Allgemeine Berichte | 29.04.2022

Agentur für Arbeit Montabaur ermutigt am Girls´ Day

Keine Angst vor Dreck und großen Maschinen

Auch ein Beruf für Mädchen: Mary wird Kfz-Mechatronikerin

Mary bei einer nspektion. Quelle: Agentur für Arbeit Montabaur

Westerwaldkreis. Die junge Frau trägt Latzhose, Arbeitsjacke und Sicherheitsschuhe. Die Haare sind mit einem Tuch zurückgebunden, die Hände schwarz vom Motoröl und sie strahlt übers ganze Gesicht. Mary A. lernt einen Beruf, den viele Mädchen überhaupt nicht auf dem Schirm haben: Kfz-Mechatronikerin. Damit nicht genug. Ihr Einsatzfeld sind Nutzfahrzeuge, und da gehören Caravans und Transporter zu den „kleinen Fischen“. Vor allem schraubt sie an schweren Lkw - ohne Berührungsängste und voller Leidenschaft.

Die 16-Jährige, die ihre Ausbildung bei der Vogel GmbH in Diez absolviert, ist sicher, am richtigen Platz gelandet zu sein. Ihre Schulzeit war nicht einfach. Freimütig erzählt sie, dass sie unter einer leichten Rechenstörung und einem ausgeprägten Aufmerksamkeitsdefizit (ADS) leidet und im Unterricht eine Integrationsfachkraft zur Seite hatte. Nach dem Hauptschulabschluss wollte sie vor allem möglichst schnell hinaus ins praktische Leben. „Schon im Kindergarten habe ich gewusst: Ich muss was mit den Händen machen!“, erzählt sie.

Aber was? Mary liebt Pferde und besitzt selbst eine Stute mit Fohlen. Sie jobbte auf einem Reiterhof und überlegte, Pferdewirtin zu werden. Aber sie bezweifelte, mit diesem Gehalt sich und ihre Tiere ernähren zu können. Die nächste Idee war, als Berufskraftfahrerin Güter über die Straßen zu transportieren. Sämtliche Bewerbungen wurden abgelehnt, weil sie noch minderjährig ist. Die Berufsberaterin der Agentur für Arbeit Montabaur und der Übergangscoach der Realschule plus im Aartal unterstützten Mary bei der Orientierung, erkannten ihr Potenzial und brachten sie auf die Zielgerade. Mit ihrem Faible für große Maschinen könne sie doch Kfz-Mechatronikerin werden? Die Vogel GmbH in Diez, die auf Verkauf, Reparatur und Inspektion von Lkw spezialisiert ist, suche Azubis.

Jochem Vogel, Betriebsleiter und Prokurist, hatte schon zuvor Bewerberinnen für die Werkstatt. Es gibt zwar viele technische Hilfsmittel, die die Arbeit erleichtern. Aber man muss immer noch ordentlich zupacken können. Vogel: „Die Bremse für einen Pkw kann ein Kind heben. Aber bei einem Lkw wiegt sie schon mal zehn Kilo. Deshalb sage ich immer: Guck´s dir an! Einen Einstellungstest habe ich noch nie verlangt, und auf Schulnoten legen wir nicht so viel Wert.“ Mary war die einzige junge Frau, die ein Praktikum machte und blieb.

Um den ersten weiblichen Mechatroniker-Lehrling einstellen zu können, musste der Betrieb eine separate Toilette, Waschgelegenheit und Umkleide nachweisen. Dafür wurde ein Kunden WC „umgewidmet“. Ein anderes Problem geht die junge Frau selbst energisch an. Damit sie in der Berufsschule Schritt hält, nimmt sie einmal pro Woche Mathe-Nachhilfe; die Kosten trägt die Arbeitsagentur: „Ich weiß, dass ich Unterstützung brauche und habe mich dafür entschieden, weil ich auf keinen Fall aufgeben will.“

Diese Gefahr besteht wohl nicht. Mary meistert die Theorie mit Bravour und bringt ihre Vorgesetzten mit Bestnoten bei HwK-Lehrgängen in Elektrik und Metallbearbeitung zum Staunen. Um ihr schlechtes Kurzzeitgedächtnis auszutricksen, hat sie Block und Kuli in der Hosentasche. Wenn´s schnell gehen muss, kritzelt sie sich auch mal eine Memo in die Hand. Unerlässlich für den Job in der Werkstatt ist ihre Grundhaltung: „Ich hab keine Angst vor Dreck. Der ist abwaschbar.“

In der Agentur für Arbeit freut man sich nicht nur, dass Berufsberatung und Förderung so gute Früchte tragen. „Mary zeigt auch in allerbester Weise, dass junge Frauen in so genannten Männerberufen erfolgreich sind“, sagt Kristin Walter, Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt. Gerade zum Girls´ Day, der am 28. April im Kalender steht, ermutigt sie alle Mädchen: „Schaut euch in der Berufswelt um, erkundet eure Interessen – und vor allem: traut euch!“ Seit Jahrzehnten stehen in der „Hitliste“ der Berufsstarterinnen die Kauffrau für Büromanagement, die Friseurin und die zahnmedizinische Fachangestellte ganz oben. Aber wer kennt eine Abwassermeisterin, eine Forstwirtin oder eine Zimmerin?

