Allgemeine Berichte | 22.09.2025

Naturschutzinitiative e.V. (NI): Ausgleich ist eine „Mogelpackung“ - Grünlandflächen erhalten

Kritik an geplantem Gewerbegebiet „Concordia“ in Ransbach-Baumbach

Extensiv-Rinderweide auf der „Concordia“-Fläche mit Feldgehölzen und dem „Köppel“ im Hintergrund.  Foto: Immo Vollmer

Ransbach-Baumbach. Die Stadt Ransbach-Baumbach möchte das ehemalige, seit langem verfüllte 15 ha große Tongrubengelände „Concordia“, das auf der Grenze zu Ebernhahn liegt, zu einem Gewerbegebiet mit integriertem Solarpark entwickeln. Aktuell befindet sich dort eine große Weide mit robusten Hochland-Rindern, die durch Gehölzinseln und kleinere Gewässer strukturiert ist.

Hoher naturschutzfachlicher Wert der beanspruchten Fläche

Die Naturschutzinitiative e.V. (NI), die sich hier mit einer 10seitigen naturschutzfachlichen Stellungnahme eingebracht hat, lehnt das Vorhaben ab, da großflächige Rinderweiden einen hohen ökologischen Wert haben. So konnte in dem Gebiet vor wenigen Jahren der in Rheinland-Pfalz sehr seltene Wiedehopf als Gastvogel nachgewiesen werden. Auch das faunistische Gutachten zeigt eine reiche Tierwelt auf, bei der eine hohe Vogeldichte und das Vorkommen von streng geschützten Amphibien wie Gelbbauchunke, Kammmolch oder Zauneidechse hervorzuheben sind.

Unrealistische „Schönrechnerei“ des Eingriffs

Insbesondere kritisiert die NI eine völlig unrealistische und unzureichende Bilanzierung der Eingriffs- und Ausgleichsflächen. Der aktuelle Wert der vorhandenen Biotope wurde naturschutzfachlich unangemessen stark reduziert. Der Praxisleitfaden zur Ermittlung des Kompensationsbedarfs in Rheinland-Pfalz sei fehlerhaft angewendet worden, weswegen auch summarisch ein großes Kompensationsdefizit bestehe, so der Naturschutzverband.

Für die Biotope, die noch im Gewerbegebiet entwickelbar seien, sei ein unrealistisches Entwicklungspotenzial angenommen worden. Dabei habe man sich nicht an die für Rheinland-Pfalz entwickelten Vorgaben gehalten.

Für den schwerwiegenden Verlust großer Grünlandflächen und damit den Verlust geschützter Tierarten werde nach Ansicht der NI kein ausreichender Ausgleich angeboten. „Das Liegenlassen einer spontan bewaldeten Altlastenfläche (ehemaliges NATO-Tanklager) im Wald als „Waldrefugium“ bietet weder einen Ausgleich für die entfallenen Biotope und Lebensräume der Tiere, noch wird in der derzeitigen Konzeption (liegenlassen ohne Maßnahmen) überhaupt ein Aufwertungspotenzial gesehen“, so Dipl.-Biologe Immo Vollmer, Naturschutzreferent der NI.

NI-Landesvorsitzender Harry Neumann wertet das Ausgleichskonzept mit dem „Waldrefugium“ als „dreisten“ Versuch, eine für die Stadt höchst problematische und in der Sanierung extrem teure Altlastenfläche billig loszuwerden, indem der Status-quo als schutzwürdig festgeschrieben werden solle. Dies werde als Gegengewicht für einen ansonsten fast kompensationslosen Verlust von gut 15 Hektar wertvollen Lebensraums ausgegeben, auf dem für die Stadt einträgliche Gewerbeflächen gebaut werden sollen.

Grundsätzlich bietet nach Ansicht der NI die Waldfläche auf dem ehemaligen NATO-Tanklager durchaus Möglichkeiten, einen Ausgleich für die fünf bis sechs Hektar umfassende Totalversieglung im geplanten Gewerbe- und Industriegebiet zu erreichen. Dafür müssten aber versiegelte Flächen entsiegelt werden, Gebäude zum Teil abgerissen werden oder noch vorhandene Altlasten inkl. möglicherweise kontaminierter Böden entsorgt werden. „Natürlich sei bei den vorhandenen Gebäuden und Altstrukturen wie den Tanks zu prüfen, ob diese aktuell von Fledermäusen bewohnt sind“, so Biologe Vollmer. „Dennoch ist es keine gute Idee, direkt neben den drei im Bau begriffenen 250 Meter hohen Windkraftanlagen Fortpflanzungs- oder Ruhestätten für Fledermäuse anzubieten, die hier einer erhöhten Schlaggefahr ausgesetzt sind“, so I. Vollmer.

