Doppeltes Jubiläum in Morenhoven
Kreativität, Kinderkurse, Kultur und Kabarett – „und das in unserem Dorf!?“
Morenhoven. „Manchmal wundern wir uns selbst, dass es so etwas wie die Krea in einem kleinen Dorf wie Morenhoven auch nach 40 Jahren noch gibt“, gibt Professor Dr. Klaus Grewe zu. Der Vorsitzende der Kreativitätsschule Morenhoven erinnert in einer Pressekonferenz daran, dass es nicht leicht und schon gar nicht selbstverständlich sei, dass vom 8. bis 13. Juni ein Doppeljubiläum im kleinen Swisttaler Dörfchen gefeiert werden könne, das wohl seinesgleichen sucht: die Kreativitätsschule Morenhoven wird nämlich 40 Jahre alt, und seit 30 Jahren gibt es die „Morenhoven Kabaretttage“. In einer Festschrift mit dem vielsagenden Titel „… Und das in unserem Dorf!?“ gibt es einen interessanten Rückblick auf die Entstehungsgeschichte und in die wechselhafte Historie der ehrenamtlichen Kulturinitiative.
Wer Kultur wollte, musste selbst initiativ werden
Das Ganze habe vor 40 Jahren angefangen mit Menschen, die aus den Städten aufs Land umgesiedelt seien. Manchen habe die kulturelle Vielfalt der Stadt gefehlt, doch wer ein kulturelles Angebot für seine Kinder oder auch für sich selbst haben wollte, musste ganz einfach selbst die Initiative ergreifen, erinnert sich Grewe. „So war es auch in der Geburtsstunde der Kreativitätsschule Morenhoven.“ Unversehens fanden sich viele Eltern in einem Verein wieder, organisierten Räumlichkeiten und arbeiteten mit an pädagogischen Konzepten, an Satzungen und Finanzierungsplänen – dabei hätten sie doch eigentlich nur eine interessante Variante in der außerschulischen Bildung für die Freizeitgestaltung ihrer Kinder gesucht.
„Es gab aber durchaus Höhen und Tiefen“, erinnert sich Grewe an zwei existenzielle Phasen. Schwierig sei die Zeit gewesen, als zehn Jahre nach der Gründung der Kreativitätsschule die öffentlichen Fördergelder stark gekürzt worden seien. Was andernorts letztlich zum bitteren Ende der außerschulischen Arbeit mit Kindern geführt habe, habe sich in Morenhoven zu einem besonderen Ansporn entwickelt. „Es war uns klar, dass der Erhalt der Krea nur zu erreichen war, wenn wir ihr Programm um ein Kulturangebot für die Eltern erweiterten. Dadurch erhofften wir uns zusätzliche Einnahmen, die der Arbeit mit den Kindern zufließen sollten“, erinnert sich der Spiritus Rector.
Schließlich beim Kabarett hängen geblieben
Aber auch das sei nicht einfach gewesen, man habe zunächst viele Genres der Kulturarbeit ausprobiert, „bis wir beim Kabarett hängen geblieben sind.“ Das sei damals noch längst nicht so publikumswirksam wie heute gewesen, aber der Frühstart in dieser Sparte sei der Krea letztlich zugutegekommen. Was auch der „Morenhovener Lupe“ geschuldet sei, einen der ersten Kleinkunstpreise überhaupt in Deutschland, mittlerweile auch einer der renommiertesten. „Die Morenhoven Kabarett-Tage mit der Verleihung der Lupe als Höhepunkt sind im Laufe der vergangenen 30 Jahre zu einem Markenartikel für die ganze Region geworden – das macht uns stolz!“, freut sich Grewe.
Problematisch wurde es auch in den Jahren 2006 bis 2013, als die Gemeinde Swisttal vorhatte, das Grundstück der Alten Schule an der Vivatsgasse, in das die Kreativitätsschule mittlerweile eingezogen war, an einen Investor zu verkaufen und das Gebäude abzureißen. „Der Verlust des Gebäudes hätte das Aus für die Krea bedeutet, das heißt: 30 Jahre erfolgreiche Arbeit mit Kindern und 20 Jahre erfolgreiche Kulturarbeit für Erwachsene wären sang- und klanglos beendet worden“, erinnert sich die langjährige Vorsitzende Ursula Fasselt.