Mädchen wie Mary könnten dafür sorgen, dass sich etwas ändert. Sie liebt ihren Job, und ihre Begeisterung steckt an: „Als ich hierherkam, kannte ich kein einziges Werkzeug und hatte noch nie einen Lkw von unten gesehen. Und jetzt denke ich jeden Tag: Boah, ist das cool!“

Pressemitteilung der

Agentur für Arbeit Montabaur

Mary bei einer nspektion. Quelle: Agentur für Arbeit Montabaur

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Bildergalerien
Lampionfest in Weißenthurm
Heimat aktiv erleben
Heimat aktiv erleben - Anzeige Biergarten
Heizöl/Diesel/Holzpallets
Anzeige KW 25
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0366#
Empfohlene Artikel
Der voll besetzte Marktplatz. Fotos: DU
38

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Obwohl er heuer schon in die 5. Runde geht, war der „Musiksommer Ahrweiler“ noch Ende Mai akut in Gefahr. Durch den relativ kurzfristigen Rückzug einer Sponsorenzusage, war dem beliebten Musikevent, das überdies nicht unerheblich zur Innenstadtbelebung beiträgt, eine wichtige Finanzierungssäule von rund 20.000 Euro weggebrochen. Doch dank des Engagements bestehender und neuer...

Weiterlesen

Laura Epstein (Mitte) wird neue Mayschoßer Weinkönigin, Eva Kirsch wird als Weinprinzessin amtieren. Rechts Mirco Burkardt (stellv. Vorsitzender WG Mayschoß-Altenahr). Foto: DU
32

Mayschoß. Zwei Wochen nachdem in Altenahr die zukünftigen Weinmajestäten verkündet wurden, zog mit Mayschoß am vergangenen Wochenende ein weiterer Mittelahr-Ort in Sachen Weinmonarchie nach: kommende Weinkönigin des Jahres 2026/27 wird Laura Epstein! Durch ihren Freund, der aus einer Mayschoßer Winzerfamilie stammt, ist die 25-jährige Musikerin eng mit dem Wein und dessen Anbau vertraut, schon oft packte sie im Weinberg tatkräftig mit an.

Weiterlesen

Noah Bach (links) und Niclas Hauffe besprechen die Flugroute, bevor sie vom Flugplatz Ailertchen aus zur Befliegung der Mittelspannungsleitungen starten
25

Koblenz/Westerwald/Eifel. Wenn Noah Bach und Niclas Hauffe in die Luft gehen, ist das kein Zeichen schlechter Laune, sondern hoch konzentrierte Präzisionsarbeit. Im Auftrag der Energienetze Mittelrhein (enm) inspizieren die beiden aktuell per Helikopter die Mittelspannungsfreileitungen zwischen Eifel und Westerwald. Ihr Ziel: mögliche Schäden frühzeitig erkennen, bevor sie zu Störungen führen. Während...

Weiterlesen

Weitere Artikel
Aufgrund eines Ladendiebstahls fahndet die Polizei nach dem Verdächtigen.
513

Hochpreisiges Parfüm gestohlen

Bonn: Polizei fahndet nach Ladendieb

Bonn. Fahndung nach einem mutmaßlichen Ladendieb in Bonn: Das Kriminalkommissariat 15 der Bonner Polizei hat eine öffentliche Suche nach einem Verdächtigen eingeleitet, der im Verdacht steht, am 12. März 2026 ein teures Parfüm aus einer Parfümerie in der Bonner Innenstadt gestohlen zu haben.

Weiterlesen

Foto: Polizei
8070

Die Gesuchten sollen einen 24-Jährigen bewusstlos geprügelt haben:

22.06.: Fahndung: Wer kennt diese Männer?

Köln. Die Kriminalpolizei Köln fahndet mit Bildern von Zeugen nach zwei Männern, die am 12. Februar (Weiberfastnacht) einen 24-Jährigen angegriffen und schwer am Kopf verletzt haben sollen.

Weiterlesen