Allgemeine Berichte | 04.04.2017

„Höhr-Grenzhausen brennt Keramik“ lud zum Schlendern und Bestaunen ein

Keramik zum Schätzen und Lieben

Die Ausstellung „Seladon Meister!“ zeigt Exponate von Künstlern aus der Stadt Longquan. MIH

Höhr-Grenzhausen. Am vergangenen Sonntag startete Höhr-Grenzhausen mit dem Aktionstag „Höhr-Grenzhausen brennt Keramik“ in die touristische Saison. Das jährlich wechselnde Thema lautete diesmal „Die Welt ist eine Scheibe“. Ein sehr passendes Motto, denn die Töpferscheibe verbindet keramische Künstler und Liebhaber der ganzen Welt miteinander. So startete an diesem Sonntag auch die Eröffnung einer ganz besonderen Ausstellung im Keramikmuseum. Dort sind bis zum 28. Mai mehr als 80 Seladonwerke von 16 Künstlerinnen und Künstlern aus China zu bewundern. Die Ausstellung „Seladon Meister!“ zeigt Exponate von Künstlern aus der Stadt Longquan, welche für diese traditionelle Brenntechnik, die unverwechselbare Glasuren ergibt, weltweit bekannt ist. Viele der ausstellenden Künstlerinnen und Künstler sind in der nationalen Liste des immateriellen Erbes der Volksrepublik China „Brennen und Manufaktur des Seladons aus Longquan“ eingetragen. Um 11.30 Uhr hieß die Leiterin des Keramikmuseum, Frau Monika Gass, die angereisten Künstler aus China sowie die anwesenden Gäste aufs herzlichste willkommen und freute sich über die zu diesem Zeitpunkt bereits hohe Besucherzahl. In seiner anschließenden Rede betonte Stadtbürgermeister Michael Thiesen den hohen Stellenwert der Seladonkunst in China und hob hervor, dass diese Ausstellung die Internationalität des Keramikmuseums und der Keramik aus Höhr-Grenzhausen wiederspiegele. Er wünschte der Ausstellung den Erfolg, die sie verdient. Einen tiefen Einblick in die Vielfältigkeit und Schönheit dieser traditionellen chinesischen keramischen Kunst ermöglichte im Anschluss Frau Anette Mertens als Kuratorin der Ausstellung. Die Geschichte des Seladons sei 1700 Jahre alt und gehöre zu der bedeutendsten Entwicklung der chinesischen Keramikgeschichte. Die vielschichtige und dennoch schlichte Gestaltung enthalte viele Elemente der Schönheit der Natur, so Mertens. Aus den Arbeiten und den Werken der seltenen Meister dieser Kunst spreche die Poesie der Ausführung dieser hohen Qualität traditioneller chinesischer Keramik und strahlenden Objekte. Bevor Frau Mertens alle Seladonliebhaber, -sammler und –freunde im Anschluss zu einem Vortrag und einer Fragestunde einlud, überreichte Meister Mao Weijie eine Schale für die Sammlung des Museums.

