Allgemeine Berichte | 12.11.2016, 11:23 Uhr

Bistum Trier rät von Beteiligung an Aktion ab

„Keine nachhaltige Entwicklungshilfe für Kinder in Not“

„Weihnachten im Schuhkarton“ ist eng mit fundamentalistischem Missionswerk verbunden

Trier. „Weihnachten im Schuhkarton“ ist eine Aktion des Vereins „Geschenke der Hoffnung e.V.“, vor der das Bistum Trier in der Vergangenheit bereits mehrmals gewarnt hat. Matthias Neff, der Sekten- und Weltanschauungsbeauftragte des Bistums, hat noch einmal darauf hingewiesen, dass man „die Beteiligung an dieser Aktion nicht empfehlen“ könne. Auch die anderen deutschen Bistümer beteiligten sich nicht an der Aktion.

„Weihnachten im Schuhkarton“ leiste keine nachhaltige Entwicklungshilfe für Kinder in Not, die Aktion bewirke keine langfristige Verbesserung der Lebensbedingungen notleidender Kinder, heißt es dazu auch in einer entsprechenden Erklärung des Bistums. „Diese Aktion verbessert die Lebensbedingungen der Kinder in Not nicht; weder verändert sich die Ernährungssituation nachhaltig, noch entwickeln sich die medizinische Versorgung, die Wohnverhältnisse oder die Möglichkeiten weiter, eine Schul- oder Berufsausbildung zu erhalten.“

Missionierung statt Hilfe

Wichtig sei auch der geistige Hintergrund der Aktion: „,Weihnachten im Schuhkarton‘ ist in erster Linie eine evangelikale Missionsaktion. Die Kinder, die die Geschenkkartons erhalten, sollen mit den christlichen Missionaren und Gemeinden in Kontakt kommen, die vor Ort die Verteilung organisieren. Auch Angehörige nicht christlicher Religionen, die das christliche Weihnachtsfest nicht feiern, sollen auf diese Weise missioniert werden.“

Daher werde mit den Kartons, wo immer möglich, eine Missionsbroschüre verteilt. In dieser Broschüre gehe es viel um „Sünde“ und „Hölle“. Weihnachten und die biblische Weihnachtsgeschichte würden nicht erwähnt. „Wo immer möglich, wird mit der Verteilung der Geschenke auch die Einladung zu einem ausführlichen Missionskurs verbunden. Nicht nur die Kinder, die die Kartons erhalten, auch ihre Eltern sollen für diese evangelikalen missionarischen Programme gewonnen werden.“

Verteilung löst Konflikte aus

Die Aktion richte sich ausdrücklich auch an Angehörige nicht christlicher Religionen, die das christliche Weihnachtsfest nicht feiern. „Im Rahmen der weltweiten Aktion werden Geschenkkartons auch in Ländern verteilt, in denen mehrheitlich oder fast ausschließlich Buddhisten, Hindus oder Muslime leben, beispielsweise im Irak. Dabei kommt es immer wieder zu Konflikten.“

Der Verein „Geschenke der Hoffnung“ sei eng mit dem christlich-fundamentalistischen Missionswerk „Samaritan’s Purse“ aus den USA verbunden, erläutert das Bistum, und „Weihnachten im Schuhkarton“ sei Teil der weltweiten Aktion dieses Missionswerks, das „in den vergangenen Jahren immer wieder durch fragwürdige und aggressive Missionsmethoden und -aktionen in Erscheinung getreten“ sei. Sein Direktor Franklin Graham sei der Sohn des evangelikalen Predigers Billy Graham und leite auch die „Billy Graham Evangelistic Association“.

Zwischen dem Bistum Trier und „Geschenke der Hoffnung e. V.“ gebe es wesentliche Unterschiede im Verständnis der christlichen Mission und der christlichen Entwicklungspartnerschaft, so das Bistum.

Kein Segen des Papstes

Ein letzter wichtiger Hinweis von Matthias Neff: Gelegentlich finde sich in der Werbung für „Weihnachten im Schuhkarton“ noch die Aussage, die Aktion habe den Segen von Papst Franziskus. Hintergrund: Die Verantwortlichen der Aktion hatten Papst Franziskus 2013 zu seiner Wahl gratuliert. „Selbstverständlich erhielten sie damals eine Antwort – verbunden mit Segenswünschen des Papstes.“ Das vatikanische Dank-Schreiben sei aber keine Aufforderung an die deutschsprachigen Diözesen oder an Katholiken, sich an der Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“ zu beteiligen.

Weitere Infos bei Matthias Neff, Tel. (06 51) 71 05-5 26. Erklärung im Wortlaut unter www.bistum-trier.de/sekten. Pressemitteilung

des Bistums Trier

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