Allgemeine Berichte | 17.12.2015

Aktuelle Buchbesprechung

Kriminalfälle aus der Eifel

Hans-Peter Pracht hat Tot bringende historische Schandtaten in einem Buch versammelt

Die Farbgebung deutet schon auf den Inhalt hin: Viel Blut fließt in den Kriminalfällen. HG

Region. Die Vorstellung, dass sich das Verbrechen auf die Stadt konzentriert, auf dem Land dagegen sozialer Zusammenhalt und höhere Moral angesiedelt sind, ist alt, aber in höchstem Maße undifferenziert und daher so nicht zulässig. Dennoch glauben viele Menschen, in abgelegenen ländlich geprägten Gegenden fern von allem Bösen zu sein.

Aber selbst einsame Regionen sind in übergeordnete Zusammenhänge eingebunden. „In wirtschaftlich schlechten Zeiten, zum Beispiel nach Kriegen – von denen hat die Eifel wirklich viele erleben müssen – stieg die Kriminalität stets an“, schreibt Hans-Peter Pracht in seinem neuen Buch „Historische Kriminalfälle aus der Eifel“. Wegen der Aufteilung in viele Herrschaftsbereiche fehlte in der Eifel ehemals eine einheitliche Rechtsordnung und somit die Handhabe zu einer einheitlichen Verfolgung, was den Durchbruch krimineller Energie beförderte. In Prachts Neuerscheinung geht es um 15 Tötungsdelikte des 18. bis 20. Jahrhunderts sowie die Arbeit der Polizei und Justizbehörden.

Die dunkle Seite der Eifel

Verbrechen ereignen sich nicht losgelöst von den gesellschaftlichen Zuständen. Die Fälle lassen „so manchen Ort in der Eifel plötzlich in einem ganz anderen Licht erscheinen“, heißt es im Klappentext. Als Beispiele wird der berühmte Mord an Laura Klinkenberg 1908 bei Aachen genannt, der Mord an zwei Kindern, den die eigene Mutter 1945 in Bad Neuenahr beging, die grausamen Morde in der Sprinker Mühle bei Daun Ende des 18. Jahrhunderts durch die berüchtigte „Moselbande“‘ oder der Lynchmord an einem US-Soldaten 1944 in Preist. Einzeltäter und Banden geraten ins Visier, geplantes und spontanes Vorgehen, Mord und Totschlag aus Habgier oder auf dem Hintergrund von Verzweiflung über die persönliche ausweglos erscheinende Lebenssituation.

Natürlich konnten auch im kleinsten Nest Menschen aufwachsen, die sich außerhalb der Gesellschaft stellten, umgekehrt zog jedoch gerade die einsame Lage von Gehöften und Mühlen das Interesse von Raubbanden an. So wurde etwa das Wirtshaus in Düttling, Stadtteil von Heimbach in der Nordeifel, im Mai 1800 zum Ziel skrupelloser Krimineller. Der Wirt Johann Nießen, ein Notar Bücken, ein weiterer Hausgast und Nießens Sohn Andreas wurden beim Überfall schwer misshandelt, aus Rache, was die Person des Notars betraf, die anderen, damit sie preisgaben, wo Geld und Wertsachen zu finden seien. Als die Räuber mit der Fackel unter Nießens Bett nachforschten, fing die Matratze Feuer und das ganze Haus brannte ab. Gastwirt Nießen stand nicht nur vor den Trümmern seines Lebenswerks. Er und seine Frau hatten einen Sohn und einen Enkel zu beklagen, die in den Flammen umgekommen waren.

Ausufernde Einschüchterung

Im August 1796 traf der Müller Johannes Krones von der Sprinkermühle in der heutigen Verbandsgemeinde Daun auf dem Markt in Manderscheid zufällig Johann Schiffmann, der ihm noch Geld schuldete. Krones erinnerte ihn daran, was der „Tuchhannes“, Anführer der Moselbande, mit wüsten Drohungen parierte. Schon am Morgen darauf fand ein Mühlenarbeiter vier Mitglieder der Mühlenfamilie, Vater, Mutter, Tochter Anna, 23 und Sohn Matthias, sieben Jahre alt, bestialisch verstümmelt und ermordet auf. Möglicherweise sei ihr Tod nicht einmal beabsichtigt, sondern „nur“ Folge eines ausufernden Einschüchterungsversuchs gewesen, erklärt Pracht. Anfang September 1799 wurde gegen 13 inhaftierte und drei in Freiheit befindliche Moselbandenmitglieder vor dem Koblenzer Gericht Anklage erhoben. Sechs Mal wurde die Todesstrafe und sechs Mal Galeerenstrafe verhängt wegen schwerer Untaten, die Verbrechen in der Sprinkermühle nicht eingerechnet. Spät erst sagte der einzige Überlebende Gerhard Krones, der aus Angst geschwiegen hatte, aus, er habe den Tuchhannes und Bastian Nicolay als Mittäter erkannt. 1802 erging das Todesurteil: „Die Moselbande war endgültig zerschlagen.“

