Im Kreis Neuwied sowie im Westerwaldkreis häufen sich Wolfssichtungen
Konfliktreiche Rückkehr aus dem Reich der Legenden
Zwiespältige Gefühle herrschen in der Bevölkerung
Region. Seit über zwei Jahren taucht ein Tier fortwährend in den Medien auf, das für viele Mitbürger lange in das Reich von Mythen und Legenden gehörte: Der Wolf ist nach Deutschland zurückgekehrt. Seine Rückkehr wird von Beginn an allerdings von gemischten Gefühlen in der Bevölkerung begleitet. Die einen feiern diese Entwicklung als ein Zeichen dafür, wie gut sich die Umwelt in den letzten Jahrzehnten durch immer größere Bemühungen im Naturschutz und umfangreiche Renaturierungsmaßnahmen erholt hat. Andere wiederum reagieren irritiert bis leicht panisch – besonders, wenn die Wölfe zu sehr in die eigene Komfortzone eindringen.
Erste Tiere sind in der Region sesshaft geworden
Dabei ist für den Großteil der Bevölkerung unbestritten, dass der Wolf als einheimisches Tier, das in der Vergangenheit vom Menschen in Deutschland ausgerottet wurde, eine Art angestammtes Recht darauf hat, auch in rheinland-pfälzischen Wäldern wieder ein Zuhause zu finden. So wie es im letzten Jahr offenbar in den Landkreisen Altenkirchen und Neuwied bereits eingetreten ist, wo sich zwei Fähen, wie die weiblichen Wölfe genannt werden, fest niedergelassen haben. In einer Pressemitteilung vom Ministerium für Umwelt, Energie, Ernährung und Forsten Rheinland-Pfalz sind vor kurzem sogar Sichtungen einer ganzen Wolfsfamilie im Kreis Neuwied bestätigt worden. Einem großen Zufall ist es zu verdanken, dass es mittlerweile eine Anzahl von Fotos des kleinen Rudels gibt, auf denen klar eine Wölfin mit ihren fünf Jungen zu erkennen ist.
Wölfe bewegen sich frei und über große Strecken
Da Wölfe sehr agile und bewegliche Tiere sind, die problemlos an einem Tag über 40 km laufen können, sind ihre Reviere sehr groß. Und immer wieder kommen sie auf der Jagd nach Beute dem Menschen nahe – zu nahe, wie manche finden. Dabei ist die archaische, fast märchenhafte Angst vor dem „bösen Wolf“, der im dunklen Wald den einsamen Wanderer überfällt, heutzutage dank aufwendiger Aufklärungskampagnen kein großes Thema mehr. Trotzdem sind viele Rheinländer und Westerwälder nicht angetan von den neuen Nachbarn. Dabei ist die eigene Haltung oft in erster Linie davon beeinflusst, inwieweit die Existenz der Wölfe in den Wäldern des Rheinlandes und auf den Höhen des Westerwalds den eigenen Lebensbereich streift. So ist es für viele Mitglieder des
Interessenskonflikte beherrschen Teile der Diskussion
Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau e. V. schwierig, bei diesem Thema gelassen zu bleiben, denn immer wieder kommt es zu einem Riss von Nutztieren. Zwar unterstützt das Land die Landwirte bei der Errichtung von Schutzzäunen und versucht, die finanziellen Einbußen durch Ausgleichzahlungen gering zu halten, dennoch ist die Verunsicherung groß. Auch unter den Jägern finden sich viele, die das Wiederauftauchen des Raubtieres in ihren Wäldern sehr kritisch sehen. Schließlich sorgen diese für erhebliche Unruhe und halten sich nicht an etwaige Abschussquoten.
Nicht zuletzt deshalb hat das Land Rheinland-Pfalz einen den „Managementplan für den Umgang mit Wölfen in Rheinland-Pfalz“ erarbeitet. Bei der Erarbeitung dieses Plans wurden verschiedene Interessensgruppierungen mit einbezogen – vom NABU über den Landesjagdverband bis hin zu verschiedenen Bauernverbänden. Der Managementplan soll die Grundlage für die Koexistenz von Mensch und Wolf in Rheinland-Pfalz darstellen, denn sowohl der Westerwald als auch die Rheinschiene stellen für die Tiere einen idealen Lebensraum dar und sie werden nicht von allein wieder verschwinden.
Unterstützung beim Monitoring aus der Bevölkerung
Ein wichtiger Bestandteil der Aufklärungsarbeit ist daher ein möglichst ausführliches Protokollieren der Sichtungen der Tiere - Monitoring genannt.
Hierzu ist die Hilfe der Bevölkerung gefragt: Jeder, der eine Sichtung macht, ist aufgerufen Fotos und Filme mit genauen Ortsangaben und Kontaktdaten für Rückfragen an wolf@snu.rlp.de zu senden. Sichtungen können auch telefonisch an die Wolfshotline, Tel. (0 63 06) 91 11 99 gemeldet werden..
kbl
