Mit Carl Loewe „Legenden“ und viel Tangos endeten die 22. Unkeler Loewe-Musiktage
Künstlerehepaare entführten nach Argentinien
Unkel. Nach dem Meisterkonzert „Aus dem Leben“, zu dem der Vorsitzende des Unkeler Geschichtsvereins Piet Bovy, am Freitagabend im Palmenhaus der ehemaligen Henkel-Villa auch den Schirmherrn der 22. Carl-Loewe-Musiktage, Landrat Rainer Kaul begrüßen konnte, hatte der musikalische Leiter, Marc Unkel, für das abschließende Kammerkonzert am Sonntagnachmittag wie schon eine Woche zuvor beim Liederabend „Gut gebrüllt Loewe!“ Varieté-Atmosphäre eingeplant. „Nach den drei Liedern aus dem Orient, aus opus 10, die Marc vorgestern mit seiner Frau Joanne Walter-Unkel vorgetragen hat, haben wir von dem beliebten Kabarettisten und Musikkenner Konrad Beikircher, der aus der Selbstbiografie des Musikers rezitiert hat, erfahren, dass Carl Loewe bei den von ihm vertonten 500 lyrischen Texten nicht nur auf Goethe-Balladen wie etwa ‚Der Zauberlehrling‘ oder auf den ‚Erlkönig‘ bis hin zu ‚Der Totentanz‘ und ‚Der Schatzgräber‘ zurückgegriffen hat. Es ist auch 1820 in Jena zu einem Treffen zwischen dem jungen Komponisten und dem 71-jährigen Dichterfürsten gekommen“, erinnerte Heide Lorenz, die 1995 die Musiktage ins Leben gerufen hatte. Man dürfe gespannt sein zu erfahren, wie Marc Unkel, die Verbindung von Kompositionen des Spätromantikers mit Tangorythmen erklären werde.
Das schien auch zahlreiche Musikfreunde interessiert zu haben. „Ich freue mich, dass sich so viele Loewe-Fans nicht vom extrem regnerischen Wetter haben abhalten lassen. Ja sogar das EM-Fußballspiel im Achtelfinale der deutschen Nationalmannschaft gegen die Slowakei macht sich nicht negativ bemerkbar“, konnte Piet Bovy hoch zufrieden über die enorme Resonanz feststellen, bevor er die Gäste begrüßte, darunter auch Stadtbürgermeister Gerhard Hausen. Verzichten musste das Musikerehepaar, das mit seinen Freunden, der Flötistin Doris Lange-Haunhorst und dem Geiger Martin Haunhorst das Abschlusskonzert bestritt, lediglich auf die moralische Unterstützung ihrer Söhne, des zehnjährigen Lorenz und seines zwei Jahre jüngeren Bruders Wilhelm, gaben die beiden doch den Kickern den Vorzug.
„Wenn Sie mich fragen, was bei unserem Versuch, das Palmenhaus mit Tangoklängen zu verzaubern, Carl Loewe mit der argentinischen Musik zu tun hat, die zwischen 1850 und 1900 als eine Mischung vieler Musikformen aus der Konfrontation etwa italienischer Musik und polnische Polka mit lateinamerikanischer Milonga oder Habanera entstanden ist, dann muss sich gestehen: Im Grunde gar nichts“, so Marc Unkel, der auch das Konzert moderierte. Allerdings gebe es eine indirekte Verbindung durch das „Bandoneon“, ein von dem Krefelder Musiklehrer Heinrich Band Mitte des 19. Jahrhunderts konstruiertes Handzuginstrument, das er aus der Konzertina entwickelt hatte, die wiederum in Chemnitz von Carl Friedrich Uhlig gebaut wurde. „Und Löbejün, die Geburtsstadt von Carl Loewe, ist ja nur rund 60 Kilometer von der drittgrößten Stadt des Freistaates Sachsen entfernt“, so Marc Unkel, bevor er mit Martin Haunhorst die Legende „San Francesco“ von dem Namensgeber der Musiktage und dann den ersten Tango spielte.
Diesem ließ der Pianist zusammen mit seiner Frau Loewes Legende c-moll sowie den Tango „El Choclo“ folgen. „Komponiert hat diesen 1903 Angel Villoldo Arroyo, der zu den Tango-Pionieren zählt“, so Marc Unkel. Wie die meisten Tango-Komponisten sei auch er kein studierter Musiker gewesen, sondern habe sich mit unterschiedlichsten Arbeiten über Wasser gehalten. So erzähle dieser äußerst beliebte Tango von dem Wunsch eines Hafenarbeiters, immer einen Topf voller Maiskolben, eben „choclos“ vor sich zu haben.
Weiter ging es mit der Loewe-Canzonetta E-Dur, welcher der Pianist zusammen mit Doris Lange-Haunhorst zwei „Criollos“ folgen ließ, so benannt nach den im Lande geborenen Nachfahren spanischer Eltern. „Diese Tangos handeln oft von Tieren wie in diesem Fall von einem Sperling und einem Welpen“, berichtete Marc Unkel, um nach dem Tango „Sevilla“, begleitet von Flöte und Oboe, mit dem Habanera-Tango „Rivera“, die Zuhörer in die Pause zu entlassen. In dieser konnten sich die Konzertbesucher im Nebenraum mit „Loewe-Wein“ und typisch südamerikanischen, also feurigen Leckerbissen stärken, bevor das Quartett sie mit dem bekannten Kanon in D-Dur von Johann Pachelbel zum zweiten Teil des Kammerkonzerts, das nicht nur mit dem „Milonga del Angel“ von Astor Piazolla, einem berühmten Bandoneon-Spieler und Mitbegründer des Tango Nuevo, sowie seinem „Tanti anni prima“ bei den Zuhörern schon mächtigen Appetit auf die 23. Carl-Loewe-Musiktage weckte. DL
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