Eine Reise durch die Keramik

Auf der Reise durch die an diesem Event beteiligten keramischen Werkstätten der Kannenbäckerstadt konnten sich die zahlreichen Besucher dieses Tages im Atelier Claudia Henkel im Töpferhof, ganz in der Nähe des Museums, von einer ganz besonderen „porzellanen Weltanschauung“ überzeugen. Direkt um die Ecke in der Seiferwiese präsentierte Alina Penninger ihr bemaltes, bestempeltes und mit Ornamenten verziertes Steinzeuggeschirr. Im Kasino drehte sich alles um die Werke der zehn Kasinokeramiker, die mit ihrer Gemeinschaft eine große Bandbreite keramisch-künstlerischer Möglichkeiten unter Verwendung unterschiedlicher Techniken aufzeigten. Eine davon ist die von Nicole Thoss verwendete Drucktechnik. Im Gespräch mit Sandra Nitz, die vor 20 Jahren aus Oberfranken nach Höhr-Grenzhausen kam, sagte diese: „Handgemachte Keramik muss wieder in die Köpfe der Menschen und besonders in die Hände.“ Die Medien seien voll von Kochshows mit teuren Kochgeräten und Lebensmitteln, aber beim Geschirr höre es dann oft auf. Zu einem perfekten Dinner gehöre eben auch perfektes und gutes Geschirr. Folgte man an diesem herrlichen Frühlingstag der keramischen Meile weiter, führte sie den Besucher als nächstes in die kopfsteingepflasterte Brunnenstraße im Herzen Grenzhausens. Hier ist Andreas Hinder mit seiner Werkstatt zuhause. Hinder modelliert Tierplastiken und bauchige Großgefäße. An diesem Tag bot er den Zuschauern und Keramikinteressierten einen Live-Einblick in sein Schaffen und die Kreation seiner frei modellierten Einzelstücke. Ein paar Meter weiter präsentierte die sechsköpfige Werkstattgemeinschaft Ceramix bunte Tassen und Teller, Schmuck sowie kleine Geschenke. Direkt gegenüber in der Hausnummer 13 sind vier weitere keramischer Werkstätten mit unterschiedlichen Sortimenten und künstlerischen Ausrichtungen zu finden. Armin Skirde produziert bemaltes Steinzeuggeschirr wie Teller, Tassen, Schalen, Gewürzdosen, aber auch Seifenschalen, Vasen sowie Marmeladen- und Honigtöpfe. Der gebürtige Würzburger erzählte im Gespräch, dass er nach seinem Studium in der Töpferstadt „hängengeblieben“ und seit 1995 seinem Stil treu geblieben sei. Zu seinen Werken zählen kleine Produktionsserien zu unterschiedlichen Themen wie z. B. Höhlenmalerei und stilisierte Tiere. Ein Stück weiter stößt man bei Lion & Lion auf eine außergewöhnliche Kollektion hauchdünner, exklusiver Porzellanlampen und Schmuck. Christiane Lion berichtete, dass Sie und Ihr Mann bereits seit 22 Jahren in der Branche tätig seien und auf Anregung eines Kunden seit Kurzem sogar Manschettenknöpfe nach diesem Prinzip fertigen. In den Räumen der Keramikgruppe Grenzhausen und der Werkstatt Meyer und Matschke zeigte sich dem Betrachter buntes Steinzeuggeschirr mit illustren Fantasiemotiven auf künstlerischen Unikaten. Von 11 bis 18 Uhr konnte man mit dem kostenlosen Pendelbus von Station zu Station gelangen. Dieser brachte die Besucher unter anderem auch nach Hilgert zum Tonhaus Ulf Huppertz, einem Spezialisten des Rakubrands, der wegen seiner großen Rauchentwicklung meist im Freien gebrannt wird. Bei den Firmen Hans Wolbring und Thomas Wolbring hatten auch die Hobbytöpfer an diesem verkaufsoffenen Sonntag Gelegenheit von der Gießform über die Drehmasse bis hin zu Glasuren und Engoben alles zu erstehen, was sie benötigen, um ihrer Phantasie, inspiriert durch das Gesehene in den Werkstätten und Ateliers, beim nächsten töpferischen Akt Ausdruck zu verleihen. Nun angelangt im Stadtteil Höhr gab es noch vier brennende Stationen zu besichtigen. Tanja und Gideon Necker zeigten in ihrem neuen Atelier die neuesten Keramiken in ihrer Gartenausstellung. In der Keramikwerkstatt Charlotte und Siegfried Böhmer dreht sich die Scheibe des Tagesmottos und die Besucher konnten das Handwerk des Töpfers in Aktion erleben. Aus dem großen Sortiment der Töpferei Girmscheid, die die Westerwälder Salzglasur mit ihren Produkten bis nach Amerika trägt, fiel ein sehr praktisches kleines Tellerchen in unterschiedlichen Dekoren ins Auge. Ein Teller mit circa 10 cm Durchmesser erlangt durch die spezielle Kniebistechnik in seinem unteren Teil die Funktion einer Knoblauchreibe. Es muss also nicht immer Kunststoff oder Metall die Hausarbeit erleichtern, denn es geht auch mit handgefertigten heimischen Produkten aus der Kannenbäckerstadt.

Ein besonderer Tag

Die letzte Station führte in die Schützenstraße zur Kunsttöpferei Roland Giefer. Dieser Sonntag war für den Ehrenobermeister der Töpferinnung ein ganz besonderer, wenn auch kein leichter Tag, denn er hatte seine Töpferei zum letzten Mal geöffnet. 1991 übernahm er von seinen Eltern den Betrieb und hatte forthin sich und sein Leben der Salzglasur verschrieben, berichtete er. In diesen fast 30 Jahren habe er die Salzglasur innovativ weiterentwickelt und dabei dennoch die Tradition fortgeführt. Viele Jahre verwendete er, genau wie andere Töpfereien der Umgebung auch, die gleichen Dekore. Doch alles unterliegt dem Wandel der Zeit. Geschmäcker ändern sich und die Töpferbranche wurde in den letzten Jahren von der Individualität der jeweiligen Künstler geprägt. So entwickelte auch Roland Giefer seinen künstlerischen Ausdruck immer weiter. Markenzeichen der letzten Jahre seines Wirkens war die Arbeit mit großen Schwüngen, wie er Auskunft gab. An diesem Abend schloss er die Türen seiner Töpferei mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Letztlich bleibt nach diesem Tag zu sagen, dass hier in Höhr-Grenzhausen nicht nur der Keramikofen brennt, sondern vor allem die Leidenschaft für ein sehr altes Handwerk und die Begeisterung für einen der ältesten Werkstoffe der Menschheit. Um dies nachvollziehen zu können, bot der Tag der offenen Tür eine gute Möglichkeit. Vielleicht hat ja auch der ein oder andere im Gespräch mit den Akteuren seine Affinität zu diesem Handwerkszweig entdeckt und Höhr-Grenzhausen kann sich über einen weiteren Liebhaber dieser zeitgenössischen Kunst freuen.

