Kräutersammlung zur Marienkirmes in Bad Breisig
Körbe voller bunter Wildkräuter
Bad Breisig. Es war einmal, und zwar 1765, zur Gründerzeit der Niederbreisiger Pfarrei St. Maria Himmelfahrt, da wurde das Patronatsfest am kirchlichen Festtag „Maria Himmelfahrt“ gefeiert. Da aber erinnerten sich die protestantischen Preußen, seit einem halben Jahrhundert die Herren über das Rheinland, dass der 15. August der Geburtstag des verhassten Napoleon war, jenes inzwischen toten französischen Kaisers, der im Land westlich des Rheins immer noch alte Sympathien erweckte. Damit man das Feiern des 15. August nicht mit der Verehrung Napoleons verwechsele, bat die preussische Regierung nachdrücklich, das neu eingeführte Patronatsfest für die Kirche Mara Himmelfahrt auf einen nahe liegenden anderen Tag zu verlegen. Man verband seinerzeit das Gewünschte mit dem Praktischen: Fällt der 15. August auf einen Donnerstag oder Freitag, feiert man die Breisiger Kirmes am nachfolgenden Wochenende. Fällt das Fest auf Montag oder Dienstag, zieht man die Kirmes auf das Wochenende davor. Fällt Maria Himmelfahrt auf den Mittwoch, entscheidet man nach Anweisung des jeweiligen Pfarrherrn. 2017 fällt das hohe katholische Fest auf Dienstag.
Entsprechend obiger Regel ist das Feiern also am vorhergehenden Wochenende fällig - wenn es auch immer wieder zu Irritationen führt. Ein wesentliches Attribut der Kirmes Maria Himmelfahrt ist seit Alters her die Kräuterweihe. Also zogen die Frauen der KfD am letzten Wochenende hinaus in die Goldene Meile, um Körbe voller bunter Wildkräuter zu sammeln. Diese wurden dann beim Gottesdienst am Sonntagmorgen von Pastor Marmann gesegnet und an die Gläubigen verteilt. Sinn ist: die Kräuter-Sträuße sollen - im Haus aufbewahrt - das eigene Heim vor Blitzschlag, Hagel und sonstigen Wetterunbilden bewahren. Hintergrund des im katholischen Raum verbreiteten Brauchs ist, dass nach einem Bericht des Kirchenvaters Johannes von Damaskus die Jünger aus dem leeren Grab der Gottesmutter Maria nur der Wohlgeruch von Kräutern entgegen wehte: Maria war in den Himmel aufgestiegen. Daraus ist der „Krautwisch“ entstanden, jener Strauß duftener Wildblumen, der nach Überlieferung aus mindestens sieben Kräutern bestehen soll, die den „sieben Schmerzen Mariens“ entsprechen sollen. Die Kräuter wurden auch diesmal trotz Wind und Regen von den Frauen gesammelt; danach traf man sich im Katharinenhof von Hilde Kurp zu munteren Gesprächen bei Kaffee und Kuchen. Der Schützen-Festtag der St. Marien-Schützenbruderschaft mit Königsschießen findet jedoch am kommenden Wochenende statt. Man hat also in Bad Breisig gleich zweimal Marien-Kirmes. FA
Die Kräuter wurden beim Gottesdienst am Sonntagmorgen von Pastor Marmann gesegnet und an die Gläubigen verteilt.
