Ausstellung in Odendorf
Kunst im historischen Zehnthaus
Bilder, Tonfiguren, Glas- und Stoffarbeiten wurden präsentiert
Swisttal-Odendorf. Für Kunstliebhaber ist das historische Odendorfer Zehnthaus mit seiner Kunstausstellung im November seit vielen Jahren ein „Muss“. Zehn Künstlerinnen und Künstler zeigten hier ihre jüngsten Werke, und die Vielfalt der Arbeiten überraschte nur noch die Besucher, die zum ersten Mal den Weg hierher gefunden hatten. Ob das Interesse mehr zu den wunderschönen Tonarbeiten von Heide Thierfeld tendierte, die mit ihren Tiergestalten zu den Künstlerinnen der ersten Stunde im Zehnthaus zählt und ihre Objekte in Rakutechnik und dem Rauchbrandverfahren herstellt, oder mehr die Malerei im Focus der Betrachter lag, für wohl jeden war etwas in der Ausstellung dabei. Durch eine grafische Ausstellung fand Norbert Gramer den Weg zur Öl- und Aquarellmalerei. Inspirieren lässt er sich durch englische und amerikanische Tiermaler, aber auch von surrealistischen Arbeiten etwa von Salvatore Dali oder Max Ernst. Ebenfalls der Malerei hat sich Ute Brockhausen verschrieben.
Schon während ihrer Lehrtätigkeit an der Waldorfschule erprobte sie die Aquarellmalerei, später dann besonders die Malerei mit Acrylfarben; sie bevorzugt pflanzliche Motive, das Fließende und Bewegte in der Natur. Regelmäßige Ausstellungen im Rheinland und in der alten Heimat in Baden-Württemberg hat Hedda Knab mit ihren Werken, die sie hauptsächlich mit Aquarellfarben gestaltet. Von der Aktmalerei über Landschaften, Stilleben bis hin zum Abstrakten reicht die Bandbreite ihrer Werke. Seit über 30 Jahren führt Helga Feuser-Straßdas ihre eigene Werkstatt für Glasarbeiten in Rheinbach-Wormersdorf. Neben den traditionellen Formen der Glasmalerei setzt sie zunehmend auf Glasverschmelzung (Fusing), oft in Verbindung mit Metallen wie Stahl oder Messing. So kann die Künstlerin auch freie Raumobjekte schaffen.
Anregungen sucht sie insbesondere in der Natur. Vom Patchworkvirus hat sich Sabine Haas vor rund zehn Jahren infizieren lassen. Sie entwirft und näht Quilts meist in Deckengröße, die auch bereits in diversen Fachzeitschriften veröffentlicht worden sind. Der Besuch verschiedener Kurse hat ihre Experimentierfreude weiter angefacht. Nun entstehen textile Bilder, die auf Keilrahmen gezogen werden oder andere Objekte, die eher dreidimensional sind. Echte „Hingucker“ in ihrer Ausstellung waren ihre „Quilts zum Kuscheln und Träumen“. „Jeder meiner Quilts ist ein handgefertigtes Unikat“, so die Künstlerin, „sie können als Zudecken durchaus täglich gebraucht werden.“ Rd. 450 Euro kostet so ein gutes Stück in der Größe 1,60 mal 2,10 Meter, darin stecken aber 150 Euro Materialkosten und etwa 40 Stunden Näharbeiten, dazu kommen einige Gestaltungsstunden. „Meinen Lebensunterhalt muss ich anderweitig verdienen, aber es ist ein schönes Hobby“, erklärte die Künstlerin. Förmlich „reingebissen“ hat sich Hans-Joachim Thierfeld in die digitale Bildbearbeitung seiner Fotografien. Seine Bilder zeigen Motive aus der ländlich strukturierten Umgebung von Eifel und Voreifel.
Da wurde aus einem simplen Hagebuttenstrauch mit seinen roten Früchten und den Odendorfer Kirchen im Hintergrund fast ein Landschaftsgemälde, das das ursprüngliche Foto nur noch erahnen lässt. „In einer aufwendigen Nachbearbeitung gestalte ich die Fotos ‚künstlerisch‘ nach meinen Vorstellungen, wobei ich die bereits in den Fotos enthaltenen graphischen Grundstrukturen hervorhebe“, erklärte der Künstler einer interessierten Hobbyfotografin. Dabei kann die Bearbeitungsdauer von mehreren Stunden bis zu einigen Tagen dauern. Gina Jacobs kam über das Malen, Basteln, Stricken und Nähen zum Aufziehen von Perlen. Inzwischen zeigt sie ihre Arbeiten in einem alten Fachwerkhaus in Mechernich-Antweiler. Autodidaktisch hat sich Michaela Rübenach in jahrelangen Experimenten sowie dann auch durch Fortbildungskurse die Techniken in Skulpturenbau und Malerei beigebracht. Seitdem gibt sie Workshops in diesen Kunstrichtungen. Elke Marion Utecht, die zusammen mit Swantje Lunau die Ausstellung im Zehnthaus organisiert hat, ist ebenfalls Autodidaktin. Tiere, Menschen, Fabelwesen und ausgefallene Objekte sind das Thema ihrer skurrilen, witzigen und fröhlichen Tonfiguren. Dabei experimentiert sie mit verschiedenen Techniken und Oberflächengestaltungen. Immer wieder ein Besuchermagnet ist auch ihre Ausstellung „Kunst in der Scheune“ in ihrem Odendorfer Fachwerkhaus mit dem großen Garten in der Odinstraße 10, zu der sie regelmäßig Künstlerkollegen einlädt.
Formschöne Glaskunst von Helga Feuser-Straßdas.
