Allgemeine Berichte | 15.11.2017

Das „Berschender Allerlei“ begeisterte sein Publikum durch grandioses Schauspiel und entwaffnende Gags

Lachsalven ohne Pause in „Berschend“

„Heribert, der Klosterfraunarzissengeist“ – Eine Komödie in drei Akten mit einer ordentlichen Portion Lokalkolorit

Gespannt wartet das Publikum auf die Laienschauspieler.

Bannberscheid. Wer bis dato nicht wusste, wer „Heribert, der Klosterfraunarzissengeist“ ist, dessen Bildungslücke wurde kürzlich in Bannberscheid gestopft. Doch der Reihe nach. Das „Berschender Allerlei“, ein multikultureller Zusammenschluss einiger Bürger aus Bannberscheid, hatte wieder einmal ein Theaterstück geprobt und geprobt, und schließlich in der „Bauernstube“ in Bannberscheid aufgeführt.

Getrost können das Ensemble, die Art des Stückes und der Ort der Aufführung als „Bauern-Theater“ bezeichnet werden, ohne den Ausdruck despektierlich zu interpretieren. Man könnte den Ausdruck sogar als Auszeichnung verstehen, denn es ging deftig und rau zu, was sich da auf der Bühne in der „Bauernstube“ abspielte. Vorab kann berichtet werden, dass in den proppenvollen Saal keine Ölsardine mehr reingepasst hätte, etwa 130 Menschen harrten ungeduldig der Dinge, die auf sie herniederprasseln würden. Eine intimere Atmosphäre kann ein Theater kaum bieten, denn die erste Reihe der Zuschauer saß nur einen Meter von der Bühne entfernt, die Laien-Darsteller waren praktisch mit den Händen zu greifen.

Als sich endlich der Vorhang öffnete, legte sich freudige Stille über die Zuschauer, es sollte für alle Glücklichen, die anwesend sein durften, ein unvergesslicher Abend werden.

Heribert, der Kosterfraunarzissengeist

Die Handlung, in Kürze zusammengefasst: Im Kloster „Berenscheydt“ herrscht helle Aufregung. Das Bistum Limburg hat verfügt, dass das Kloster aufgelöst werden soll, deshalb sollen die drei in dem Koster lebenden Nonnen Gottfrieda, Pankrazia und Appolonia auf andere Klöster verteilt werden. Zum Unglück kommt meistens noch Pech dazu, denn der hinterhältige Bürgermeister Dünkel hat den Nonnen bereits die Pacht für die Obstwiesen und Weinberge gekündigt. Damit würde die Einnahmequelle der Nonnen versiegen, denn verbotenerweise keltern sie im Kloster Wein und brennen Schnaps. Die Bistumsverwaltung um Bischof Tebarz-van Eltst benötigt dringend weitere Einnahmen, um diverse Objekte zu verwirklichen.

Alsbald tauchen im Kloster zwei Kaufinteressenten und der Domkapitular Hansemann auf, die zusammen mit Bürgermeister Dünkel die Nonnen zur Unterschrift unter dem bereits fertigen Kaufvertrag bewegen wollen. Doch die Nonnen wissen sich zu wehren und arbeiten dabei mit allen möglichen Tricks, setzen manchmal auch brachiale Mittel ein. Der Zweck heiligt schließlich die Mittel. Die große Wende in dem Vertragspoker erfolgt, als mit Donner und Getöse durch den Kamin Heribert, der Kosterfraunarzissengeist erscheint und den Domkapitular Hansemann und die Kaufinteressenten an den Rand des Wahnsinns treibt.

Bürgermeister Dünkel hatte übrigens während des ganzen Stückes die Bezeichnung DD, das bedeutete der „Dolle Dünkel“. Domkapitular Hansemann spielte die Rolle so perfekt, in einer etwas arroganten Art, dabei näselnd in seiner Aussprache, dass ein Vergleich zum großen Theo Lingen in dessen Pauker-Filmen nicht überzogen erscheint.

