Kulturtage „Kunst in Unkeler Höfen“
Kölner Größen zu Gast in Unkel
44 Künstler stellten Bilder, Grafiken, Plastiken und Objekte in idyllischen Höfen und romantischen Gärten aus
Unkel. Engel und Zwischenweltler, Grazien, Herzjongleure und Wolkenträger gaben sich am Wochenende ein Stelldichein im Vorgarten des sogenannten Mecke-Hauses in der Bahnhofstraße. Die Keramikerin Martina Hesse hatte die Terracotta-Figuren aus Eltville in die Kulturstadt am Rhein mitgenommen, in der Ellen und Jochen Seidel erneut zu den Kulturtagen „Kunst in Unkeler Höfen“ (KiH) einluden. Die Kulturtage erfreuen sich längst einer solchen Beliebtheit, dass am Samstagvormittag lange vor dem offiziellen Beginn Besuchermassen von Station zu Station pilgerten. Selbst das wenig einladende Wetter am Sonntag hielt Kunstfreunde nicht davon ab, nach Unkel zu fahren, um die Arbeiten der 44 Künstler eingehend zu betrachten.
Ellen und Jochen Seidel ist es auch dieses Jahr wieder gelungen, dass Hausbesitzer ihre sonst der Öffentlichkeit nicht zugänglichen Parks, Gärten und Höfe zu öffnen, damit renommierte Künstler in diesem idyllischen Ambiente ihre Arbeiten Tausenden von Besucher präsentieren können“, schwärmte der Schirmherr Landrat Rainer Kaul am Samstagvormittag. „Wir haben die Zahl der Künstler dieses Jahr reduziert, um den Besuchern mehr Zeit zu geben, sich mit einzelnen Arbeiten zu befassen“, erklärte ihm Jochen Seidel zu Beginn des kleinen Rundgangs. Allein mit qualitativ hochwertige Arbeiten könne man erfolgreich für eine Stadt werben, die sich nicht zuletzt wegen KiH dem Zusatz „Kulturstadt am Rhein“ verpflichtet fühle.
Und schon hatten Mecky Matterns farbenfrohe „Vollweiber“, die an die Nanas von Niki de Saint Phalle erinnern, den Schirmherrn in den Garten des Kutscherhauses im Henkelpark gelockt. Zuvor hatte sich Rainer Kaul im Vorhof dem von Hans Bulla aus unzähligen, schwarz-lackierten Muttern zusammengefügten „Jüngling mit Himmelsscheibe“ und dem aus indischem Stein gemeißelten „Buschmann“ gewidmet. „Auch wenn dieses Jahr weniger Künstler ihre Arbeiten ausstellen, sind es immer noch zu viele, um sie alle ausgiebig betrachten zu können“, bedauerte Rainer Kaul nach einem kurzen Blick in den Garten des Pax-Hotels, durch den unter anderem ein riesiger Reiter des Treibholz-Künstlers „Bloody Pete“ auf die Besucher zu preschte.
„Neben Künstlern aus der Region wie etwa Beate Siebertz und Bernd Mischke sowie die Gruppe ‚EigenArt rhein‘ haben wir dieses Jahr den Schwerpunkt auf Kölner gelegt“, so Jochen Seidel. Zwar sei es alles andere als leicht, einzelne Künstler besonders hervorzuheben, aber mit dem Neo-Pop-Art Künstler Malte Sonnenfeld, der seine Arbeiten im neuen KiH-Zelt vor dem Freiligrathaus zeige, oder etwa mit Odo Rumpf, der sich mit der „Kulturhebemaschine“ auf der Art Cologne schon vor Jahren einen Namen gemacht hatte, hätten sich schon absolute Schwergewichte um Teilnahme an KiH erfolgreich beworben. Am Wochenende lockte der ehemalige Maschinenbauer mit seinem aus unzähligen alten Türschlössern zusammengeschweißten „Schlossherrn“ in den Garten des Alten Herresdorfer Hofs. Erheblich filigraner machten sich da schon die Holzarbeiten des Kettensäge-Künstlers Wolfgang Herterich aus.
Vorbei an der „Quitte“ und „Evas Schal“ von Ruth Schwenker auf dem alten Kirchhof führte Jochen Seidel den Landrat zu dem großen Steinkreuz, das die Hammersteiner Bildhauerin schon Tage zuvor unweit der Mauer des ehemaligen Beinhauses aufgestellt hatte. Von diesem konnte man in den Garten des Christinenstifts blicken, den zehn Aussteller in einen Kunstmarkt verwandelt hatten. Nicht weit davon entfernt im Pfarrgarten beobachtete der Drache des Holzbildhauers Leif Eric Voss zusammen mit den kleinen Figuren des Künstlers auf hohen Stelen skeptisch die Bewegungen der dynamischen Windfiguren von Susanne Friedinger und Stefan Dirschl. DL
Wie auch der „Drache“ von Leif Eric Voss taxierten die Windfiguren von Susanne Friedinger und Stefan Dirschl im Pfarrgarten.
Ein Treibholz-Reiter trabte durch den Garten des Pax-Hotels.
Durch ein Keramiktor führte der Weg im Park-Kunstmarkt zu weiteren Arbeiten.
