Katharina-Kasper-Stiftung Dernbach
Kooperation mit Beginenhof ausbauen
Beratungs- und Präventionsangebote im Kontext von sexuellem Missbrauch
Dernbach. Die Mitarbeiterinnen der Katharina-Kasper-Stiftung begrüßten als langjährige Veranstalter der Vortragsreihe rund um das Leben in seiner Vielfalt zwei Frauen vom Beginenhof Westerburg. Das Thema ist in der Arbeit mit Menschen mit Behinderung von großer Bedeutung. Dennoch wird es häufig tabuisiert und bedarf weiterer öffentlicher Informationen. Von diesen konnten die Interessierten an diesem Abend profitieren. Die beiden Referentinnen machten in kompetenter, anschaulicher Weise ihre wertvollen Beratungs- und Präventionsangebote im Kontext von sexuellem Missbrauch deutlich.
Die Angebote sind von Aktion Mensch als Projekte gefördert und befinden sich neben dem Frauennotruf, der Interventionsstelle, der Online-Beratung oder dem Lädchen unter dem Dach des Frauenzentrums Beginenhof in Westerburg. Es bleibt zu hoffen, dass die Angebote über ihre zeitlichen Befristungen hinaus erhalten bleiben.
Sexuelle Gewalt findet zu 80 Prozent in Familien statt, ansonsten eher im persönlichen Nahfeld wie Freunde, Schule oder Arbeitsplatz. Frauen sind zu 80 Prozent die Opfer. Das betrifft alle sozialen Schichten. Menschen mit wenig Ansprechpartnern, geringer Widerstandskraft, gering ausgebildetem Selbstbewusstsein oder mit psychischen oder körperlichen Beeinträchtigungen sind verstärkt in den Opferrollen zu finden. Nur fünf Prozent von Vergewaltigungen kommen zur Anzeige, die in 60 bis 80 Prozent nach Aktenlage eingestellt wird.
Sexuelle Gewalt hat viele Facetten von sexuell konnotierten Schimpfworten über Grenzüberschreitungen in Nähe, Berührung, Eindringen, Pornografie, Verkehr mit Kindern und Zwang zur Prostitution. Die MeToo-Debatte hat in diesem Zusammenhang viel Aufmerksamkeit geweckt. Schutzkonzepte, wie sie derzeit für Einrichtungen im Kontext Umgang mit sexueller Gewalt entwickelt werden, sind ein wertvoller Ansatz.
Sexuelle Gewalt ist definiert durch Missachtung des Opferwillens, Machtgefälle zwischen Täter und Opfer und führt zu Demütigung und Unterwerfung mit lebenslangen Folgen. Täter können aus jedem Alter und jeder Schicht aus dem sozialen Nahbereich kommen. Sie sind zu 85 Prozent männlich und oft angesehene Bürger. Es geht um Machtausübung und Machtmissbrauch, um Ausnutzung der Bedürfnisse der Opfer in ihrer Suche nach Aufmerksamkeit, Nähe und Zuneigung. Täter tragen die alleinige Verantwortung.
Die Folgen für die Opfer sind nicht immer zu erkennen, da die Symptome sehr unterschiedlich sein können: Schuldgefühle (unberechtigtermaßen), Stimmungsschwankungen – Leistungsabfall- Wahrnehmungsstörungen-Angststörungen-Sucht und selbstverletzendes Verhalten und vieles mehr. Die Überlebens- und Verdrängungsstrategien des Körpers sind dabei immer wieder erstaunlich. Neben der direkten Unterstützung von Opfern oder deren Angehörigen ist Prävention sehr wichtig.
Das Präventionsbüro Ronja ist Ansprechpartner für stärkende Angebote, wie WenDo-Kurse für Mädchen ab 14 Jahren. In Veranstaltungen zu Selbstwahrnehmung, Selbsterfahrung und Wissensvermittlungen ist sie in Schulen und Einrichtungen vertreten.
Die Zuhörer des Abends waren beeindruckt von dem fachlichen und menschlichen Engagement der beiden Projektleiterinnen. Es wurde auf persönlichen Erfahrungshintergründen die Wichtigkeit von größerer Wachsamkeit in der Gesellschaft diskutiert. Dazu zählt besonders das couragierte Eingreifen von Fachpersonal (Lehrpersonal) bei (verbalen) Grenzüberschreitungen von Menschen in Schulen und Einrichtungen.
Die Katharina Kasper Stiftung wird die Kooperation mit dem Beginenhof gern weiter ausbauen.
