Allgemeine Berichte | 22.12.2020

Ev. Kindergarten Anhausen

Kindergartenkinder entdecken den Wald

Seit vier Wochen gibt es die Waldgruppe des Evangelischen Kindergartens Anhausen.Foto: privat

Anhausen. Seit vier Wochen gibt es die Waldgruppe des Evangelischen Kindergartens Anhausen. Dank der Unterstützung durch den Gemeinderat der Ortsgemeinde Anhausen, allen voran Bürgermeister Heinz Otto Zantop, kann der Kindergarten für eine Gruppe, betreut von drei Erzieherinnen und zwei ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen die Grillhütte und den umliegenden Wald in Anhausen nutzen. Die Erzieherinnen Katrin Hachenberg und Jutta Kopper sind von der Konzeption der Waldgruppe überzeugt: „Wir verstehen uns alle als Gäste im Wald. Wir erleben die Natur hautnah und schützen sie. Das was wir kennen und lieben gelernt haben, möchten wir auch bewahren“.

Wenn die Kinder morgens kommen, erwartet sie in der Grillhütte ein gut vorgeheizter Ofen. Sie verbringen die Zeit bis zum Morgenkreis und dem gemeinsamen Frühstück in der Hütte und sind anschließend draußen. Egal bei welchem Wetter, es hält sich niemand mehr in der Hütte auf. Die Kinder spielen - mit wasser-, matsch- und winterfester Kleidung ausgerüstet – im nahegelegenen Wald, im großen Sonnenblumenfeld nebenan und rund um die Hütte. Die Erwachsenen sind mit dabei, geben den Kindern Raum für ihre Aktivitäten und unterstützen sie bei Bedarf. „Die Kinder entwickeln ein Körpergefühl und sie wissen sehr schnell von selbst, wann sie eine Mütze oder eine Jacke brauchen, oder ob sie Schuhe wechseln müssen.“ Für die Erzieherinnen ist das ein Weg zur Selbstverantwortung.

Die Waldgruppe wurde am 16. November 2020 eingerichtet, weil sie zum einen in der schwierigen Zeit mit Corona im Kindergarten die Möglichkeit bot, dort mit weniger Kindern mehr Raum zu haben und zum anderen als eine gute Fortsetzung der Konzeption der Waldtage gesehen wurde. Seit geraumer Zeit wird im Evangelischen Kindergarten Anhausen die Option einer dauerhaften Waldgruppe bedacht. Die Grundidee: Kindern die Möglichkeit für viel Bewegungsfreiheit und einen Zugang zur Natur zu geben, ihnen viele Erfahrungen ermöglichen.

„Das war ein Herzensprojekt von mir“, erzählt Katrin Hachenberg. „Hier im Wald haben wir eine viel größere Freiheit, auf die Kinder einzugehen.“ Jutta Kopper ergänzt: „Die Kinder sind auch viel entspannter, achtsam im Umgang miteinander und sehr kreativ.“ Das fällt nicht schwer zu glauben an der Hütte, die umgeben ist von Bäumen, Sträuchern, Wiesen und einem großen Feld mit hohen, vertrockneten Sonnenblumen – in dem man gerade noch die Mützen der dort auf Abenteuerpfaden laufenden Kinder sieht. Ein Paradies für kleine Abenteurer.

Da es Vorweihnachtszeit ist und die Waldwichtel sich in Weihnachtswichtel verwandelten, haben die Kinder mit Hilfe der Betreuerinnen rund um die Hütte Tannenäste gelegt und sie mit selbst gestalteten Holzfiguren geschmückt. Nicht nur die Großen, auch die kleinen Dreijährigen sitzen gemeinsam am Tisch im Unterstand neben der Hütte und arbeiten konzentriert mit dem Holz. Sie zeigen den Eltern, wenn diese sie abholen, stolz, was sie gebastelt und geschnitzt haben. „Wir basteln mit dem, was uns die Natur schenkt und was die Kinder mögen“, schildert derweil Waltraud Baustian, die beim NABU Bingen eine Weiterbildung zur Naturtrainerin absolviert hat und ehrenamtlich die Gruppe unterstützt. Und an der großen Feuerstelle organisiert sie mit den Kindern derweil das Grillen von Stockbrot und Marshmellows und backt mit ihnen Waffelkekse.

„Bildung im Wald ist sehr lebendig“

Auch Andrea Weger, die als Lehrerin in der Erzieherausbildung Erfahrungen in der Arbeit mit Kindern mitbringt und auch die Weiterbildung zur Naturtrainerin absolviert hat, greift nicht nur Bastelideen auf. „Bildung im Wald ist sehr lebendig“, betont sie. Gerade in einer Gesellschaft, „die viel drinnen stattfindet, in der sich Kinder wenig bewegen und immer weniger Zugang zur Natur haben“. Der Tagesablauf in der Waldgruppe ist strukturiert. Neben Aktivitäten wie dem Morgenkreis, dem gemeinsamen Frühstück, Entdeckungstouren auf den Spuren der Waldbewohner und Weihnachtswichtel heißt das in der freien Bildungszeit vor allem: forschen und entdecken. Finden die Kinder etwas Spannendes in der Natur, kann daraus eine Projektarbeit entstehen. Die Erzieherinnen und Betreuerinnen verstehen sich als Partnerinnen der Kinder. „Wenn da ein Regenwurm aus dem Boden guckt, wollen die Kinder den Dingen auf den Grund gehen“, erläutert Erzieherin Katja Martens. „Um die Lebenswelt der Tiere und Pflanzen unter die Lupe zu nehmen, bietet sich der Raum um die Grillhütte geradezu an,“ bestätigt Jutta Kopper. Sie lässt sich von Lena, Charlotte und Maja erklären, was diese in ihren Lupengläsern haben und dass sie ein Gehege für Tiere bauen. Während dessen sammeln und schneiden andere Kinder, unterstützt von Katrin Hachenberg und einem Großvater, Totholz und Reisig. Sie sammeln weitere Naturmaterialien, um dem Jesuskind und seinen Eltern eine stattliche Weihnachtskrippe zu bauen.

Für die Erzieherinnen ist klar, die Lust aufs Lernen wird nicht künstlich herbeigeführt, sondern entsteht aus dem eigenen Interesse der Kinder heraus. Eine Mutter kann das nur bestätigen. „Ich finde es toll, dass die Kinder den ganzen Tag in der Natur sind und ich bin begeistert von ihrem Forschergeist und ihrer Power, bei Wind und Wetter draußen aktiv zu sein“.

Sabine Henrici, die Leiterin des Evangelischen Kindergarten Anhausen freut sich über das Projekt. „Ich bin stolz auf meine Mitarbeiterinnen, weil sie sich mit so viel Engagement und Herzblut einbringen“, betont sie. „Auch die Kinder sind glücklich und die Eltern zufrieden. Der Wald ist ein toller Ort.“ Und sie ist begeistert von der tatkräftigen Unterstützung der Waldgruppe durch Eltern, Großeltern und Mitglieder des Gemeinderates, die bei einzelnen Aktivitäten unterstützen, u. a. die Gruppe mit Holz beliefern, den Ofen am Sonntag vorheizen, damit es in der Hütte am Montag warm ist.

Seit vier Wochen gibt es die Waldgruppe des Evangelischen Kindergartens Anhausen.Foto: privat

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