Der Dorfpfarrer, Pastor Moritz, wird von einem fürchterlichen Bandscheibenvorfall gequält, deshalb sucht er die Nonnen auf, um sich helfen zu lassen. Schwester Pankrazia hat ein Wunderelixier aus selbstgebranntem Schnaps und geheimnisvollen Kräutern hergestellt, und verpasst dem armen Dorfpfarrer damit eine Spritze, dass man sein schmerzvolles Stöhnen aus dem „Behandlungszimmer“ hören kann. Pfarrer Moritz erklärte, wie er ansonsten gegen seine gesundheitlichen Probleme angeht: „Wenn mich der Schmerz überkommt, dann beiß’ ich in die Bibel.“

Slapstick mit fantastischer schauspielerischer Leistung

Das Stück lebt von der Situationskomik, Mimik und Gestik der Schauspieler, einfach umwerfend. Sich selbst nicht ernst nehmend, steigerten sich die Darsteller in einen regelrechten Rausch, mussten sich dabei manchmal auf die eigene Zunge beißen, um noch halbwegs ernst zu bleiben und nicht laut loszulachen. Es ist nicht übertrieben, wenn hier behauptet wird, dass es spätestens jede halbe Minute einen Angriff auf die Lachmuskeln gab, die Nähe zu einer Slapstick-Comedy war nicht zu verkennen, auch so gewollt. Wer in der Bauernstube ein ernstes Theaterstück erwartet hatte, der war hier fehl am Platze. Ein Brüller jagte den nächsten, lautes Lachen und Szenenapplaus übertönten häufig die „niveauvollen“ Dialoge auf der Bühne. Zusätzliches Amusement bereitete den Zuschauern die Ausdrucksweise der Schauspieler, im tiefsten Wäller Platt, gemischt mit dem „Berschender Platt“, ergab sich eine deftige, unverblümte „Rhetorik“.

Gekrönt wurde das Ganze noch durch Schwester Appolonia, die Brennmeisterin des Klosters, die schwerhörig war, und nicht immer alles richtig verstanden hatte, oder wollte. So verstand sie den Titel des Domkapitulars nicht richtig und nannte ihn immer „Herr Domkapitalist“, oder als die Rede darauf kam, das Kloster nach dem Verkauf in einen Vergnügungspark umzubauen, meinte sie: „Mer wolle doch hej käne ‚Rapperbohn‘ hon.“ Gemeint war natürlich die Reeperbahn. Als die Rede auf die Wundersalbe kam und diese auch bei Hämorrhoiden helfen sollte, verstand sie „Hämorritze“. Sie war es auch, die das Wort „Weitschwätzbabbelhäuschje“ kreierte, damit war eine Telefonzelle gemeint.

Lokalkolorit durfte natürlich auch nicht fehlen. So verweigerten die Nonnen den Umzug in benachbarte Orte, zum Beispiel würden sie nicht in die Diaspora nach „Muschem“ (Moschheim), oder zu den Scheinheiligen nach „Stoodt“ (Staudt) gehen. Das Kloster in „Derwisch“ (Dernbach), bei den Armen Dienstmägden Jesu Christi, ADJC, würden sie als Ersatzasyl auch ablehnen. Auch Erzbischof Tebarz-van Elst bekam ob seines ausschweifenden Lebenswandels reichlich sein Fett ab. Das hier ist nur eine kleine Auswahl an Höhepunkten, es reihte sich Gag an Gag, sehr zum Vergnügen der Zuschauer. Ein Satz, der zum Ende des Stückes fiel, als sich letztendlich alles zum Guten gewendet hatte, muss unbedingt noch erwähnt werden: „Manchmal rutscht der Verstand dahin, wo die Hühner die Eier legen.“ Der letzte Höhepunkt der Komödie folgte, als die drei Nonnen vor Freude über den Fortbestand des Klosters „Berenscheydt“ einen Can-Can tanzten und dabei unter den Röcken ihre „Liebestöter“ aufblitzten.

Ein Vorhang reichte nicht

Als der Vorhang fiel, brandete jubelnder Beifall beim Publikum auf, Standing Ovations waren selbstverständlich, mehrere Vorhänge waren erforderlich, als sich die Laientruppe auf der Bühne zeigte. Wenn Beifall das Brot eines Künstlers ist, dann haben die Schauspieler lange zu essen. Ohne Ausnahme verfügen alle Darsteller über ein unglaublich schauspielerisches Talent, deshalb gebietet es der Anstand, keinen besonders zu erwähnen.

