„Kultur im Hotel“ - Das Forum Kultur hatte eingeladen
Karneval und Fährdienst
Eine filmische Rückschau in zwei Episoden - von Walter Clemens
Bad Breisig. Walter Clemens und sein „Studio am Elzenberg“ sind in der Quellenstadt eine Institution. Wenn der in seine Heimatstadt verliebte halbprofessionelle Hobbyfilmer zu einer seiner Präsentationen ruft, dann ist der Zuschauerraum voll. So auch jetzt, als er in Zusammenarbeit mit der Serie „Kultur im Hotel“, veranstaltet vom „Forum Kultur“, zu einer Film-Vorführung über zwei populäre Themen einlud. Im ersten Film ging es um „Die ersten 75 Jahre der Geschichte des Breisiger Karnevals“ im zweiten Film um „Die Geschichte der Breisiger Fährleute“. Der Publikumsandrang im Hotel „Rhein-Residenz“ war so groß, dass man gleich zwei Vorstellungen nacheinander einplante, und das war gut so. Vor allem die Karnevalsfreunde füllten den Raum jeweils bis zum letzten Platz. Karneval hat in der Quellenstadt seit jeher eine hervorragende Rolle gespielt, und so war man denn gespannt, was Walter Clemens mit seinen vielfältigen Bemühungen an alten Dokumenten aus der Zeit von 1892 (Gründungsjahr der KG) bis 1967 (75 jähriges Jubiläum) zusammengetragen hat. Man muss wissen: Es gibt aus den Zeiten bis zum Neuanfang der KG nach dem letzten Krieg keine Chronik mehr. Die Besatzungstruppen sind verständlicherweise nicht gerade respektvoll mit dem Inhalt der rheinseitig der B9 zwangsweise geräumten Wohnungen umgegangen. Da war der Historien-Forscher vom Elzenberg schon auf einzelne von den Familien gerettete Fotos angewiesen. Diese - einst von Platten belichteten - Kartonabzüge lassen heutzutage Details und Gesichter nur schwer erkennen, und chronologische Zuordnung stellt eine Herausforderung dar. Was Walter Clemens dennoch an Erinnerungen herausarbeitete, fordert höchsten Respekt. Und das Schönste: Er kommentiert es flüssig auf „Breisiger Platt“ - das macht die Erinnerungen authentisch und wird der karnevalistischen Färbung gerecht. Da werden alte Zeiten wach, als das Gründungsfoto der KG aus dem Garten des „Schützenhofs“ die Phalanx der Herren präsentiert, die sich das Motto „Mir lossen ohs net bang maache“ auf die Fahne schrieben. Dagegen mussten die Damen der Schöpfung bis 1928 warten, ehe die damals 25-jährige Christine Schlösser (später verh. Fabritius) die gleichgesinnten Breisiger Mädels zusammenrief und den Frauenkarneval in Niederbreisig aus der Taufe hob, getreu dem Bekenntnis „Mir han noh keinem jet ze froge!“ Da begegnet uns auf noch erhaltenem Plakat im Jahr 1900 der erste Breisiger Prinz Karneval: Paul Wiegand. Da bestimmt der hoch angesehene Jean Zentner im Präsidenten-Amt das Geschehen (und zwar bis Kriegsausbruch 1939 und auch wieder danach). Er wird beerbt von charismatischen Vordenkern wie Toni Ockenfels, Fritz Blumenthal und Hein Bergmann. Prächtige Karnevals - Prinzen zieren den Narrenthron über die Zeiten: Louis Niederée, Hans Brücken, Leo Niederée, Philipp Klee, Toni Ockenfels, Peter Seul. Erst nach dem Krieg geben die meisten Prinzen auch ihren Frauen oder Partnerinnen die Ehre der Thronbesteigung: Willy Schuh (mit Prinzessin Ida), Prinz Toni Bleidt (mit Prinzessin Ilse), Prinz Felix Laux, Prinz Hein Bergmann (mit Prinzessin Ruth), Prinz Jupp Schwarz (mit Prinzessin Trude), Prinz Josef Buhr (mit Prinzessin Käthe Kassing) , Prinz Willy Buchholz, Prinz Hubert Schäfer (mit Prinzessin Edith Veeser), Prinz Bobes Salscheider, Prinz Karl Konrad, Prinz Walter Frentrop und zum Abschluss der ersten 75 Jahre: Prinz Walter Fabritius (mit Prinzessin Margot). In all den Jahren bildeten die Stadtsoldaten, ab 1936 auch die „Prinzengarde“ den Hintergrund festlicher Aufzüge. Prächtige Prinzenwagen von Fritz Kassing waren immer das Aushängeschild des im, aller traditionell immer am Karnevalsdienstag stattfindenden Breisiger Karnevalszuges. Foto-Dokumente aller Prinzen (-paare), aller Prinzenwagen, aller Funkenmariechen, Szenen aus Sitzungen in der Jahnhalle und in den Sälen von der „Alten Post“ und dem „Weißen Ross“, viele Büttenredner und Tänze - Walter Clemens hatte viel Nacherlebenswertes zusammen getragen und filmisch aufgearbeitet, wenn auch - verständlicher Weise - manchmal die zeitliche Zuordnung Probleme machte. Der große Beifall zeigte, wie dankbar die aktuellen Zeitgenossen ihm für die historische Rückschau waren und sind. Auch das zweite, filmisch umgesetzte Thema fand viel Interesse: Die Geschichte der Breisiger Fährleute von vorgeschichtlicher Zeit bis zum Verlust des letzten Fährboots im Vorjahr. Personen und Sachen übersetzen von der einen zur anderen Rheinseite - das war über Jahrhunderte gesetzlich geregelt. Jetzt gibt es erstmals zwischen Bad Breisig und Bad Hönningen keine Personenfähre mehr - ein Verlust, der durch die große Wagenfähre am südlichen Stadtausgang nicht voll zu ersetzen ist. Der Historiker vom Elzenberg legte den „Finger in die Wunde“, aber er konnte nur schildern, was war und ist, und das ist wenig erfreulich. Umso wichtger: die sachliche Bild-Aufbereitung von Walter Clemens. Der reiche Beifall zeigt, wie nah das Thema den Menschen geht. FA
