabe haben die Netzbetreiber nicht überall befolgt. Es gibt veraltete Sicherungsmethoden, die schon 2010 von der Umweltministerkonferenz als untauglich eingestuft wurden. Diese Masten sind bisher noch nicht nachgebessert worden. Außerdem gibt es Masten, an denen die vorgeschriebenen Maßnahmen unzureichend durchgeführt wurden. Die Stromunternehmen arbeiten gewinnorientiert und wägen jede Ausgabe ab. Sie versuchen für sogenannte „Altmasten“, einen Bestandsschutz geltend zu machen und lehnen systematische Nachbesserungen ab.

„Duldet das Umweltministerium diese Haltung, wird es in Rheinland-Pfalz wohl weiterhin tausende für Störche, Uhus und Greifvögel lebensgefährliche Masten wie jenen bei Polch geben“, befürchtet Brücher.

Die Rechtslage hat die EGE 2018 in einem Rechtsgutachten feststellen lassen. Das Gutachten „Zur rechtlichen Gewährleistung des Vogelschutzes an Mittelspannungsfreileitungen“ stellt klar, dass es keinen Bestandsschutz für ungesicherte Masten gibt und die Behörden verpflichtet sind, die Sicherung der Strommasten durchzusetzen. Der Autor, Johannes Hellermann, ist Professor für öffentliches Recht, Finanz- und Steuerrecht an der Universität Bielefeld und ein auch von Bundestag und Bundesrat gefragter Sachverständiger für Fragen der Energiewirtschaft. Dazu Brücher: „Wir sind froh, dass wir ihn für das Thema gewinnen konnten, fraglich ist jedoch, wann die Umweltministerien die Rechtslage zur Kenntnis nehmen und sie beachten.“

Pressemitteilung Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen e. V.

Eines des Uhujungen war vermutlich nach dem Tod der Mutter verhungert.

Eines des Uhujungen war vermutlich nach dem Tod der Mutter verhungert.

Stefan Brücher von der Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen hält den toten Uhu in seinen Händen. Fotos: EGE e.V.

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Neueste Artikel-Kommentare
  • Roman Bermel: Hallo Julia. Du hast vollkommen recht. Ich habe lange bei euch gearbeitet und bin auch heute noch in der Grundschule unterstützend tätig. Ich kann nicht feststellen, dass weniger Unterstützung notwendig ist, eher das Gegenteil ist der Fall.
  • Andi-RLP: Hallo Herr oder Frau Bastian, Sie haben Recht, die Kommentarantwort von mir war falsch ausgedrückt. Das Wort "vertrauensvoll" steht natürlich im Bericht. Jedoch habe nicht ich den vertrauensvollen Abstimmungsprozess...
  • S. Bastian: Herr Winkelmann, Sie werden doch ihren eigenen Artikel kennen. Zitat: "Verbandsbürgermeister Jan Ermtraud machte in einer Rede deutlich, dass die Maßnahmenliste einerseits das Ergebnis eines vertrauensvollen...
  • Andreas Winkelmann: Hallo Frau Roth, von "vertrauensvoll" steht nichts im Bericht. Und die veränderte Maßnahmenreihenfolge ist ausdrücklich erwähnt. Gleich zu Anfang ist auf die dem Ratsinformationssystem zu entnehmenden Details verwiesen, wo u..a.
  • Elke Zeise: Nur Schade das man als Nachbarin keine Information bekommt ob der Täter noch in U Haft ist oder wieder auf freiem Fuß ist. Habe Angst die Wohnung zu verlassen
Dauerauftrag 2026
Anzeige Sonderpreis wie vereinbart
Gesundheit im Blick
Blumen Meyer Neueröffnung
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0240#
125 Jahre Kaufhaus Moses in Bad Neuenahr
Maifest in Gönnersdorf
125 Jahre Kaufhaus Moses in Bad Neuenahr
Minijob
Empfohlene Artikel
Die Stadt Andernach beteiligt sich auch in diesem Jahr an der bundesweiten Aktion „Mähfreier Mai“ und setzt damit ein weiteres Zeichen für eine nachhaltige und naturnahe Stadtentwicklung.Foto: Stadtverwaltung Andernach / Regina Unruh
18

Andernach. Die Stadt Andernach beteiligt sich auch in diesem Jahr an der bundesweiten Aktion „Mähfreier Mai“ und setzt damit ein weiteres Zeichen für eine nachhaltige und naturnahe Stadtentwicklung. Gleichzeitig verfolgt die Stadt einen ganzheitlichen Ansatz in der Grünflächenpflege.

Weiterlesen

Die Kreisverwaltung in Koblenz. Foto: ROB
42

Kreis MYK. Im Mai 2026 findet im Kreis Mayen-Koblenz die Bundeswehrübung „Gelber Merkur 2026“ unter der Leitung der Teilstreitkraft Cyber- und Informationsraum statt. Der Zeitraum dieser Übung erstreckt sich vom 8. bis 22. Mai, und die Aktivitäten sind nicht nur auf Standort- oder Truppenübungsplätze beschränkt. Die beteiligten Kräfte bewegen sich auch im öffentlichen Raum, was dazu führen kann, dass Schussgeräusche durch den Einsatz von Platzpatronen wahrnehmbar sind.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Nadine Kreuser.  Foto: privat
6

In Ahrweiler gehört es fest dazu: das Maibaumstellen. Gemeinsam werden die großen geschmückten Bäume aufgerichtet – mit viel Vorbereitung, Muskelkraft und Gemeinschaftssinn. Gleichzeitig sieht man in diesen Tagen vor vielen Häusern kleinere Maibäume stehen. Sie werden meist ganz persönlich aufgestellt: als Zeichen der Zuneigung, der Verbundenheit oder einfach, um einem Menschen zu zeigen: Ich denke an dich.

Weiterlesen

Symbolbild.
23

Pkw touchiert Kind an einer Bushaltestelle

21.04.:Kind bei Unfall in Marienfels verletzt

Marienfels. Am Dienstag, dem 21. April 2026, kam es gegen 16:30 Uhr in der Römerstraße in Marienfels zu einem Verkehrsunfall an einer Bushaltestelle. Ein Kind wurde von einem vorbeifahrenden PKW leicht touchiert und erlitt dabei leichte Verletzungen.

Weiterlesen

Anzeige Haushaltsauflösungen und Ankauf
Dauerauftrag 2025
Imageanzeige Werbeplan 2026
Werbeplan 2026
Maibaumstellen Heimersheim
Maibaumstellen Heimersheim
125 Jahre Kaufhaus Moses in Bad Neuenahr
Familienfest freiwillige Feuerwehr Ringen-Bölingen am 01.05.26
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0253#
Titel-Eckfeld - Bestellung Nr. 4300003863
Vorabrechnung, Nr. AF2025.000354.0, April 2026
Gesundheit im Blick // Anzeige Kinder
Titelanzeige
Angebotsanzeige (April)
Verwaltung Immobilien
Servicemitarbeiterin
SB Wahlen