Allgemeine Berichte | 27.06.2018, 08:50 Uhr

Neue Erfahrungen im Drachenfelser Ländchen

Kolumbianische und Adendorfer Töpfer arbeiteten gemeinsam

Die töpfernden Gäste aus Kolumbien mit Begleiter und Übersetzer: Ana Maria Pinilla, Raul Rodriguez, Henry Melo und Jan Unkelbach.CEW
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Adendorf. Eine halbe Weltreise von Adendorf entfernt leben die kolumbianischen Töpfer aus der 6000-Seelen-Gemeinde Raquira. Drei von ihnen waren zehn Tage lang zu Gast bei den Töpfern im Drachenfelser Ländchen. Mitgebracht hatten sie Töpferwaren aus ihrer Heimat und jede Menge Neugier auf das Handwerk in Europa. „Da gibt es ganz viele Ähnlichkeiten, aber auch manche Unterschiede“, erklärte Martin Schatke von der Fundacion 180/R&B.

So sei der Ton auf dem südamerikanischen Kontinent viel weicher und deshalb mit weniger Kraftaufwand zu bearbeiten. Dafür seien sie dort technisch nicht so gut ausgerüstet wie in Europa, was die Arbeit wiederum erschwert. In der Werkstatt entdeckten die Gäste gleich manches geläufige Werkzeug mit kleinen Abwandlungen. „Die Werkzeuge sind im Grunde für die gleiche Arbeit hergestellt. Aber sie haben sich hier anders entwickelt als in Kolumbien, weil der Schwerpunkt der Arbeit anders ist“, erklärte Übersetzer und Begleiter Jan Unkelbach.

Damit die Reise und die Arbeit der Töpfer auch in der Heimat nachvollzogen werden kann, begleitete ein dreiköpfiges Filmteam die Kunsthandwerker. Sie filmten auch während der Besuche in den hiesigen Werkstätten der Familie Hansen und Günther.

Wie schnell sich Menschen auch ohne Sprache verstehen, zeigte sich, als Paul Günther an einer Drehscheibe eine Vase zu formen begann. Ein kolumbianischer Kollege setzte sich an eine zweite Drehscheibe und legte ebenfalls los. So töpferten die beiden gemeinsam fast wie bei einem Wettbewerb. „Gewonnen hat das Kunsthandwerk“, bemerkte der Töpfer aus dem Drachenfelser Ländchen treffend.

Während des Besuchs der Gäste gab es im Drehwerk immer wieder Ausstellungen der Südamerikaner. Außerdem zeigte das Kino kolumbianische Filme verschiedener Genres und bot die Gelegenheit, die Gäste während der Ausstellungen kennenzulernen. Im nächsten Jahr soll der gegenseitige Austausch in die nächste Runde gehen. Dann wollen Adendorfer Töpfer ans andere Ende der Welt reisen, um sich bei den Kollegen umzuschauen. Nicht zum ersten Mal erfährt das Töpferhandwerk in dem kleinen Ort einen starken Wandel. Das Musical „Die Kannenbäcker“ hatte vor einigen Jahren die Geschichte von den Westerwälder Töpfern erzählt, die von der Obrigkeit im 18. Jahrhundert hier angesiedelt wurden. Welche Früchte der Wissensaustausch um die halbe Welt tragen wird, werden die Zeit und die Erfahrungen zeigen.

Die töpfernden Gäste aus Kolumbien mit Begleiter und Übersetzer: Ana Maria Pinilla, Raul Rodriguez, Henry Melo und Jan Unkelbach.Foto: CEW

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