Förster sind Feinde

Mit einem viel milderen Urteil kamen die Schurken Wilhelm Paulsen und Theo François, zwei polizeibekannte Diebe und Wilderer, davon. Sie lauerten am 22. Oktober 1900 im Hertogenwald dem Förster Michel Jules-Toussaint auf. Paulsen erschoss ihn, da er und sein Kumpan ganz allgemein in den Förstern ihre Feinde sahen. Es ist erschütternd zu verfolgen, welch unsinnige Gewalttaten diese und andere wirre Geister verübten. Sie nützten ihnen nicht und die Folgen der hemmungslosen Gewalt waren in keiner Weise bedacht. Als Paulsen die Förster-Witwe, Mutter von vier Kindern, bei Gericht im Zeugenstand sah, konnte er ihr nicht in die Augen sehen. Da sich die Verteidigung durchsetzte, wurde Paulsen zu lebenslangem Zuchthaus und François wegen Diebstählen zu vier Jahren Gefängnis verurteilt. Die preußischen Grenzbeamten Wolter und Wiesnewski, die an der holländischen Grenze eingesetzt waren, hatten sich verfolgungshalber gemeinsam nach Holland Richtung Echterbusch begeben, durch eine List die Gesuchten im Wald ausfindig gemacht und mit Verstärkung überwältigt. Für ihr Engagement, das zur Ergreifung der Täter führte, erhielten sie eine finanzielle Anerkennung.

Tatort Wald

Häufig zog es die Mörder für ihre Bluttaten in den Wald. Im Aachener Drimborner Wald fand 1902 ein Spaziergänger die Leiche der 34-jährigen Weberin Maria Klinkenberg aus Raeren, deren in Fetzen gerissene Kleidung auf verzweifelte Gegenwehr schließen ließ. Trotz intensiver Fahndung gelang es nicht, den Mordfall aufzuklären. Kommissar Zufall half dagegen im Fall der 16-jährigen Laura Klinkenberg, die im Mai 1908 in einem Waldstück neben der Straße von Aachen nach Monschau entdeckt wurde. Ende April 1908 hatte sie einen Zahnarzttermin in Aachen. Aber dort erschien sie nicht und kehrte nicht nach Hause zurück. Sie konnte von ihren Geschwistern nur noch anhand einer Warze am Finger und einiger Gegenstände identifiziert werden. Trotz ausgesetzter hoher Belohnung und vieler Zeugenbefragungen – nach acht Monaten füllten die Ermittlungen 342 Akten – wurde der Mörder nicht gefasst. Im Januar 1909 gestand August Charié, ein Gefangener in Haarlem (Niederlande), er habe Laura ermordet. Zu seiner Auslieferung nach Aachen kam es nicht mehr, da der 21-jährige Charié vorher im Gefängnis von Haarlem starb.

Kriegsverbrecherprozess in Ahrweiler

Um einen Lynchmord handelte es sich beim Geschehen des 15. August 1944 in Preist, ein Ort im Kreis Bitburg-Prüm. Aus einer abstürzenden amerikanischen Liberator landete ein Amerikaner in einem Baum. Zwei deutsche Soldaten halfen ihm aus dem Fallschirm, als ein Mann namens Peter Back auf den Amerikaner schoss, ein anderer Deutscher, Peter Kohn, auf den Hilflosen einschlug, ein dritter, Matthias Gierens, ihm einen Steinhammer ins Gesicht schlug, während Matthias Krein, der ihn bewachen sollte, teilnahmslos dabei stand. Das Verfahren beim ersten Kriegsverbrecherprozess in Deutschland gegen Kohn, Krein und Gierens begann am 1. Juni 1945 in Ahrweiler. Peter Back wurde am 6. Juni gefangen. Die drei aktiv am Mord Beteiligten wurden zum Tode verurteilt und Matthias Krein zu lebenslänglicher Haft.

Burgerhof-Morde in Andernach nie aufgeklärt

Alle von Autor Pracht dargelegten Fälle erfüllen den Leser mit Grausen, führen aber auch immer spezifische Zeitumstände vor Augen. So war der Burgerhof bei Andernach eine von Städtern gern genutzte Anlaufstelle für Tauschgeschäfte in der frühen Nachkriegszeit, weshalb im Haus Dinge von Wert zu vermuten waren. Am 1. April 1946 überfielen unerkannte Täter die Bewohner, töteten den Hofbesitzer Walter Windheuser, seine Mutter, seine Ehefrau, seine Schwägerin und einen Andernacher. Alle Einrichtungsgegenstände zerschlugen sie und durchwühlten das Haus nach Beute. Die unmittelbar nach der Tat nicht sorgfältig genug durchgeführten Ermittlungen wurden wiederholt eingestellt und wieder aufgenommen. Erschwerend hatte sich das mangelhafte Zusammenspiel zwischen französischer Besatzungsmacht und deutschen Behörden ausgewirkt. 1986 wurde der Fall wegen Verjährung eingestellt.

Weitere Informationen:

Das Buch von Hans-Peter Pracht, der in der Gemeinde Grafschaft lebt und schon einige Publikationen zu Eifelthemen verfasst hat, ist beim Regionalia Verlag erschienen. Es hat einen festen Einband, 160 Seiten, einige Abbildungen und kostet 7,95.

Die Farbgebung deutet schon auf den Inhalt hin: Viel Blut fließt in den Kriminalfällen. Foto: HG

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