„Selbst wenn man die Sanierung dieser Altlasten angehen würde, fehlt noch der Ausgleich für das strukturreiche Grünland. Ransbach-Baumbach sollte daher auf das Vorhaben verzichten, weil es eine extensiv genutzte Rinderweide zerstört und die hier anzutreffende Artenfülle erheblich beeinträchtigt“, so Harry Neumann und Immo Vollmer.

Pressemitteilung

Naturschutzinitiative e.V. (NI)

Extensiv-Rinderweide auf der „Concordia“-Fläche mit Feldgehölzen und dem „Köppel“ im Hintergrund. Foto: Immo Vollmer

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare
  • Oliver Spielmann: Was passiert, wenn es keine Baumschutzsatzung gibt, kann man in aktueller Sache in Neuwied sehen. Hier wurden im Rahmen einer Schulhofumgestaltung 3 nachweislich verkehrssichere gesunde 100 Jahre alte...
  • Koblenzer Bürger: Die Forderung der FDP, die Baumschutzsatzung abzuschaffen, ist ein längst überfälliger Schritt gegen staatliche Überregulierung. Es ist widersprüchlich, Hauseigentümer auf dem eigenen Grund und Boden...
  • Oliver Spielmann: Was passiert, wenn es keine Baumschutzsatzung gibt, haben wir in aktueller Sache in Neuwied gesehen. Hier wurden an einer Schule im Rahmen einer Umgestaltung 3 einhundert Jahre alte nachweislich gesunde...
  • Boomerang : Seit 2011 eine Frau durch einen herabstürzenden Ast in d Rheinanlagen ums Leben kam will keiner mehr für die Sicherheit verantwortlich sein. Mit alten Bäumen ist es wie mit alten Menschen, die können weg und machen nur Arbeit.
  • Bernd Hilger: Und wann wird sie für den Verkehr freigegeben ?
Imageanzeige
Daueranzeige 2026
Dauerauftrag 2025
Mülltonnen -Reinigung, bis auf Widerruf
Kreishandwerkerschaft - Anzeige Bad
+Hospimed
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0149#
Slimbelly
Unterstützeranzeige -Nink-
Empfohlene Artikel

Remagen. Am 27.02.2026 fand der Abschluss der Ada-Lovelace-AG am Campus Remagen der Hochschule Koblenz statt. Das Ada-Lovelace-Projekt fördert Mädchen in den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) und bietet ihnen die Möglichkeit, technisches Wissen praktisch zu erlernen.

Weiterlesen

Weitere Artikel

Mayen startet mit Traumwetter in den Frühling

Frühlingskirmes in Mayen: Ein Wochenende voller Genuss und Erlebnisse

Mayen. Ein traumhaftes Sonnenwetter läutete beim Frühjahrskirmeswochenende den ersehnten Frühling ein. So hatten sich das die vielen Hundert Besucher gewünscht und der Wettergott hatte nach dem nasskalten Winterwetter diesbezüglich tatsächlich ein Einsehen. Sehr zur Freude aller Anwesenden, die am verlängerten Wochenende einen Bummel entlang der Stände und Attraktionen sichtlich genossen.

Weiterlesen

Meckenheim. Zu einem folgenschweren Verkehrsunfall kam es am Samstagmorgen (07.03.2026) gegen 10:45 Uhr auf der Bonner Straße in Meckenheim. Zur Unfallzeit befuhr eine 68-jährige Autofahrerin die Meckenheimer Allee/Bonner Straße in Fahrtrichtung Rheinbach. Kurz vor der Kreuzung Gudenauer Allee/Bonner Straße beabsichtigte sie, nach links in eine Zufahrt abzubiegen und missachtete dabei die Vorfahrt eines entgegenkommenden Motorradfahrers, der die Bonner Straße in Fahrtrichtung Bonn befuhr.

Weiterlesen

Dauerauftrag
Monatliche Anzeige
Daueranzeige
Werbeplan 2026
Rund ums Haus
Dauerauftrag Imageanzeige
Mayener Ausbildungsmesse
MAYA 2026
MAYA 2026
Mayener Ausbildungsmesse
MAYA
Zukunft trifft Tradition KW 10
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0149#
Imageanzeige Dauerauftrag 03/2026
Stellenanzeige Küchenleitung
Start in den Frühling Mayen
Anzeige zu Video „Dein Geld, Deine Regeln – so planst du smart für die Zukunft!“