Drehbuch-Autorin Beate Irmisch ist es gelungen, ein Bühnenstück in drei Akten auf die Bühne zu zaubern, welches ausschließlich dazu dienen sollte, den Zuschauern ein paar unbeschwerte Stunden zu bereiten. Dieses Vorhaben wurde in famoser Art und Weise vom gesamten Ensemble umgesetzt. Der Esprit, die Freude am Spielen, der Elan und die Begeisterung der Laientruppe hielten während der fast dreistündigen Aufführung ununterbrochen an. Zwei kurze Pausen benötigte das Publikum, um sich am kleinen Büffet zu stärken, und sich von den Lachkrämpfen zu erholen.

Insgesamt ist das „Berschender Allerlei“ in der Bauernstube fünfmal aufgetreten, zwei weiter Aufführungen erfolgen noch in Heiligenroth. Jedoch braucht sich niemand mehr um Karten zu bemühen, denn alle sieben Vorstellungen sind, oder waren, bis auf den letzten Platz innerhalb von wenigen Stunden ausverkauft. Damit ist alles gesagt.

Die nächste große Aktion des „Berschender Allerleis“ ist die Vorbereitung des „Irischen Abends“ in der Aubachhalle in Bannberscheid am 28. April 2018. Wann und wo es Karten für das nächste Theaterstück in zwei Jahren geben wird, ist beizeiten in BLICKaktuell zu lesen.

Domkapitular Hansemann und zwei Immobilienspekulanten.

Domkapitular Hansemann und zwei Immobilienspekulanten.

Pastor Moritz hat Schmerzen, Schwester Pankrazia hilft.

Pastor Moritz hat Schmerzen, Schwester Pankrazia hilft.

Schwester Gottfrieda erleidet einen Schwächeanfall. WR

Schwester Gottfrieda erleidet einen Schwächeanfall. Fotos: WR

Appolonia verdrischt Heribert mit ihrem Reiserbesen.

Appolonia verdrischt Heribert mit ihrem Reiserbesen.

Bürgermeister DD Dünkel erhält von Appolonia und Pankratia die verdiente Prügel.

Bürgermeister DD Dünkel erhält von Appolonia und Pankratia die verdiente Prügel.

Heribert erscheint als Geist durch den Kamin.

Heribert erscheint als Geist durch den Kamin.

Der untreue Bürgermeister DD Dünkel wird von seiner Frau bestraft.

Der untreue Bürgermeister DD Dünkel wird von seiner Frau bestraft.

Pater Moritz, Gottfrieda, Appolonia und Pankrazia erflehen Beistand von oben.

Pater Moritz, Gottfrieda, Appolonia und Pankrazia erflehen Beistand von oben.

Domkapitular Hansemann genießt den Klosterschnaps.

Domkapitular Hansemann genießt den Klosterschnaps.

Das Nonnen-Ballett tanzt mit Gottes Segen.

Das Nonnen-Ballett tanzt mit Gottes Segen.

Gespannt wartet das Publikum auf die Laienschauspieler.

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare
  • Lena: Diversität ist wichtig: Der Wolf reguliert Überpopulationen ( z.B. Schwarzwild, Rehwild). Für schlecht geschützte Herdentiere sind die Besitzer verantwortlich.
  • Peter 1: Trotzdem ist der Wolf hier vollkommen überflüssig.
  • Walter Miller : Ein verpixeltes Bild von der durch den Wolf getöteten Ziege. Was will man damit ausdrücken ? Das ein Wolf besonders grausam ist ? Er ist ein Geschöpf der Natur - nicht mehr und nicht weniger. Im Gegensatz zu den 467.000 Jägern in Deutschland.
  • Michael Geiger, 56337 Eitelborn: Michael Geiger, Leider kann ich die Losnummern aus der Ziehung vom 28.03.26 im Globus Bubenheim nicht finden.. Warum nicht
  • Dietmar Gläsener: Leider kann ich meine Gewinnlos Nummern , Ziehung vom 28.03.26 im Clobus in KO-Bubenheim nicht abrufen im Internet. Woran liegt es? D. Gläsener, 56237 Nauort
  • S. Bastian: Herr Winkelmann, Sie werden doch ihren eigenen Artikel kennen. Zitat: "Verbandsbürgermeister Jan Ermtraud machte in einer Rede deutlich, dass die Maßnahmenliste einerseits das Ergebnis eines vertrauensvollen...
  • Andreas Winkelmann: Hallo Frau Roth, von "vertrauensvoll" steht nichts im Bericht. Und die veränderte Maßnahmenreihenfolge ist ausdrücklich erwähnt. Gleich zu Anfang ist auf die dem Ratsinformationssystem zu entnehmenden Details verwiesen, wo u..a.
  • Dagmar Both: Guten Morgen Herr Winkelmann, herzlichen Dank für ihre Berichterstattung. Wenn sie von einer vertrauensvollen Abstimmung im Abstimmungsprozess zum Sondervermögen berichten, - dann gilt dies leider nicht für die Freien Wähler.
Dauerauftrag 2026
Rund um´s Haus
Anzeige Haushaltsauflösungen und Ankauf
Rund ums Haus
Kreishandwerkerschaft
Dauerauftrag Imageanzeige
Kleinanzeigen
Innovatives rund um Andernach
Unterstützeranzeige
Empfohlene Artikel
Schülerinnen und Schüler der Bienenklasse 3c der KGS Meckenheim sind am Standort Meckenheim der Bücherbrücke in die Bücher vertieft. Foto: Stadt Meckenheim
30

