Das „Berschender Allerlei“ begeisterte sein Publikum durch grandioses Schauspiel und entwaffnende Gags
Lachsalven ohne Pause in „Berschend“
„Heribert, der Klosterfraunarzissengeist“ – Eine Komödie in drei Akten mit einer ordentlichen Portion Lokalkolorit
Bannberscheid. Wer bis dato nicht wusste, wer „Heribert, der Klosterfraunarzissengeist“ ist, dessen Bildungslücke wurde kürzlich in Bannberscheid gestopft. Doch der Reihe nach. Das „Berschender Allerlei“, ein multikultureller Zusammenschluss einiger Bürger aus Bannberscheid, hatte wieder einmal ein Theaterstück geprobt und geprobt, und schließlich in der „Bauernstube“ in Bannberscheid aufgeführt.
Getrost können das Ensemble, die Art des Stückes und der Ort der Aufführung als „Bauern-Theater“ bezeichnet werden, ohne den Ausdruck despektierlich zu interpretieren. Man könnte den Ausdruck sogar als Auszeichnung verstehen, denn es ging deftig und rau zu, was sich da auf der Bühne in der „Bauernstube“ abspielte. Vorab kann berichtet werden, dass in den proppenvollen Saal keine Ölsardine mehr reingepasst hätte, etwa 130 Menschen harrten ungeduldig der Dinge, die auf sie herniederprasseln würden. Eine intimere Atmosphäre kann ein Theater kaum bieten, denn die erste Reihe der Zuschauer saß nur einen Meter von der Bühne entfernt, die Laien-Darsteller waren praktisch mit den Händen zu greifen.
Als sich endlich der Vorhang öffnete, legte sich freudige Stille über die Zuschauer, es sollte für alle Glücklichen, die anwesend sein durften, ein unvergesslicher Abend werden.
Heribert, der Kosterfraunarzissengeist
Die Handlung, in Kürze zusammengefasst: Im Kloster „Berenscheydt“ herrscht helle Aufregung. Das Bistum Limburg hat verfügt, dass das Kloster aufgelöst werden soll, deshalb sollen die drei in dem Koster lebenden Nonnen Gottfrieda, Pankrazia und Appolonia auf andere Klöster verteilt werden. Zum Unglück kommt meistens noch Pech dazu, denn der hinterhältige Bürgermeister Dünkel hat den Nonnen bereits die Pacht für die Obstwiesen und Weinberge gekündigt. Damit würde die Einnahmequelle der Nonnen versiegen, denn verbotenerweise keltern sie im Kloster Wein und brennen Schnaps. Die Bistumsverwaltung um Bischof Tebarz-van Eltst benötigt dringend weitere Einnahmen, um diverse Objekte zu verwirklichen.
Alsbald tauchen im Kloster zwei Kaufinteressenten und der Domkapitular Hansemann auf, die zusammen mit Bürgermeister Dünkel die Nonnen zur Unterschrift unter dem bereits fertigen Kaufvertrag bewegen wollen. Doch die Nonnen wissen sich zu wehren und arbeiten dabei mit allen möglichen Tricks, setzen manchmal auch brachiale Mittel ein. Der Zweck heiligt schließlich die Mittel. Die große Wende in dem Vertragspoker erfolgt, als mit Donner und Getöse durch den Kamin Heribert, der Kosterfraunarzissengeist erscheint und den Domkapitular Hansemann und die Kaufinteressenten an den Rand des Wahnsinns treibt.
Bürgermeister Dünkel hatte übrigens während des ganzen Stückes die Bezeichnung DD, das bedeutete der „Dolle Dünkel“. Domkapitular Hansemann spielte die Rolle so perfekt, in einer etwas arroganten Art, dabei näselnd in seiner Aussprache, dass ein Vergleich zum großen Theo Lingen in dessen Pauker-Filmen nicht überzogen erscheint.
Der Dorfpfarrer, Pastor Moritz, wird von einem fürchterlichen Bandscheibenvorfall gequält, deshalb sucht er die Nonnen auf, um sich helfen zu lassen. Schwester Pankrazia hat ein Wunderelixier aus selbstgebranntem Schnaps und geheimnisvollen Kräutern hergestellt, und verpasst dem armen Dorfpfarrer damit eine Spritze, dass man sein schmerzvolles Stöhnen aus dem „Behandlungszimmer“ hören kann. Pfarrer Moritz erklärte, wie er ansonsten gegen seine gesundheitlichen Probleme angeht: „Wenn mich der Schmerz überkommt, dann beiß’ ich in die Bibel.“
Slapstick mit fantastischer schauspielerischer Leistung
Das Stück lebt von der Situationskomik, Mimik und Gestik der Schauspieler, einfach umwerfend. Sich selbst nicht ernst nehmend, steigerten sich die Darsteller in einen regelrechten Rausch, mussten sich dabei manchmal auf die eigene Zunge beißen, um noch halbwegs ernst zu bleiben und nicht laut loszulachen. Es ist nicht übertrieben, wenn hier behauptet wird, dass es spätestens jede halbe Minute einen Angriff auf die Lachmuskeln gab, die Nähe zu einer Slapstick-Comedy war nicht zu verkennen, auch so gewollt. Wer in der Bauernstube ein ernstes Theaterstück erwartet hatte, der war hier fehl am Platze. Ein Brüller jagte den nächsten, lautes Lachen und Szenenapplaus übertönten häufig die „niveauvollen“ Dialoge auf der Bühne. Zusätzliches Amusement bereitete den Zuschauern die Ausdrucksweise der Schauspieler, im tiefsten Wäller Platt, gemischt mit dem „Berschender Platt“, ergab sich eine deftige, unverblümte „Rhetorik“.
