Führung der Koblenzer Gästeführer zum Welt-Gästeführer-Tag
Koblenzer Persönlichkeiten - vom „Erbsenzähler“ zum Geheimrat
Koblenz. Der Verein Koblenzer Gästeführer e. V. hatte für einen sonnigen Winter-Sonntag zum Welt-Gästeführer-Tag eingeladen. Bernhard Hillesheim, der stellvertretende Vorsitzende des knapp 100 Mitglieder starken Vereins, konnte auf dem Görres-Platz gut 200 Gäste begrüßen, die einige Koblenzer näher kennenlernen wollten, die Geschichte geschrieben haben.
An allen Stationen der Führung übersetzte Martha Julich-Backes die Ausführungen ihrer Kollegen in Gebärdensprache.
Elisabeth Weiler begann auf dem Görres-Platz mit dem Essener Carl Baedeker (1801-1859), der sich 1827 als Verleger an dem Platz niederließ. Ausgehend von dem Kleinschen Rhein-Reiseführer, den er übernommen hatte, profilierte sich Baedeker als Autor moderner Reiseführer. Wie akribisch er dafür recherchierte, belegt sein Verfahren, beim Besteigen eines Domturms Erbsen von einer Tasche in die andere zu zählen, um die genaue Zahl der Stufen zu ermitteln.
Am Deinhard-Stammhaus erinnerte Andreas Hillesheim an den Geheimen Kommerzienrat Julius Wegeler (1836-1913), der in die Sektkellerei und Weinhandlung Deinhard einheiratete und zum Ausbau und Erfolg des Unternehmens beitrug. Der Koblenzer Ehrenbürger förderte auch den Bau der städtischen Festhalle.
August Reichensperger (1808-1895), an den ein Platz im Koblenzer Justiz- und Verwaltungsviertel erinnert, kämpfte für die katholische Sache, auch als Parlamentarier 1848/49 in Frankfurt und als Abgeordneter im Reichstag sowie im preußischen Abgeordnetenhaus. Wie Petra Kraus darstellte, trug er auch dazu bei, dass der Kölner Dom vollendet werden konnte.
Eine der schillerndsten Koblenzer Personen ist Joseph Görres (1776-1848), an den seit 1928 ein Denkmal am Rheinufer erinnert. Jürgen Frensch ließ Görres‘ bewegtes Leben Revue passieren: Vom Anhänger der Französischen Revolution über den deutschen Patrioten zum kritischen Publizisten, der aus Preußen ins bayrische Exil fliehen musste und den Kampf der Katholiken im preußischen Rheinland unterstützte. Daneben war er auch eine zentrale Figur der Heidelberger Romantik, die auch der Ehrenbreitsteiner Clemens Brentano mitprägte.
Mit Görres befreundet war der Dichter der Freiheitskriege Max von Schenkendorf. Sein Denkmal eröffnet die Kaiserin-Augusta-Anlagen an der Pfaffendorfer Brücke. Von 1815 bis zu seinem Tod am 11. Dezember 1817, seinem 34. Geburtstag, arbeitete der Poet bei der Regierung in Koblenz. Manfred Böckling trug zur Biographie auch Verse des Dichters vor, die den Kampf gegen Napoleon anspornen sollten oder den Vater Rhein und die 1806 beendete Kaiserzeit beschworen.
Gisbert Schwamm erklärte, warum der Weinberg am Weindorf „Schnorbach Brückstück“ heißt. Dieser setzte dem dritten Koblenzer Nachkriegs-Oberbürgermeister Josef Schnorbach ein Denkmal, der die Stadt von 1946 bis 1960, in der Zeit des Wiederaufbaus und der Neugestaltung, führte.
Mit Blick auf dessen Geburtsort Pfaffendorf stellte abschließend Regina Tilch den Physiker Max von Laue (1879-1960) vor, an den ein Koblenzer Gymnasium als lebendiges Denkmal erinnert. Er entdeckte mittels Röntgenstrahlen die Gitterstrukturen der Kristalle und eröffnete den Weg zur Therapie mit Röntgenstrahlen. 1914 erhielt er den Physik-Nobelpreis.
Zwischen den Stationen sammelten Brigitte Dürr und Linda-Kathleen Saxler unter den Teilnehmern Spenden für die Koblenzer Aktion „Kinder zu Tisch“ des Deutschen Kinderschutzbundes. 700 Euro kamen für dieses Projekt zusammen.
