Villiprott im 22. Kreiswettbewerb
Kleiner Ort, großer Zusammenhalt
„Unser Dorf hat Zukunft“ ist für die Rödder kein Lippenbekenntnis
Wachtberg. Dass das eigene Dorf Zukunft hat, hört jeder gern. Dass ein besonders kleiner Ort sich aber die Mühe macht, mit seinen Errungenschaften an einem passenden Kreiswettbewerb teilzunehmen, ist nicht selbstverständlich. Einige engagierte Bürger in Villiprott haben jedoch genau das getan und finden sich nun in einer Ausschreibung wieder, die für die Jahre 2017/2018 einen Ort küren möchte, in dem Engagement und zukunftsträchtige Veränderung besonders gelungen sind. Die Kommission berücksichtigt hierbei fünf verschiedene Bewertungsbereiche. Zum einen wird in dem Bereich „Konzeption und deren Umsetzung“ eingeschätzt, wie die Leitbilder und Entwicklungsstrategien der Aktiven innerhalb der Dorfstruktur eingebunden sind. Hinsichtlich der wirtschaftlichen Entwicklungen und Initiativen liegt das Augenmerk der Kommission auf einer positiven wirtschaftlichen Entwicklung, die nachhaltig und Arbeitsplatz erhaltend gestaltet wird. Auch auf das kulturelle und soziale Leben wirft die Kommission einen Blick.
Das Gemeinschaftsleben aller Generationen soll erhalten und gefördert werden, wobei auch die Integration von Neubürgern nicht aus den Augen verloren werden soll. Das äußere Erscheinungsbild eines Dorfes wird selbstverständlich zu einem sehr großen Teil durch die bauliche Entwicklung und die Gestaltung der Bauwerke geprägt. Der Fokus der Beurteilung liegt hier darauf, den Charakter eines Dorfes zu erhalten und gleichzeitig sachgerecht zu sanieren, alte Gebäude sinnvoll umzunutzen und Gemeinschaftseinrichtungen zu pflegen. Aber nicht nur Bausubstanz, soziales Leben, Konzepte oder Läden in ausreichender Art und Anzahl machen das Bild eines Dorfs aus. Auch die Gestaltung der Grünanlagen prägt ein Ortsbild und ist somit ebenfalls eines der Bewertungskriterien, nach der die Kommission entscheidet.
Um alle diese Punkte hat sich die Bevölkerung Villiprotts bereits seit einigen Jahren sehr bemüht. Entsprechend hübsch anzusehen ist der kleine Ort schon beim ersten Durchfahren. Wer sich ein bisschen Zeit nimmt, um Villiprott besser kennenzulernen, wird die Früchte mancher originellen Ideen entdecken. Viele Menschen engagieren sich hier, um ein schönes Dorfbild zu erhalten oder neu herzustellen. So hat man im Laufe des Jahres 2016 bereits am Dorfplatz eine überdachte Infotafel zur Geschichte des kleinen Ortes aufgestellt. Hier kann man sich über die Ursprünge des Ortes als Heimat der Holzfäller, der seinerzeit sogenannten Rödder, informieren. Eine alte Telefonzelle, die man zum frei zugänglichen Bücherschrank umfunktioniert hat, bildet einen schmucken Blickfang auf dem neu gestalteten Platz und eine Skulptur zeigt die Ursprünge der Menschen dieses schönen Ortes.
Allerdings sind diese Projekte nicht die einzigen, die die umtriebigen Villiprotter auf die Beine gestellt haben beziehungsweise weiterhin umsetzen. Mit dem Beckers Kreuz wurde ein Wegekreuz neu gestaltet und den Dorfplatz wird künftig ein neues Highlight schmücken. Eine Baumscheibe wurde so gestaltet, dass man auf ihrer einen Seite die Geschichte des Ortes in Jahreszahlen, arrangiert an den Baumringen, ablesen kann. Die andere Seite wird die Weltgeschichte darstellen. Eine Informationstafel zu verschiedenen Punkten, die den Charakter des Dorfes am Rande des Kottenforstes maßgeblich prägen, wird bald am Dorfrand in der Nähe des Sportplatzes aufgestellt werden. Dort dient sie Spaziergängern und Wanderern als Information und Orientierung. Ein weiteres Projekt stellt die „Gemüseoffensive“ dar.
In dieser Offensive haben sich zehn Menschen zusammengetan, die gerne gärtnern wollten. Ein Grundstückseigentümer war so freundlich, ihnen kostenfrei ein Baugrundstück zur Bewirtschaftung zur Verfügung zu stellen. Es wurde gemäht, gejätet, gegraben und Erde geschleppt. Anschließend brachte man Samen ein und hegte und pflegte die gedeihende Saat. Das Wetter hat den frischgebackenen Gärtnern zwar den einen oder anderen Rückschlag gebracht, trotzdem ist man zufrieden. Immerhin sei die Kartoffelernte sehr gut ausgefallen, erklärte Hermann Hilgert, einer der Gärtner. Etwas außerhalb habe man einen alten Hühnergarten wieder belebt und dort weiteres Federvieh mitsamt einem passenden Hahn angesiedelt. Ein weiteres Projekt ist nach seiner Sanierung in den Jahren 2014 und 2015 bereits seit zwei Jahren als Treffpunkt und Veranstaltungsort im Betrieb: der Rödder Treff.
Die Bemühungen der Bevölkerung und die Ergebnisse in Villiprott können sich sehen lassen. Angesichts der Tatsache, dass Preisgelder von insgesamt 15.000 Euro in diesem Wettbewerb ausgeschrieben sind, hat sich mancher vielleicht noch ein Quäntchen mehr Mühe gegeben. Aber gleichgültig, wie die Entscheidung der Kommission schlussendlich lauten wird, für die Villiprotter ist das Engagement der Bürger in den vielen unterschiedlichen Punkten in jedem Fall ein Gewinn für die Gemeinschaft des Dorfes.
Jens Fitzke begrüßt die Kommission und erläutert die Stationen des Rundgangs. Fotos: -CEW- Foto: Chris Weber
Die Baumscheibe mit den Jahreszahlen wird bald den Dorfplatz bereichern. Foto: Chris Weber