Geplanter Umzug in den Herrenhof zerschlug sich
Die Entscheidung habe den Lebensnerv der Initiative getroffen, doch das wollte die Krea nicht ohne Widerspruch hinnehmen. Trotz zahlreicher Protestaktionen habe es im Dezember 2007 die Kündigung des Mietvertrages zum Jahresende 2009 gegeben, damit startete der Countdown für die Krea. Auch der geplante Umzug in den „Herrenhof“ in direkter Nachbarschaft zur Alten Schule zerschlug sich recht bald. Dort sollte ein Kulturzentrum für ganz Swisttal und sogar für die komplette Voreifel entstehen, scheiterte aber letztlich an überzogenen bürokratischen Forderungen.
Als schon fast keine Hoffnung mehr bestand, dachte man noch einmal über eine Lösung nach, die Klaus Grewe schon ganz am Anfang gemacht hatte: Man solle einen Teil der Alten Schule abreißen und das Restgebäude für die Krea reservieren. So geschah es letztlich auch. Dabei wurde das Erdgeschoss mit dem Theaterraum, dem Foyer samt Nebenräumen und der Küche saniert, während der Kellerraum als Werkstatt für die Kinder nur mit erheblicher Eigenleistung der Vereinsmitglieder hergerichtet werden konnte. „Nach sechs Jahren Unsicherheit war damit endlich die rechtliche Grundlage für den Fortbestand der Kreativitätsschule Morenhoven in einem gemeindeeigenen Gebäude geschaffen“, freute sich Fasselt. Am 13. Mai 2013 feierte man den Abschluss der Bauarbeiten mit einem Festakt.
Kulturvakuum in der Gemeinde gefüllt
Im „Kreaforum“, wie das Domizil jetzt heißt, finden seither auch wieder die Morenhovener Kabarett-Tage statt, die ebenfalls auf drei Jahrzehnte bester Unterhaltung zurückblicken können. 1987 wurde das Kulturlabel „Kultur und Spektakel im Swisttal“ (KuSS) gegründet und versucht seither, ein bis dato bestehendes Kulturvakuum in der Gemeinde zu füllen – „wobei am Anfang gar nicht klar war, mit was man denn überhaupt aktiv werden könnte“, erinnert sich Grewe. Es zeigte sich jedoch bald, dass politisches und literarisches Kabarett auf großes Interesse stieß. Guter Witz war angesagt, landsmannschaftliche Eigenarten wurden humorvoll herausgearbeitet, mit der Sprache wurde gespielt, und nach wie vor werden politische Unzulänglichkeiten offengelegt und angeprangert.
In der Anfangseuphorie griff man gleich zu den Sternen und kreierte sogleich einen Kleinkunstpreis, den mittlerweile praktisch alle namhaften Kabarettisten in Deutschland in ihrer Vitrine stehen haben: die „Morenhovener Lupe“. Der erste Preisträger war kein Geringerer als Konrad Beikircher, der im Gegenzug damit auch zugleich seinen ersten Kulturpreis entgegennehmen konnte. Der Wahl-Rheinländer aus Südtirol gehört heute fast schon zum festen Inventar der Kabarett-Tage und trat hier schon sage und schreibe 13 Mal auf, zuletzt im vergangenen Jahr bei der Verleihung der 30. Morenhoven Lupe an Gregor Gysi.
Liste der Preisträger ist lang und Ehrfurcht gebietend
Die Liste der Preisträger ist lang und Ehrfurcht gebietend, von Norbert Alich und Rainer Pause über Hans Dieter Hüsch und Gerhard Polt bis zu Emil Steinberger und Richard Rogler. Bei den diesjährigen Morenhovener Kultur-Tagen vom 13. Oktober bis zum 6. Januar soll die Kabarettistin Simone Solga am Sonntag, 18. November, die „Morenhovener Lupe“ erhalten.
Der Doppelgeburtstag wird mit einem Jubiläumsfest vom 8. bis zum 13. Juni in der Kreativitätsschule Morenhoven gefeiert. Los geht es am Freitag, 8. Juni, um 20 Uhr mit Klaus der Geiger und seine Band „Ruki Werch“, hierfür gibt es noch Restkarten unter www.kreaforum.de. Am Samstag, 9. Juni, beginnt um 19 Uhr die eigentliche Festveranstaltung, unter anderem mit den „Kottengroovern“. Der Sonntagnachmittag, 10. Juni, ist ab 14 Uhr als Familientag ausgelegt und bietet musikalische Unterhaltung von „Swistbaggage“, dem Jugendblasorchester „Tomburg Winds“, den „Alphornissen“ und zum Abschluss um 18 Uhr mit Eifelrock der Gruppe „Wibbelstetz“. Nepalesische Volksmusik mit „Sukarma“ ist am Mittwoch, 13. Juni, um 20 Uhr, zum exotischen Ausklang der Feierlichkeiten zu erleben.
JOST