Meckenheim. Die Bücherbrücke Meckenheim/Alfter verzeichnet eine rege Nutzung durch Kindertagesstätten und Schulen im Rahmen der Leseförderung. Unter den teilnehmenden Einrichtungen befinden sich unter anderem Blütentraum, Hüppekästchen, Rasselbande und zahlreiche weitere Kindertagesstätten. An beiden Standorten der Bücherei steht der Mittwochvormittag im Zeichen der Vorschulprogramme, bei denen die Kinder bib(liotheks)fit gemacht werden.

Weiterlesen

Mit 17 Anträgen zur Neuaufnahme in diesem Jahr wurde fast der Spitzenrekord von 2020 geknackt.
49

Leutesdorf. Pascal Berger, Vereinsvorsitzender begrüßte alle Anwesenden zur Jahreshauptversammlung am 28. März und es wurde nach Feststellung einer ordnungsgemäßen Einladung und Bekanntgabe der Tagesordnungspunkte eine Gedenkminute den Verstorbenen gewidmet.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Die Verkehrssituation an der Aloisius-Grundschule stresst die Anwohnerschaft. Foto: ROB
2251

Immer wieder kommt es zu kritischen „Manövern“: Auch die Stadtverwaltung sieht zunehmende Belastung:

HeimatCheck: Ahrweiler: Eltern-Taxis stressen alle

Ahrweiler. Seit mehreren Jahren steht die Aloisius-Grundschule vor einer wachsenden Herausforderung: dem zunehmenden Verkehrsaufkommen durch sogenannte „Elterntaxis“. Leser von BLICK aktuell berichten, dass sich die Situation trotz wiederholter Hinweise und Appelle bislang nicht verbessert habe. Insbesondere zu den morgendlichen Bringzeiten sowie am Mittag beim Abholen der Kinder kommt es regelmäßig zu kritischen Verkehrssituationen rund um das Schulgelände.

Weiterlesen

Symbolbild. Foto: Adobe Stock
132

Bonn. Am kommenden Samstag (04.04.2026) findet in Beuel und in der Bonner Innenstadt der „Bonner Ostermarsch 2026“ statt. Zu dieser Friedensdemonstration erwarten die Veranstalter rund 500 Teilnehmende. Die Versammlung beginnt um 13:00 Uhr auf dem Mirecourtplatz am Beueler Rheinufer. Von dort aus ist folgender Aufzugsweg vorgesehen:

Weiterlesen

Essen auf Rädern
Holz Loth-Entsorgung
Imageanzeige Dauerauftrag 04/2026
Auftrag, Nr. AF2025.000354.0, April 2026
Titel
Koblenz blüht
Schulze Klima -Image
Vortrag: Arthrose des Hüft- und Kniegelenk
Tag der offenen Tür
Kreishandwerkerschaft - Anzeige Pool
Rund ums Haus
Container Anzeige
Angebotsanzeige (April)
Feierabendmarkt Bad Neuenahr / o.B. Sponsoring
Titelanzeige
Imageanzeige - Ostern
Stellenanzeige Personalsachbearbeiter/in