Kinderkräutertag bei „Flora und Fauna Rengsdorf e.V.“
Kinder lernen die Geschenke der Natur kennen
Die Besucher wurden zum Bau von Brutplätzen für Mauerbienen angeleitet
Rengsdorf. Was hat ein Kräutertag mit Bienen zu tun? Der Verein „Flora und Fauna Rengsdorf e.V.“ hatte zum Kinderkräutertag eingeladen, leider an einem Wochenende, als der Himmel in unregelmäßigen Abständen immer wieder mal seine Schleusen öffnete und Wasser wie aus Kübeln auf die Erde goss, auch in Rengsdorf. Aber zum Glück gibt es im Kräutergarten auch die gemütliche Holzhütte, in der man die Regenschauer gut verbringen kann. In der Einladung zum Kinderkräutertag hatte es geheißen: „Wir haben in diesem Jahr diesen Erlebnistag den Wildbienen, Bienen und Hummeln gewidmet. Warum? Mit ganz kleinen Schritten kann man den Wildbienen helfen. Auf dem Balkon, der Terrasse und im Garten. Am Samstag werden wir mit den Besuchern Insektenhilfen basteln oder Nektar- und Blühpflanzen in einen Blumentopf anpflanzen, zum Beispiel den Borretsch, die Minze, die Stockrose. Der Backes wird auch angefeuert und darin werden leckere Flammkuchen gebacken.“
Weite Anfahrten zu den immer wieder interessanten Erlebnistagen nehmen die Teilnehmer in Kauf. Eine Familie mit Kleinkind kam am vergangenen Samstag aus dem 30 Kilometer entfernten Herschbach im Westerwaldkreis nach Rengsdorf. Wobei ein einziger Besuch überhaupt nicht ausreichen kann, um die Fülle an Informationen aufzunehmen, die von Ingrid Runkel im Sekundentakt abgegeben werden.
Großes Wissen über Heil- pflanzen und nützliche Insekten
Die Frontfrau der Naturschutzinitiative sprudelt das Wissen über alte und neue Heilpflanzen, nützliche Insekten und heimische Gewächse nur so aus sich heraus. Zum Beispiel, dass die in Wein eingelegte Blüte der Schlüsselblume ein stärkendes Mittel für das Herz sein soll. Die Blüte werde auch von Menschen benutzt, die Probleme haben, in den Schlaf zu finden. In dieser Hinsicht schreibt Ingrid Runkel der Schlüsselblume ähnliche Wirkung zu wie dem Baldrian. Damit hat sie sich schon selbst das Stichwort für die nächste Erläuterung gegeben: „Man ist ja immer wieder erstaunt, wenn man durch die Natur geht, sieht man überall Baldrian. Dieses Jahr ist es anders: Ich sehe ganz oft Ehrenpreis. So viel Ehrenpreis, wie ich dieses Jahr am Wegrand und im Garten gefunden haben, hat es noch nie gegeben. Den Ehrenpreis haben die Römer, als sie nach Deutschland kamen, als Heilpflanze entdeckt. Das war ein gegenseitiger Austausch: Den Römern haben wir Obstsorten wie Pfirsich, Aprikose, Äpfel und Weintrauben zu verdanken, im Gegenzug haben sie von uns die Wirkungsweise vieler Kräuter gelernt. Ich sammele den Ehrenpreis, trockne ihn und benutze ihn als Tee. Er hat innerlich und äußerlich eine unglaubliche Heilwirkung. Man fühlt sich ja manchmal unwohl und weiß nicht richtig, woran es liegt. Da hilft zum Beispiel der Ehrenpreis. Ich gebe ihn zum Beispiel auch in getrockneter Form in die Duft-Kräutersäckchen. Wir haben nämlich festgestellt, dass gewisse Kräuter eine positive Wirkung auf uns Menschen haben, auch in getrockneter Form. Wenn Sie zum Beispiel mit dem Auto im Stau stehen und haben so ein Säckchen im Auto dabei, dann bleiben Sie ruhig und regen sich nicht großartig auf. Auf Kinder wirkt das genauso. Wenn sie müde sind oder traurig, können die Kinder so ein Kräutersäckchen an die Nase halten und alles sieht direkt schon viel besser aus.“
