Kein Trick
Eine theologische Kolumne von Gunnar Bach
Der Philosoph Sören Kierkegaard erzählt eine Geschichte: „Ein Reisezirkus war in Brand geraten. Der Direktor schickte daraufhin den Clown, der schon zur Vorstellung gerüstet war, in das benachbarte Dorf, um Hilfe zu holen, da die Gefahr bestand, dass über die abgeernteten, ausgetrockneten Felder das Feuer auch auf das Dorf übergreifen würde. Der Clown eilte in das Dorf und bat die Bewohner, sie mögen eiligst zu dem brennenden Zirkus kommen und löschen helfen. Aber die Dörfler hielten das Geschrei des Clowns lediglich für einen ausgezeichneten Werbetrick, um sie möglichst zahlreich in die Vorstellung zu locken; sie applaudierten und lachten Tränen.
Dem Clown war mehr zum Weinen als zum Lachen zumute. Er versuchte vergebens die Menschen zu beschwören und ihnen klar zu machen, dass dies keine Verstellung und kein Trick sei, sondern bitterer Ernst. Sein Flehen steigerte nur das Gelächter, man fand, er spiele seine Rolle ausgezeichnet - bis schließlich in der Tat das Feuer auf das Dorf übergegriffen hatte und jede Hilfe zu spät kam, sodass Dorf und Zirkus gleichermaßen verbrannten.“ Ich kann verstehen, dass viele den Sommer nach so langer Zeit der Corona-Entbehrung genießen. Die Geschichte beschreibt aber das mulmige Gefühl, wenn ich die düsteren Zukunftsprognosen für den Herbst und den Winter lese. Mit dem Virus kann man nicht verhandeln, mit dem Klima auch nicht.
„Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden“ (Reinhold Niebuhr).
Gunnar Bach
