Herschbachs Gotteshaus St. Anna feiert Geburtstag
Kärmes en Herschbich
Herschbach. Im Jahre 1695 wurde die Filialpfarrei Herschbach von der Mutterpfarrei Marienrachdorf gelöst und somit selbstständig. Schenkelberg wurde als Filialpfarrei an Herschbach angegliedert. Der neuen Pfarrei St. Anna Herschbach wurden unter ihrem Pfarrer Mathias Frederici als Entlohnung für die Loslösung von Marienrachdorf folgende Verpflichtungen auferlegt: Am Feste der Kirchweih zu Marienrachdorf muss eine Prozession ohne Mitnahme des Allerheiligsten nach Marienrachdorf durchgeführt werden. Aus jedem Herschbacher Haus muss mindestens eine Person dabei sein und jedes Jahr muss dem Pfarrer aus Marienrachdorf ein Wagen Heu gebracht werden.
Da langsam aber sicher die Bevölkerung in Herschbach wuchs, wurde die kleine Kapelle vorne auf dem heutigen Marktplatz zu klein. Es musste ein größeres Gotteshaus gebaut werden. Der damalige Amtmann Mathias Mohr, der in der Wasserburg wohnte, schenkte der Pfarrgemeinde seinen Bleichplatz als Bauplatz. So konnte auch die neue und größere Kirche inmitten der Gemeinde seinen Platz finden. Man kann davon ausgehen, dass er als Gegenleistung dafür mir seiner Frau im Chor in der Oberherschbacher Kapelle seine letzte Ruhestätte fand.
Weil der Boden sumpfig war, wurde das Gebäude auf einem Rost von Eichenstämmen erbaut; so stand es in der Zeitschrift „Nassovia“ im Jahre 1905 zu lesen. Der damalige Pfarrer Wiedenhofer, der wohl aus einer wohlhabenden Familie stammte, beteiligte sich an der Finanzierung des neuen Gotteshauses.
Im Jahre 1766 war der Bau soweit, dass der Kirchturm erbaut werden konnte. Am 10. August 1767 wurde nach der Benediction (Segnung) durch den Pfarrer der erste Gottesdienst gefeiert und vor „großer Volksmenge“ gepredigt. Am 23. Juli 1775 wurde die Kirche von Kurfürst Clemens Wenzeslaus, der auch einige Tage in der Wasserburg wohnte, konsekriert (eingeweiht).
Viele Änderungen musste die Kirche im Laufe der Jahrhunderte vor allem im Inneren erdulden: andere Altäre wurden integriert, schöne Gemälde im Chor und im Schiff wurden entfernt, herrliche Bilderfenster mussten weichen, Bronzeglocken wurden eingeschmolzen. Längst nicht mit allem waren die Herschbacher, die doch die Gottesdienste besuchten, einverstanden.
Kärmes, Kirmes, Kirchweihfest wird in Herschbach aufgrund der Benediction am 10. August immer am 2. Sonntag im August gefeiert. Bis 1962 stand der Kirmesbaum an der Brücke im Holzbach. Wegen des zunehmenden Straßenverkehrs wurde er dann am Kirmesplatz aufgestellt. Die damalige Kirmesjugend hatte die Grube erstellt und auch ausbetoniert. Erstmalig hängte sie auch das Symbol des Heiligen Laurentius, den Schutzpatron von Herschbach, an den „Fingerzeig nach oben“, wie man auch den Kirmesbaum nennt. Etwa zwei Jahrzehnte später wurde die „Kärmes“ auf dem Marktplatz in einem Zelt gefeiert. Auch der Kirmesbaum wurde auf die Hauptstraße geholt. In diesem Jahr soll der Kirmestrubel wieder in der „guten Stube Herschbachs“ gefeiert werden. Wo auch immer gefeiert wird, es geht letztendlich immer um das Gotteshaus inmitten von Herschbach.
Der Geburtsjahrgang 1943 beim Kirmeszug 1963.