Über den Kreislauf der Natur
„Flora und Fauna“ versucht bei seinen Veranstaltungen, den Menschen näher zu bringen, dass alles Leben Teil eines Kreislaufs ist und wie schädlich es sein kann, einzelne Elemente aus diesem Kreislauf heraus zu nehmen. Ingrid Runkel drückt es für Kinder verständlich aus: „Dann fehlt irgendwo ein Bindeglied und das ist schlimm!“ Ihren persönlichen Umgang mit den Schätzen der Natur beschreibt die Rengsdorferin so: „Wenn ich Zeit habe, dann bin ich mit Trocknen, Säuren und Einfrieren von Naturprodukten beschäftigt. Und was ich nicht mehr verarbeiten kann, versenke ich in Alkohol.“ Für Eltern, die Probleme haben das richtige Mittagsgericht für ihre Kinder auf den Tisch zu bringen, hat die Kräuterfrau auch einen Tipp: „Kinder lieben Thymiankartoffeln. Das ist der Renner, eine Kartoffel aus dem Backofen, mit Kräutern oben drauf. Die Kinder haben noch diesen Urinstinkt für gutes Essen, den viele Erwachsene leider schon nicht mehr haben.“ Auch verfügen Kinder noch über sehr sensible Geschmacksnerven. Eine Mutter bestätigt: „Kinder schmecken alles noch viel intensiver als wir Erwachsene!“ Doch dann ging es nicht mehr ums leckere Essen oder heilende Wirkungen von Pflanzen. Es ging darum, wie der Mensch der Natur und in diesem Fall speziell den Bienen helfen kann, die Hilfe allen bekannten Berichten nach dringend nötig haben. Ingrid Runkel: „Heute haben wir die Mauerbiene ein bisschen in den Vordergrund gestellt. Ich habe den Kindern gezeigt, mit welchem Material man der Mauerbiene ein Zuhause schaffen kann. Es werden ja immer so viele Sachen weggeworfen. Vieles kann man aber noch für sehr nützliche Zwecke gebrauchen.
Bienenhotel – ein Zuhause für die Mauerbiene
Zum Beispiel eine einfache Wasserflasche aus Plastik oder eine Blechdose. Aus beidem kann man ein schönes Bienenhotel bauen. Man schiebt zum Beispiel im Herbst vom Liebstöckel die Stängel in die Flasche oder die Dose. So wird das Gefäß mit den circa 15 Zentimeter langen Stängeln gefüllt und dann an einen Baum gehängt. Die Mauerbiene legt ihre Eier in die Stängel, die nach sieben Monaten ausschlüpfen. Die nächste Königin legt dann immer wieder ihre Eier in dieses Nest, aus dem sie selbst geschlüpft ist. Die Mauerbiene ist genau so nützlich wie die normale Biene, sie erfordert aber nicht so einen hohen Pflegeaufwand. Es spielt auch gar keine Rolle, ob man schon Mauerbienen in seiner Umgebung gesehen hat. Wenn man so ein Nest baut und es aufhängt, dann findet die Mauerbienen das. Am besten hängt man die Nester im Februar oder im März auf, dann haben die Tiere ausreichend Gelegenheit, ihren Brutplatz rechtzeitig vorzubereiten.“
Die Pflanzen wachsen so üppig im Kräutergarten von „Flora und Fauna Rengsdorf“, dass Ingrid Runkel interessierten Eltern gerne immer wieder mal ein paar Ableger mitgibt. Türkische Minze ist dabei, Ebernraute, Colaraute, Langlebige Kresse, die für den Magen besonders gut sein soll, und Schildsauerampfer, den laut Ingrid Runkel die Kinder besonders lieben, weil er nicht so herb im Geschmack ist und Zitrone und Essig im Salat ersetzen kann. In viele Gärten in der Region wandern die Ableger aus dem Rengsdorfer Kräutergarten. Und verbreiten dort wie in den Köpfen ihrer neuen Besitzer das Bewusstsein für die unendlich vielen positiven Eigenschaften der Gaben der Natur.
