„Freu(n)de für Belarus“ feiern 25 Jahre Kinderhilfe Tschernobyl
Kinder standen im Mittelpunkt des Festes
Heimbach-Weis. Mit einem großen Fest feierten die Freu(n)de für Belarus e.V. am Sonntag das 25-jährige Bestehen der Kinderhilfe Tschernobyl. Nicht langatmige Festreden sondern diejenigen, um die es geht, standen im Mittelpunkt der Feierlichkeiten, die am Freitag in Betzdorf und am Sonntag in der St. Margaretha Kirche und der Festhalle in Heimbach-Weis stattfanden. Das Fest war auch ein Zeichen, dass man in Heimbach-Weis noch lange nicht ans Aufhören denkt. Dreißig Jahre nach dem Supergau im Atomreaktor geraten die schrecklichen Folgen anderenorts mehr und mehr in Vergessenheit. Viele Tschernobyl - Kinderhilfen haben sich aus Mangel an Gasteltern aufgelöst. „Wie wunderbar ist es da zu sehen, was hier bei uns im Laufe der Jahre gewachsen ist. Es finden sich immer wieder neue Familien, die ein Gastkind aufnehmen“, freut sich Christel Weißenfels. Die 1. Vorsitzende der Freu(n)de für Belarus führt das unter anderem auf die Erweiterung des Betreuungsangebots während des Aufenthalts der Kinder zurück. In ihrem Grußwort unterstrich sie, um was es in erster Linie geht, nämlich der Stärkung des Immunsystems: „Die Kinder, die regelmäßig zur Erholung kommen, sind gesünder und aktiver“. Darüber hinaus seien die Kinder motiviert, etwas Positives von dem, was sie in Deutschland erleben und vorgelebt bekommen, mit nach Hause zu nehmen. Die meisten Kinder kommen aus ärmlichen und einfachsten Verhältnissen. Vieles hat sich in den vergangenen 25 Jahren verändert. Manches, wie die aufwendige Prozedur der Visabeschaffung oder Sponsoren für den Aufenthalt der Kinder zu gewinnen, ist gleich geblieben. Es gibt aber auch Dinge, die einfacher geworden sind. Mussten früher noch Briefe geschrieben werden, findet die Kommunikation heute über die neuen Medien statt. Und zwar häufiger und intensiver. Viele der Gasteltern sind seit Jahren dabei. „Die gemeinsame Zeit ist sehr bereichernd, und wir haben eine Freundin fürs Leben gefunden. Mittlerweile ist Katja zum sechsten Mal bei uns, und die Vorfreude auf das nächste Mal wird jedes Jahr größer“, berichtet Familie Hahn. „Etliche persönliche Beziehungen zwischen Familien aus Neuwied und Belarus sind Dank der Freunde für Belarus entstanden“, bedankt sich Oberbürgermeister Nikolaus Roth in einem Grußwort für das Engagement der Freu(n)de für Belarus. „Es gibt kaum Menschen in unserem Gebiet, die noch nicht von der Kinderhilfe Tschernobyl bzw. den Freunden für Belarus profitiert haben“, berichtet Tamara Iwolgina. Die Dolmetscherin, die seit 1996 dabei ist und selbst drei Kinder hat, spricht damit eine weitere Hilfsleistung aus Neuwied an. Nämlich Projekte vor Ort, etwa in der Schule oder dem Kindergarten, den vielen Päckchen in die Region und die wertvollen Hilfen für die vielen behinderten Kinder. Jedes Jahr fahren Vereinsmitglieder nach Weißrussland, um Projekte anzusteuern oder zu kontrollieren. „Alles nach unserer Maxime, Hilfe zur Selbsthilfe“, unterstreicht Hans-Peter Weißenfels.
Kinder der Sonne sangen
Die Jubiläumsfeier begann mit einem bewegenden Gottesdienst. Kinder aus Weißrussland berichteten, wie es damals war, als das Unheil ohne Vorwarnung über die Bevölkerung hereinbrach. Es sind nun teilweise schon die Kindeskinder, die in zweiter Generation nach Heimbach-Weis und Umgebung kommen. Christel Weißenfels berichtete von den Anfängen der Bewegung, die von ihren Vorgängern Annedore und Fred Brock maßgeblich initiiert wurde. In der Festhalle war am Nachmittag großes Programm angesagt. Seinen Dank und Hochachtung für das Engagement und den Verdienst der Freunde für Belarus brachte der städtische Beigeordnete Michael Mang, auch im Namen der ebenfalls anwesenden Erwin Rüddel (MdB) und Fredi Winter (MdL), zum Ausdruck. Das Programm wurde von den Gastkindern und den einheimischen Kindern und Jugendlichen, darunter die Musikschüler von Justina Lisson und die Showtanzgruppe „Flotte Feger“ gestaltet. Besonders schön anzuschauen und für die meisten Gäste noch nie gesehen, waren die folkloristischen Darbietungen. „Während wir bis in den späten Abend das Deutschland-Italien Spiel schauten, bastelten die Gastkinder die traditionellen Haarkränze aus Blumen“, berichtete Christel Weißenfels. Die Anwesenheit ganz vieler aktiver und ehemaliger Gasteltern sowie Sponsoren nutzte sie zu einer Danksagung. Dass von den Gastkindern 21 als Brillenträger die Heimreise antreten, spreche für sich. Auch Zahnärzte gehören zu den Sponsoren. „Der Standard vor Ort entspricht unserem vor 50 Jahren“, unterstrich Christel Weißenfels. Ein ganz besonderer Höhepunkt war der Auftritt der Kinder der Sonne. Der Mädchenchor war zum ersten Mal in Westeuropa unterwegs. Zwei der Mädchen waren schon als Gastkinder in Heimbach-Weis. Den Abschluss der großen Jubiläumsfeier machte die Rock und Blues Band „the tag“. Am wichtigsten aber waren die vielen Begegnungen zwischen den weißrussischen Gästen und den Deutschen. Gelegenheiten gab es dazu in der Festhalle genug. Ob Pop-Corn, Slushi-Eis, Kuchen oder Kinderschminken, Basteln oder Selfies aus der Fotobox. Kinder und Jugendliche haben alle ähnliche Vorlieben und Interessen. Und sie haben alle die gleichen Chancen und Perspektiven des Lebens verdient. FF
Der Mädchenchor KInder der Sonne war eigens für das Jubiläum aus Weißrussland nach Heimbach-Weis gekommen.
Für die Gäste aus Weißrussland präsentierten die Flotten Feger aus Heimbach-Weis einen Teil ihrer Kultur.
Folkloristische Tänze aus der Heimat hatten die Gastkinder für das Jubiläum einstudiert.