Keramik zum Schätzen und Lieben

Die Werkstatt von Armin Skirde.

Die Werkstatt von Armin Skirde.

Die Ausstellung „Seladon Meister!“ zeigt Exponate von Künstlern aus der Stadt Longquan. Fotos: MIH

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare

Die alte Ockenfelser Linde soll fallen

  • Claudia W. : Ich bin in der Bergstraße aufgewachsen, meine Großeltern lebten dort. So traurig das ein einzelner so etwas durchsetzt! Ich hoffe das es noch abgewendet wird und dieser schöne alte Baum erhalten bleibt.
  • Iris Arens : Es wiederholt sich immer und überall: Auswärtige ziehen in Kenntnis der Sachlage zu und klagen anschließend gegen die bei Zuzug bereits bestehenden und bekannten Umstände. Hoffentlich bleibt die Linde...

Verschiebung wegen Planungsunsicherheit

  • Sabine Weber-Graeff: Da werden Abermilliarden in die Aufrüstung der Bundeswehr,respektive die Landesverteidigung gesteckt und dann wird seitens von Grün ernsthaft erwogen in den Sichtbereich des militärischen Radars zwei...
  • Joschi Hund: Leider kann man nicht mehr von einem Antik und Trödelmarkt sprechen, warum ? Wenn über die Hälfte der Händler Neuware anbieten und Ihre Waren mit Festpreisen ausgezeichnet haben. Man kann sagen über 80 % der Aussteller waren Händler.
Rund ums Haus
Dauerauftrag Imageanzeige
Dachdecker (m/w/d)
Innovatives rund um Andernach
Maikirmes Franken
10 Jahre NoWi Bau
Berufskraftfahrer gesucht
10 Jahre Nowi
Betriebsferien Mai 2026
Empfohlene Artikel
Symbolbild.
75

Die Woche vom 11. bis 17. Mai bringt Bewegung in viele Lebensbereiche. Gefühle klären sich, Entscheidungen rücken näher und im Alltag zeigen sich neue Chancen. Rund um den Vatertag am 14. Mai zieht es viele Menschen ins Freie. Gemeinsame Aktivitäten sorgen für Ausgleich, können aber auch Spannungen offenlegen. Wer aufmerksam bleibt, erkennt früh, wo es sich lohnt, innezuhalten oder aktiv zu werden.

Weiterlesen

Verleihung Ehrenamtspreis Stadt Andernach am 29. April 2026 (v.l.n.r.): Bürgermeister Claus Peitz, Gerd Kaul, Vorsitzende des Vereins Freundschaftskreis Dimona-Andernach e.V. Barbara Söhngen, Oberbürgermeister Christian Greiner)Foto: Sebastian Waluga
21

Andernach. Im Historischen Rathaus der Stadt Andernach sind am 29. April 2026 zwei besondere ehrenamtliche Engagements mit dem Ehrenamtspreis der Stadt ausgezeichnet worden. Im Rahmen einer feierlichen Veranstaltung ehrte Oberbürgermeister Christian Greiner den Miesenheimer Bürger Gerd Kaul sowie den Verein Freundschaftskreis Dimona-Andernach e. V. für ihren langjährigen Einsatz.

Weiterlesen

Symbolbild.
212

Region. Ein Spielteilnehmer oder eine Spielteilnehmerin aus dem Westerwald hatte am vergangenen Freitag allen Grund zur Freude: Mit einem Tippschein für die europäische Lotterie Eurojackpot, den er oder sie in einer Annahmestelle von Lotto Rheinland-Pfalz gespielt hatte, gewann er oder sie in der Gewinnklasse 2 über 681.000 Euro.

Weiterlesen

Weitere Artikel
9

Ab dem 28. Mai auf dem Unkeler Sportplatz

Deutsches Sportabzeichen in Unkel erwerben

Unkel. Es ist wieder so weit: Ab Donnerstag, dem 28.05.2026, besteht die Möglichkeit, zwischen 18:00 Uhr und 20:00 Uhr nach telefonischer Absprache das Deutsche Sportabzeichen auf dem Unkeler Sportplatz zu erwerben. Dies erfolgt im Rahmen von Training und Abnahme.

Weiterlesen

Anzeige Haushaltsauflösungen und Ankauf
Daueranzeige
Kreishandwerkerschaft
Kreishandwerkerschaft
Holz Loth-Entsorgung
Anzeige Uhren Vintage
Innovatives rund um Andernach
10 Jahre NoWi
Azubispots Bad Neuenahr 2026
Innovatives rund um Andernach
First Friday Anzeige Mai
Stellenanzeige
Arbeiten bei van roje
Titel
10 Jahre Nowi
Imageanzeige Löhr Meckenheim
Stellenanzeige Servicekräfte