Fraunhofer Institut lud zum Jubiläum ein
Kein Wetter aus der Kugel
Ausstellungen und Informationen aus erster Hand
Wachtberg. Dass hier Wetterdaten erfasst werden, hat früher Mancher gedacht. Auch Gerüchte um streng geheime Systeme kursierten, vielleicht gäbe es dort sogar Experimente mit Strahlen. Richtig ist, dass in der „Wachtberger Kugel“, wie die Bürger den wie einen überdimensionierten Golfball anmutenden Schutzschirm über dem Riesenparabolspiegel nennen, Informationen aus dem All aufgefangen werden. Die sind allerdings oft weit unspektakulärerer, als mancher Krimifan ahnt, erfuhr man beim neunten Wachtberg-Forum zum 10-jährigen Jubiläum des Fraunhofer-Instituts bei der Vorstellung neuer Entwicklungen. Für die Forschung sind die Daten dennoch immens wichtig, um aktuelle Probleme zu analysieren, zu verstehen und um Lösungsansätze zu finden. Größen aus Wissenschaft und Politik sowie Bürgermeisterin Renate Offergeld würdigten die Arbeit am Standort.
„Zum Beispiel wird Weltraumschrott zum Problem werden. Das gefährdet aktuelle Systeme, die uns Daten für den täglichen Gebrauch, zum Beispiel für Mobilfunk oder Navigation, liefern“, prognostizierten die Fachleute unisono. Weil viele Staaten und Unternehmen ihre Satelliten ins All schicken, herrscht auf der Umlaufbahn der Erde ziemlich viel Verkehr. Schon mehrfach hatten Wissenschaftler dabei geholfen, defekte Satelliten kontrolliert so abstürzen zu lassen, dass sie auf der Erde keinen Schaden anrichten. „Das Material verglimmt beim Eintritt in die Atmosphäre“, erklärten die Fachleute. Umlaufbahnen, Kollisionsrisiken, aber auch Forschungen zum „Mülleinsammeln“ und das Ziel weltweit verbindlicher Regeln zum Verkehr im All stehen auf der Agenda der Forscher und Wissenschaftler. Auch Probleme, die uns viel näher als der Orbit liegen, werden hier betrachtet. So simulieren radargestützte Systeme autonomes Fahren und Reaktionsschemata für verschiedene Verkehrssituationen.
Warum die Kugel überhaupt gebaut wurde, wenn sie primär keine technische Bedeutung hat, erfuhr man ebenfalls an diesem Tag. Das Weltraumbeobachtungsradar wird nämlich durch die Kugel vor Regen und Wind geschützt. Durch Regen würde der 34 Meter im Durchschnitt messende Parabolspiegel verschmutzen und dadurch ungenaue oder gar falsche Daten liefern. Das gleiche Problem ergibt sich, wenn Wind in die immens große Spiegelfläche greift und der Spiegel sich dadurch geringfügig verformt. Das riesige Messinstrument ist trotz des Daseins als 240-Tonnen-Schwergewicht recht agil. Innerhalb von 15 Sekunden kann er von Motoren ein Mal vollständig um die eigene Achse gedreht werden, um interessanten Datenquellen zu folgen oder um Objekte zu verfolgen.
Die wissenschaftlichen Mitarbeiter Michael Krist und Ferran Valdes tauschen Informationen und Forschungsergebnisse aus. Foto: Petra Reuter
Bürgermeisterin Renate Offergeld würdige Arbeit, Erfolge und Wachstum des Fraunhofer Instituts. Foto: Petra Reuter
Eine Miniatur zeigt das Innere der Kugel. Foto: Petra Reuter
