Allgemeine Berichte | 17.04.2020

Der Arbeitsmarkt trotzt Corona nur scheinbar

Krise zeichnet sich in nun veröffentlichten Zahlen kaum ab

Koblenz. Es hätte der Beginn der alljährlichen Entspannungsphase am Arbeitsmarkt sein sollen, und die Voraussetzungen schienen günstig. Doch dann veränderte das Corona-Virus beinahe über Nacht alles: Statt Frühjahrsbelebung sind nun Kurzarbeitergeld (KuG) und vereinfachte Arbeitslosmeldung die Themen, die Arbeitsagenturen und Jobcenter beschäftigen.

Die Einrichtungen, die dafür verantwortlich sind, dass die von der Bundesregierung in Rekordzeit beschlossenen Hilfspakete schnellstmöglich umgesetzt werden, müssen sich täglich neu auf die außergewöhnliche Situation und ihre Auswirkungen auf die regionale Wirtschaft einstellen. Abläufe müssen geändert, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in die neuen Organisationsstrukturen eingebunden werden. „Das ist für uns eine nie zuvor erlebte Herausforderung“, betont Frank Schmidt, der Leiter der Agentur für Arbeit Koblenz-Mayen, und erklärt, warum sich dies in der nun veröffentlichten Statistik so gut wie gar nicht ablesen lässt.

„Organisatorisch ist es natürlich nicht möglich, dass die Daten, die wir am Monatsende veröffentlichen, die jeweilige Jetzt-Situation abbilden. Abgerufen werden die Informationen durch unseren Statistikservice etwa zwei Wochen vor dem jeweiligen Veröffentlichungstermin.“ Immerhin müssten bundesweit Millionen von Zahlen aufgearbeitet werden. „Die Daten, die uns nun vorliegen, bilden deshalb den Stand von Mitte März ab – also einen Zeitpunkt, an dem die Welt der regionalen Wirtschaft noch in mehr oder weniger geordneten Bahnen verlief.“

So weist die aktuelle Statistik für den Landkreis Cochem-Zell einen Rückgang der Arbeitslosigkeit um 117 auf 1.371 Betroffene aus. Die Arbeitslosenquote sinkt im Vergleich zum Vormonat um 0,4 Punkte auf 4 Prozent. „Das wäre die übliche, noch zarte Frühjahrsbelebung, die sich im nächsten Monat deutlich verstärken würde.“ Doch damit rechnet Frank Schmidt nun nicht mehr.

„Zwar gibt es derzeit keine Flut von Arbeitslosmeldungen, denn noch warten die meisten Betriebe den weiteren Verlauf der Krise erst einmal ab. Doch wir sind in den letzten beiden Wochen mit Anfragen nach Kurzarbeitergeld regelrecht bombardiert worden. Außerdem gab es natürlich erste Arbeitslosmeldungen, mit denen wir um diese Jahreszeit nicht gerechnet hätten und manche Betriebe haben bereits KuG beantragt. Außerdem blieben viele Wiedereinstellungen – etwa in der Gastronomie - aus, die noch vor Kurzem sicher schienen. Arbeitsverträge werden nicht wie geplant verlängert oder entfristet.“

Es sei deshalb vor allem der Blick in die Zukunft, der nicht mit den nun veröffentlichten Zahlen übereingebracht werden könne, sagt Frank Schmidt. „Normalerweise würde ich mit Blick auf die März-Statistik sagen, dass wir am Anfang einer deutlichen saisonalen Belebung des Arbeitsmarktes stehen. Doch unsere Erfahrungen der letzten beiden Wochen lehren uns etwas anderes: Auch wenn die Arbeitslosigkeit statistisch gesehen zurückgegangen ist, werden bereits die Aprilzahlen deutlich von der Corona-Krise geprägt sein. Wie lange und wie stark sich der Einbruch letztlich auf die Arbeitslosigkeit auswirken wird, kann derzeit niemand sagen. Ich hoffe, dass die Wirtschaft ihre Zwangspause zügig beenden kann – und dass Unternehmer so lange wie möglich an ihren Fachkräften festhalten, weil sie wissen, wie kostbar diese Menschen sind und wie dringend sie für die Zeit nach Corona gebraucht werden.“

Agentur und Jobcenter können wegen der Corona-Pandemie derzeit nicht besucht werden. So sind sie dennoch erreichbar:

Agentur für Arbeit Bad Neuenahr-Ahrweiler und Adenau: Sondertelefon: (02 61)40 54 05, E-Mail: koblenz-mayen.postfach@arbeitsagentur.de

Jobcenter Cochem-Zell: Sondertelefon: (0 26 71) 60 33 111, E-Mail: Jobcenter-Cochem-Zell@jobcenter-ge.de

Informationen für Kleinstunternehmer und Soloselbstständige: Servicetelefon: (08 00) 4 55 55 23, montags bis freitags, 8 bis 18 Uhr.

Vieles lässt sich auch ohne direkten Kontakt online erledigen:

https://www.arbeitsagentur.de/eservices

https://www.arbeitsagentur.de/arbeitslos-arbeit-finden/arbeitslosengeld-2

Betriebe, die Kurzarbeit anzeigen wollen, können ihre Unterlagen an folgende Postanschrift schicken: Agentur für Arbeit, 54187 Trier.

Pressemitteilung

Agentur für Arbeit Koblenz-Mayen

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