Abschluss an der Heinrich-Heine-Realschule plus Neuwied
Kooperationsprojekt vorbildlich gelungen
Neuwied. Vielfältige Gründe sprechen oft dafür, dass Kinder und Jugendliche mit Hörbeeinträchtigungen eine „Förderschule Hören“ besuchen. Doch was ist, wenn diese Förderschule nach der Klassenstufe 9 mit dem Abschluss der Berufsreife endet und die Schülerin/der Schüler einen höherwertigen Abschluss anstrebt?
Dann bleiben in der Regel nur zwei Möglichkeiten: der Besuch einer Regelschule oder der Besuch einer Berufsfachschule für Hörgeschädigte, die jedoch so weit vom Wohnort entfernt liegt, dass damit eine Internatsunterbringung verbunden ist.
Auf die Suche nach Alternativen begaben sich vor zwei Jahren Eltern von Schülerinnen und Schüler der Landesschule für Gehörlose und Schwerhörige. Sie stellten einen Antrag über eine Beschulung ihres Kindes im Bildungsgang qualifizierter Sekundarabschluss I (früher Realschulabschluss) wohnortnah und unter hörgeschädigtenspezifischen Rahmenbedingungen, wenn möglich an der Förderschule Hören oder gemeinsam mit anderen hörbeeinträchtigen Mitschülern an einer Regelschule.
Denn die Erfahrung, einziger Schüler mit einer Hörbeeinträchtigung an einer Regelschule zu sein, hatten viele Eltern schon erlebt. Trotz guter Bemühungen und Unterstützungsleistungen vieler Lehrer beobachteten sie bei ihren Kindern Frustrationen und Schulunlust. Oft sind es die Rahmenbedingungen wie zu große Klassen, nachhallbelastete Unterrichtsräume oder die fehlende Hörtechnik, die eine erfolgreiche Teilnahme am Unterricht in einer Regelschule nicht möglich oder schwer machen.
Kooperationsprojekt beider Schulen
Nach Antragsstellung und Gesprächen mit Schülern, Eltern, den Schulleitungen und Lehrerkollegien beider Schulen entstand ein Kooperationsprojekt zwischen der Landesschule für Gehörlose und Schwerhörige und der Heinrich-Heine-Realschule plus in Neuwied, das von Seiten des Kreises Neuwied, der Schulaufsicht und des Bildungsministeriums große Unterstützung fand und genehmigt wurde. Dieses sah ein 10. Schuljahr an der Heinrich-Heine-Realschule plus vor, in dem gemeinsam 16 Schülerinnen und Schüler unterrichtet werden sollten, sieben ohne Hörbeeinträchtigung, neun mit einer Hörbeeinträchtigung.
Der Unterricht in dieser für eine Realschule plus eher ungewöhnlich kleinen Klasse sollte zudem gemeinsam von einem Realschullehrer und einem Förderschullehrer der Landesschule durchgeführt werden. Als drittes bestand für alle 16 Schülerinnen und Schüler das Angebot, an einem täglichen Stützunterricht teilnehmen zu können, ein Angebot, das die Landesschule seit mehreren Jahren jeden Nachmittag allen Schülerinnen und Schülern mit Hörbeeinträchtigungen zur Verfügung stellt, die eine benachbarte Regelschule besuchen.
Zur Optimierung der Rahmenbedingungen wurde zudem mit den Mitteln des Kreises Neuwied der Unterrichtsraum dieser Klasse vor Beginn des Projektes mit einem etwa 13 m² großen schallabsorbierenden Rückwandpaneel ausgestattet. Damit konnte die Nachhallzeit so niedrig wie möglich gehalten werden - eine wichtige Voraussetzung, um das Hören der Schülerinnen und Schüler zu optimieren und mögliche Konzentrationsschwierigkeiten und vorzeitiges Ermüden zu reduzieren.
Das Gesamtergebnis des Projekts kann sich mehr als sehen lassen: Alle 16 Schülerinnen und Schüler wurden mit dem qualifizierten Sekundarabschluss I erfolgreich entlassen, viele von ihnen mit der Qualifikation, die zum Besuch einer gymnasialen Oberstufe berechtigt.
„Das ist Inklusion“.
Das waren die Worte der Klassen- und Schülersprecherin, die ihre Rede unter das Motto „Chancengleichheit“ stellte.
Egal, ob mit oder ohne Hörbeeinträchtigung, egal, ob mit oder ohne Migrationshintergrund, für alle müssten und müssen die gleichen Chancen herrschen und gleiche Möglichkeiten angeboten werden. Sie hatte es gut auf den Punkt gebracht.
Am Ende stellte Mike Klüber, der Schulleiter der Heinrich-Heine-Realschule plus, mit Stolz fest: „Ihr habt sicherlich mehr gelernt, als nur die Inhalte einzelner Fächer – ihr habt gelebte Inklusion erfahren“.