Gekrönt wurde das Ganze noch durch Schwester Appolonia, die Brennmeisterin des Klosters, die schwerhörig war, und nicht immer alles richtig verstanden hatte, oder wollte. So verstand sie den Titel des Domkapitulars nicht richtig und nannte ihn immer „Herr Domkapitalist“, oder als die Rede darauf kam, das Kloster nach dem Verkauf in einen Vergnügungspark umzubauen, meinte sie: „Mer wolle doch hej käne ‚Rapperbohn‘ hon.“ Gemeint war natürlich die Reeperbahn. Als die Rede auf die Wundersalbe kam und diese auch bei Hämorrhoiden helfen sollte, verstand sie „Hämorritze“. Sie war es auch, die das Wort „Weitschwätzbabbelhäuschje“ kreierte, damit war eine Telefonzelle gemeint.
Lokalkolorit durfte natürlich auch nicht fehlen. So verweigerten die Nonnen den Umzug in benachbarte Orte, zum Beispiel würden sie nicht in die Diaspora nach „Muschem“ (Moschheim), oder zu den Scheinheiligen nach „Stoodt“ (Staudt) gehen. Das Kloster in „Derwisch“ (Dernbach), bei den Armen Dienstmägden Jesu Christi, ADJC, würden sie als Ersatzasyl auch ablehnen. Auch Erzbischof Tebarz-van Elst bekam ob seines ausschweifenden Lebenswandels reichlich sein Fett ab. Das hier ist nur eine kleine Auswahl an Höhepunkten, es reihte sich Gag an Gag, sehr zum Vergnügen der Zuschauer. Ein Satz, der zum Ende des Stückes fiel, als sich letztendlich alles zum Guten gewendet hatte, muss unbedingt noch erwähnt werden: „Manchmal rutscht der Verstand dahin, wo die Hühner die Eier legen.“ Der letzte Höhepunkt der Komödie folgte, als die drei Nonnen vor Freude über den Fortbestand des Klosters „Berenscheydt“ einen Can-Can tanzten und dabei unter den Röcken ihre „Liebestöter“ aufblitzten.
Ein Vorhang reichte nicht
Als der Vorhang fiel, brandete jubelnder Beifall beim Publikum auf, Standing Ovations waren selbstverständlich, mehrere Vorhänge waren erforderlich, als sich die Laientruppe auf der Bühne zeigte. Wenn Beifall das Brot eines Künstlers ist, dann haben die Schauspieler lange zu essen. Ohne Ausnahme verfügen alle Darsteller über ein unglaublich schauspielerisches Talent, deshalb gebietet es der Anstand, keinen besonders zu erwähnen.
Drehbuch-Autorin Beate Irmisch ist es gelungen, ein Bühnenstück in drei Akten auf die Bühne zu zaubern, welches ausschließlich dazu dienen sollte, den Zuschauern ein paar unbeschwerte Stunden zu bereiten. Dieses Vorhaben wurde in famoser Art und Weise vom gesamten Ensemble umgesetzt. Der Esprit, die Freude am Spielen, der Elan und die Begeisterung der Laientruppe hielten während der fast dreistündigen Aufführung ununterbrochen an. Zwei kurze Pausen benötigte das Publikum, um sich am kleinen Büffet zu stärken, und sich von den Lachkrämpfen zu erholen.
Insgesamt ist das „Berschender Allerlei“ in der Bauernstube fünfmal aufgetreten, zwei weiter Aufführungen erfolgen noch in Heiligenroth. Jedoch braucht sich niemand mehr um Karten zu bemühen, denn alle sieben Vorstellungen sind, oder waren, bis auf den letzten Platz innerhalb von wenigen Stunden ausverkauft. Damit ist alles gesagt.
Die nächste große Aktion des „Berschender Allerleis“ ist die Vorbereitung des „Irischen Abends“ in der Aubachhalle in Bannberscheid am 28. April 2018. Wann und wo es Karten für das nächste Theaterstück in zwei Jahren geben wird, ist beizeiten in BLICKaktuell zu lesen.
Domkapitular Hansemann und zwei Immobilienspekulanten.
Pastor Moritz hat Schmerzen, Schwester Pankrazia hilft.
Schwester Gottfrieda erleidet einen Schwächeanfall. Fotos: WR
Appolonia verdrischt Heribert mit ihrem Reiserbesen.
Bürgermeister DD Dünkel erhält von Appolonia und Pankratia die verdiente Prügel.
Heribert erscheint als Geist durch den Kamin.
Der untreue Bürgermeister DD Dünkel wird von seiner Frau bestraft.
Pater Moritz, Gottfrieda, Appolonia und Pankrazia erflehen Beistand von oben.
Domkapitular Hansemann genießt den Klosterschnaps.
Das Nonnen-Ballett tanzt mit Gottes Segen.
