Allgemeine Berichte | 15.03.2016

Ein Reisebericht von „Friedenskinder“-Vorstandsmitglied Hartmut Hoefs aus Vietnam

Kinderherzen schlagen wieder kräftiger

Im Krankenhaus von Hue besucht Vietnam-Projektleiter Ba Hai Nguyen (vorne) einen kleinen Jungen, der am offenen Herzen operiert wird.

Welche Erinnerungen werden bleiben, wenn wir an unsere Reise nach Vietnam denken? Wir sind an weißen Sandstränden entlang gelaufen, mit Booten auf riesigen Flüssen gefahren, haben Tempel besichtigt und auf bunten Märkten eingekauft. Zeitweise konnten wir uns wie Touristen fühlen und von einem außergewöhnlichen Land schwärmen, das wir gerne wiedersehen möchten.

Aber Vietnam zu bestaunen und zu genießen war nicht unser Auftrag. Wir wollten sehen, wo die Spenden der Friedenskinder eingesetzt sind, wie sinnvoll unsere Projekte verwirklicht werden und wo in Zukunft noch Arbeit nötig ist. Mit Hai Nguyen hatten wir einen Projektleiter an der Seite, der uns sprachlich und menschlich Zugang zu Not und Verzweiflung verschaffte, aber vor allem auch zu beeindruckendem Engagement, zu alltäglicher Unterstützung, zu Nächstenliebe und Glück.

Unser erster Besuch gilt der Herzchirurgie im Zentralkrankenhaus von Hue. Hier werden Kinder teilweise schon im Alter von drei Monaten operiert. Alle zehn Krankenzimmer der Station sind mit jeweils acht belegten Betten ausgelastet. Ein erster, noch etwas unsicherer Blick, trifft sich mit den Augen der Eltern. Wir spüren Angst und Hoffnung bei den Müttern, ahnen auch Scham bei Vätern.

Der kleine Bao Quan liegt eingekuschelt in eine warme Decke und wirkt besonders schwach und abgemagert. Seine Lippen und Hände sind bereits blau. Dr. Dung berichtet uns später, dass dieses Kind seine derzeit größte Sorge sei, denn bevor es eine Operation überstehen könne, müsse es „aufgepäppelt“ werden, und die Zeit laufe davon.

Die Mutter kann ihre Tränen nicht zurückhalten, und so müssen wir uns Mühe geben, dass unser Mitgefühl nicht die Zuversicht verdeckt. Aber das gelingt, denn ringsum schlagen uns Freude und Dankbarkeit entgegen - mit einer Wucht von Blicken, Gesten und dem herzlichen, beinahe vertrauten Händedruck.

Der Weg zu unserer zweiten Station führt uns hinaus aus der Stadt, vorbei an Reisfeldern und kleinen Dörfern. Hier lebt die Bauernfamilie Le Xuan Quan: Großeltern, Vater und Mutter, zwei fast erwachsene Söhne und Xuan Mau, der vierjährige Stolz der Familie. Seine Operation hat er vor einem halben Jahr gut überstanden. Ein wenig aufgeregt über den seltenen Besuch hüpft er um uns herum. Wir dürfen Fotos machen, sollen auch Xuan Mau fotografieren damit alle sehen, wie gut die Narbe verheilt ist.

Große Armut

In einem anderen Haus, einer Garage ähnlich, sitzt Frau Lan an ihrer alten Nähmaschine und arbeitet Aufträge der Nachbarschaft ab. Die kleine Tuyet Lan ist etwa zwanzig Monate alt und wurde vor ein paar Wochen ebenfalls am Herzen operiert. Sie liegt in einem Körbchen und schaut interessiert der Arbeit zu. Ein Blick in die angrenzende Einraumwohnung zeigt uns, dass die Armut hier noch größer ist, als bei unserem vorherigen Besuch. Das Allerwichtigste aber ist: Die Kleine ist wohlauf und wird leben.

Am kommenden Tag besuchen wir das Kinderheim in Kim Doi, das ebenso durch Spenden der Friedenskinder unterstützt wird. Hier versorgen sechs Schwestern des Ordens zwei Vorschulklassen mit jeweils sechzig Kindern und eine Gruppe Waisenkinder. Außerdem werden nachmittags ein Nähkurs und Nachhilfeunterricht angeboten.

Die Toilettenanlage ist Einsturz gefährdet

Gerade ist Mittagsschlaf angesagt. So findet Schwester Therese Zeit, uns durch die Einrichtung zu führen. Zunächst zeigt sie uns die Küche, wo auf drei Holzkochstellen das tägliche Essen zubereitet wird. Im Waschraum beeindruckt die Ordnung, mit der die kleinen bunten Zahnbürsten aufgereiht an ihren Haken hängen. Daneben, unter einem Dach, entdecken wir eine Art Schulklasse, mit alten Tischen, Bänken und einer Tafel. Hier findet der tägliche Unterricht statt, für Kinder, die wissen, wie wichtig eine Schulbildung ist, die aufpassen und lernen möchten.

Ein Loch im Boden, eingefasst von ein paar Fliesen, ist die Toilette. Das jährliche Hochwasser hat den Untergrund weggespült und für akute Einsturzgefahr gesorgt. Wir versprechen Unterstützung, erfahren wir doch, dass ein Angebot des Handwerkers für den Neubau einer kompletten Anlage achthundert Euro nicht überschreiten wird.

