Wie in vielen Gemeinden waren auch in Linz an den Kar-Tagen Klapperläufer unterwegs
Klapperläufer zeigten die Zeit an
Linz. Zum „Gloria“ der Gründonnerstags-Messe waren die Kirchenglocken nicht nur im Rheinland zum letzten Mal vor Ostern zu hören gewesen. Glaubt man dem Volksmund, dann waren sie unmittelbar danach in die Ewige Stadt geflogen, um sich der Legende nach in Rom mit Reisbrei zu stärken und sich polieren zu lassen und um dann vom Papst gesegnet zu werden. Der wahre Grund für das Schweigen der Glocken und übrigens auch der Orgeln in den Gottesdiensten der Kar-Tage ist ein Zeichen der Trauer in Erinnerung an das Leiden und an den Tod Jesu. Erst in der Osternacht erklingen die Glocken wieder besonders festlich, um seine Auferstehung und den Triumph über den Tod zu feiern.
Die Aufgaben des Glockengeläutes übernahmen an den Kar-Tagen früher meist die Messdiener mit Holzklappern, Rasseln, Ratschen oder sogenannten Butterfässern, je nach Region. Dieses Klappern, etwa in der Schweiz auch „Osterratschen“ genannt, wird vielfach heute noch gepflegt wie etwa seit Jahrzehnten in der Bunten Stadt am Rhein. Denn Klappern gehörte nicht nur einem bekannten Sprichwort und Volkslied zufolge zum Geschäft der Müller am rauschenden Bach, sondern auch zu dem der Linzer Strünzer, für die das Klappern an den Kar-Tagen eine liebevoll gepflegte Tradition ist.
Anders als heute waren die Glocken früher für die Menschen eine wichtige Orientierung. Ihr Geläut rief nicht nur zu den Gottesdiensten, sondern gab ihnen Mittagszeit und Feierabend an. Natürlich riefen die Glocken auch zur Verrichtung der Angelus-Gebete am Morgen, am Mittag und am Abend Jahr für Jahr sind in Linz deshalb etliche „Zeit-Zeugen“ in einer langen „Klapperschlange“ unterwegs, um drei Mal am Tag um 6, 12 und 18 Uhr kund zu tun, was die Stunde geschlagen hat und nach dem Linzer Liederbuch die „Botschaft der Klapperjungen“ zu verkünden: „Klipp- klapp, klipp-klipp-klapp, klappern sie stadtauf, stadtab, um den Betern es zu klagen: Jesus wird zu Grab getragen, Glockenklang verstummt, verklungen!“
So viele Läufer wie sonst waren am frühen Morgen des Karfreitags aber nicht unterwegs. Grund war jedoch nicht die Uhrzeit, vielmehr hatte der anhaltende Regen dafür gesorgt, dass sich einige der potenziellen Klapperläufer lieber noch einmal im warmen Bett umgedreht hatten. „Um 6 Uhr sind wir heute Morgen nur mit rund 80 Läufern bei unserem Ahnherrn am Neutor, der Klapperjungen-Skulptur von Inge Heim gestartet, um zunächst über die Neustraße und den Buttermarkt am Markplatz vorbei die Rheinstraße hinab bis hierher auf dem Burgplatz zu laufen. Jetzt werden sind wir locker mit über 100 Teilnehmer unterwegs sein, die dem immer noch alles anderen als frühlingshaften Wetter trotzen“, erklärte Michael Huitz mittags bei der traditionellen Rast auf dem Burgplatz. Wenn die Wetterfrösche mit ihrer Vorhersage Recht behalten sollten, würden es am Samstag wieder erheblich mehr sein, vor allem beim Mittagslauf. Nach diesem erhalten die Teilnehmer, die nach Vorlage ihres Laufpasses beim Empfang in der Stadthalle nachweisen können, dass sie an mindestens zwei Läufen teilgenommen haben, die begehrte Klapperlauf-Medaille. Nachdem die Volks- und Raiffeisenbank die Läufer ab 1982 zunächst mit Schokoladentalern „entlohnt“ hatte, bekommen diese seit 1989 eine solche Medaille, über deren diesjähriges Motiv am Freitag noch wild spekuliert wurde. „Manche tippen, dass die Rückseite den Pause Pitter zeigt, der in seiner Zimmermannskluft bis zu seinem Tod vorneweg gelaufen ist. Andere glauben, dass die Burg Linz wegen ihres Jubiläums ausgesucht worden ist“, so Michael Huitz zu einem der drei mit Regenschirmen bewaffnete Zuschauer.
Deren Zahl hatte sich am Samstagmittag sichtlich vervielfacht bei strahlend blauem Himmel, der nur wenige absolute Pessimisten nicht daran gehindert hatte, nur mit einem Regenschutz das Haus zu verlassen. Schon von weitem wurden sie durch das anschwellende Klipp-klapp der Holzklappern auf das Nahen der großen und kleinen Klapperläufer aufmerksam gemacht, die bald darauf mit an die 300 Personen den oberen Burgplatz geradezu überschwemmten. Auf dessen Brunnen erklärte offensichtlich gerade das zweiten Maskottchen der Linzer, der Strünzer, einem ganz jungen Gast: „Wenn ich hier am Rheintor nicht nach dem Rechten sehen müsste, würde ich auch locker mitlaufen. So bin ich dieses Jahr nur auf der Klapperlauf-Medaille mit dabei.“
Bevor Stadtbürgermeister Hans Georg Faust diese den Teilnehmern in der Stadthalle aushändigte, hatten diese noch einen steilen Anstieg vor sich. Vom Burgplatz aus ging es zunächst die Klostergasse hinauf bis zur evangelischen Kirche und von dieser durch das „Hülsenloch“ zum höchsten Punkt der Strecke, der alten Pfarrkirche und von dort wieder hinab zu Pulverturm. Früher hatten die Messdiener, die ursprünglich für den Klapperlauf zuständig gewesen waren, auf der Strecke noch alte Klappersprüche gerufen. Lediglich als es von Sankt Martin Richtung Markt über die Kirchgasse hinab gegangen war, war zunächst kein Ton zu hören gewesen, bis alle dann „Jeiz“ gezischt hatten. Der Grund: In der Straße hatte der Besitzer einer Druckerei gewohnt, der sich strikt geweigert haben soll, beim Dotzen den Messdienern Papier für ihr Martinsfeuer zu spenden, und der von ihnen entsprechend abgestraft worden war.
Der Strünzer verriet einem kleinen Brunnenbesucher am samstag, dass er auf der Klappermedaille zu sehen ist.
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