Allgemeine Berichte | 27.09.2017

Vortrag im Rahmen der Veranstaltungsreihe 2017 der Gedenkstätte „Landjuden an der Sieg“

Kreuzzug von 1096: Die Urkatastrophe des rheinischen Judentums

Vortrag am 15. Oktober

Rhein-Sieg-Kreis. Zu einem informativen Vortrag über den ersten christlichen Kreuzzug 1096 und seine Auswirkungen auf das rheinische Judentum lädt die Gedenkstätte „Landjuden an der Sieg“ am Sonntag, 15. Oktober, von 14.45 Uhr bis 16.15 Uhr, ein; der Eintritt ist frei.

Die Judenverfolgungen zu Beginn des Ersten Kreuzzugs 1096 stellten die Juden vor die grausame Alternative Tod oder Taufe. Der Märtyrertod von Männern und Frauen jeden Alters, die Bereitschaft der Selbstopferung als Akt der „Heiligung des göttlichen Namens“ („Kiddusch haSchem“), der auch den „Selbstmord“, die Tötung anderer und sogar die „Opferung“ der Kinder mit einschloss, kreierte das typisch aschkenasische Bild eines Märtyrers und wurde in der Folgezeit zum freilich umstrittenen Ideal erhoben. Die Bereitschaft zur „Heiligung des göttlichen Namens“ wurde in den hebräischen Berichten verewigt und bis heute tradiert. Sie stand in der Tradition von Massada und war die Urkatastrophe des rheinischen Judentums, das einschneidendste Ereignis vor dem Machtantritt der Nationalsozialisten 1933.

Der Vortrag geht den Ereignissen von 1096 in Mainz, Worms, Speyer, Köln und Bonn nach, schildert die Rettung der Kölner jüdischen Gemeinde auf der Wolkenburg im Zweiten Kreuzzug und berichtet vom Märtyrertod der beiden Königswinterer Jungen Abraham und Samuel. Als langfristig bedrohlich erwiesen sich antijüdische Ritualmordlegenden. Verheerend wirkte sich am Karfreitag 1287 ein vermeintlicher Ritualmord an einem Jungen aus Oberwesel, dem „guten Werner“, aus. Er löste eine schwere Verfolgungswelle aus, die sich bis zum Niederrhein und ins Moselgebiet ausweitete und allein in Siegburg 20 Opfer forderte.

Der Referent, Dr. Manfred van Rey aus Königswinter, studierte an der Universität Bonn Geschichte und Latein und promovierte dort 1974.Von 1977 bis 1980 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter des Archivs des Rhein-Sieg-Kreises und wechselte anschließend in gleicher Funktion zum Bonner Stadtarchiv. Von 1990 bis zu seinem Ruhestand 2002 war Dr. Manfred van Rey Leiter des Stadtarchivs. Von 2005 bis 2013 war er Vorsitzender des Trägervereins der Gedenkstätte für die Bonner Opfer des Nationalsozialismus. Dr. Manfred van Rey ist Autor zahlreicher Veröffentlichungen zur Bonner Stadtgeschichte sowie zur Geschichte der Juden in der Region.

Pressemitteilung Rhein-Sieg-Kreis

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