Dann ist Zeit zum Aufwachen. Noch schläfrig, aber vollkommen selbstverständlich räumen auch die Kleinsten ihre Matten zusammen, waschen sich, putzen sich die Zähne und versammeln sich im Kreis. Wir werden mit Liedern und kleinen Tänzen empfangen, bestaunt und berührt.

In den nächsten Tagen erfahren wir noch mehr von Schicksalsschlägen, die ohne Unterstützung nicht zu überwinden sind. In den Bergen, nordwestlich von Hue kümmert sich Pastor Hieu um die Menschen aus sieben Dörfern seiner Gemeinde. Da gibt es beispielsweise Familie Le thi Duyen, die vor Jahren den Vater durch einen tödlichen Arbeitsunfall verloren hat. Die Mutter arbeitet als Tagelöhnerin in der Kautschukplantage. Für das Schulgeld der elfjährigen Tochter Na könnte sie nicht aufkommen, wenn nicht ein „Friedenskind“ die Patenschaft übernommen hätte. Etwas schüchtern und doch stolz probiert Na die rote Regenjacke an, die wir ihr aus Deutschland von einer Nachbarin mitgebracht haben.

Um Schulgeld geht es auch bei der Familie, die gegenüber wohnt. Die Großmutter berichtet uns, dass ihr Sohn von einem Moped angefahren wurde und seitdem beeinträchtigt ist. Er kann nur noch unverständlich sprechen und ist stark gehbehindert. Tagsüber, während sie und die Schwiegertochter in der Plantage arbeiten, muss er betreut werden. Das kostet so viel, dass die zwölfjährige Enkelin, bisher eine besonders begabte Schülerin, zur Tante in die Stadt gezogen ist. Hier arbeitet sie in einer Näherei, um den Monatslohn von etwa 50 Euro nach Hause zu schicken. Wir versprechen, eine Patenschaft für Thanh Huong zu organisieren, damit sie schnell zurück zu ihrer Familie kann.

Zurück in Hue sitzen wir mit den Schwesternschülerinnen des Marienordens zusammen. Sie schälen Ingwer, zuckern und trocknen ihn, um ihn für gute Zwecke zu verkaufen. Ihr Lachen, ihre Fröhlichkeit, ihre Lieder, diese unglaubliche Herzlichkeit! Wir werden Menschen in Erinnerung behalten und bestimmt zurückkommen.

„Agent Orange“ und die Folgen

Seit dem Krieg, der in den siebziger Jahren ein Ende fand, kommen in Vietnam beinahe zehn Prozent aller Neugeborenen mit Behinderungen zur Welt. Schuld daran ist das berüchtigte „Agent Orange“, das aus amerikanischen Flugzeugen in Mengen über den Wäldern versprüht wurde, um Bäume zu entlauben, damit der Feind am Boden besser zu bekämpfen sei.

Dieses Gift wirkt auch heute noch, denn durch das Leben auf verseuchtem Boden haben sich genetische Veränderungen ergeben, die über Generationen bestehen bleiben. Kinder werden ohne Augen oder mit verstümmelten Gliedmaßen geboren, mit geistiger Behinderung oder schweren Herzfehlern. In der Volksrepublik Vietnam ist nicht jeder ausreichend krankenversichert. Eine Herzoperation kostet im Schnitt etwa 1200 Euro, ein Betrag, den die meisten Eltern nicht aufbringen können.

Die Friedenskinder Koblenz engagieren sich in vielen Ländern der Erde. Über zahlreiche Spenden helfen sie, das Leben von Kindern in Armut zu unterstützen. In Vietnam wurden bereits über vierhundert Herzoperationen bezahlt und begleitet. Auch ein Waisenhaus und besonders arme Familien werden unterstützt. Damit jeder Euro bei den Bedürftigen ankommt, arbeiten die Friedenskinder mit dem Marienorden Dong Con Duc Me Di Vieng in Hue zusammen, wo ein engagiertes Team von Schwestern und Ärzten die Auswahl der kranken Kinder vornimmt, finanzielle Möglichkeiten der Familien gewissenhaft überprüft und sie nach der Operation begleitet.

Kontakt: Friedenskinder Koblenz e.V. Bernd Wangelin (Vorsitzender) Telefon: 0261-72844.

E-Mail: bernd.wangelin@friedenskinder.de

Internet: www.friedenskinder.de

Spenden sind willkommen:

Bankverbindung: Sparkasse Koblenz IBAN: DE 1957 0501 2000 0021 1011 BIC: MALADE51KOB

Hartmut Hoefs

Eine Mutter mit ihrer kleinen Tochter, die dank der Hilde der „Friedenskinder“ erfolgreich am Herzen operiert werden konnte.privat

Eine Mutter mit ihrer kleinen Tochter, die dank der Hilde der „Friedenskinder“ erfolgreich am Herzen operiert werden konnte.Fotos: privat

Im Krankenhaus von Hue besucht Vietnam-Projektleiter Ba Hai Nguyen (vorne) einen kleinen Jungen, der am offenen Herzen operiert wird.

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  • Rita Butz: Sehr schön verfasster Bericht , sehr zutreffend und diese beiden " Helden " üben eine Vorbildfunktion für unsere Gemeinde aus !! L. G. verbunden mit meiner höchsten Wertschätzung!!

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