Auch der achte Bauern- und Handwerkermarkt in Mertloch lockte wieder tausende von Menschen an
„Landleben mit Lust und Laune“
Der scheidende Ortsbürgermeister Stefan Geisbüsch eröffnete die Veranstaltung zum fünften und letzten Mal
Mertloch. Tausende von Menschen aus nah und fern haben den achten Bauern- und Handwerkermarkt in Mertloch besucht. Unter dem Motto „Landleben mit Lust und Laune“ genossen sie bei hochsommerlichen Temperaturen ein paar schöne Stunden auf dem Maifeld. Wem es zu heiß wurde, zog sich einfach in die vielen geöffneten Höfe zurück, das uralte Mauerwerk sorgte für eine kühlende Wirkung. Nur beim Ortsbürgermeister war etwas Wehmut dabei, schließlich eröffnete Stefan Geisbüsch nach 2011, 2013 (zum 1050-jährigen Bestehen der Gemeinde), 2015 und 2017 nun zum fünften und letzten Mal den Bauern- und Handwerkermarkt in Mertloch. Zwei Tage später übergab er in der konstituierenden Sitzung nach zehnjähriger Tätigkeit sein Amt an seinen Nachfolger Matthias Dahmen (Wählergruppe Müller).
„Wir hatten ja immer Glück mit dem Wetter, aber heute hat die Hitze vielleicht den ein oder anderen von einem Besuch abgehalten. Manche haben wohl das Schwimmbad vorgezogen“, klagte Geisbüsch auf hohem Niveau. Als er um 14.10 Uhr den 25 Nummern umfassenden historischen Festumzug mit seiner Glocke auf die Reise schickte, war der Zuspruch wie in den Jahren zuvor am größten. Gerade in der Kirchstraße wimmelte es nur so vor Menschen.
Die Eijefassdouwedengeler aus Ediger-Eller, der Spielmannszug der Freiwilligen Feuerwehr Mertloch und die Stadtkapelle aus Münstermaifeld waren während des Umzugs, der sich zweimal durch die Kirch- und einmal durch die Friedhofstraße schlängelte, für die musikalischen Klänge zuständig. Zahlreiche einheimische Vereine und Gruppierungen wie „Unser Dorf bewegt sich“, die Kita, der Möhnenverein, der Frauenchor Cantabile oder die Grundschule sowie Stammgäste wie die Kolliger Möhnen, die Theatergruppe Kaisersesch oder die Dreschflegelgruppe des landwirtschaftlichen Museums aus Emmelshausen, ließen Erinnerungen wach werden an längst vergangene Zeiten. Die vielen Oldtimer-Traktoren, auf denen die Feuerwehrleute in historischen Uniformen oder Milchkönigin Katharina aus Prüm Platz genommen hatten, waren ein weiteres Zeugnis dafür. Zwei Pferdegespanne durften ebenso wenig fehlen wie der Wagen mit der Heilig-Kreuz-Kapelle. Moderator Stefan Pauly, im drei Kilometer entfernten Kollig beheimatet, kommentierte den Umzug von der Wiese vor dem Kriegerdenkmal aus. Selbstverständlich hatte er fast für jede Gruppe eine kleine Anekdote bereit. Sie helfen sich halt untereinander, die Leute vom Maifeld.
Nicht nur auf der Festwiese hinter der St.-Gangolf-Kirche wurde lukullisch einiges geboten. Dabei waren einige Sachen im Angebot, die nicht jeder Markt zu bieten hat: Flammkuchen, Käsespätzle, Backfisch, Steinofenbrot und vor allem die Engelslocken fanden reißenden Absatz. Engelslocken? Gedrehte Kartoffeln werden frittiert und mit einem speziellen Gewürz versehen. „So ungefähr wie Kartoffelchips“, zog die Bellerin Simone Breitbach, die diese Köstlichkeit kredenzte, einen Vergleich, „nur viel, viel besser.“ Seit zwölf Jahren bietet ihre Schwester Michaela Hirt, die am Sonntag krank war, diese Spezialität an. Häufig sind die Einnahmen für einen guten Zweck vorgesehen.
Die achte Veranstaltung dieser Art in der 1500-Seelen-Gemeinde Mertloch bewies wieder einmal eindrucksvoll, dass das Maifeld auf seine landwirtschaftliche Tradition stolz sein kann. Offene Höfe, festlich geschmückte Straßen, wunderschöne Figuren aus Pappmaché, die an vergangene Zeiten erinnerten, ein buntes Markttreiben oder ganz einfach Kartoffeln, Kirschen, Erdbeeren oder Gemüse: Für jeden Geschmack war etwas dabei. An erster Stelle stand dabei das Handwerk.
Helmut Busch (80) und Willi Ginster (83) aus Emmelshausen zeigten mit ihren zwei Enkelkindern und einem weiteren Freund, wie der Weizen mit einem Flegel gedroschen wurde. „Nach alter Väter Sitte“, verdeutlichte Ginster, der vom Bauern- und Handwerkermarkt in Mertloch schon nicht mehr wegzudenken ist.
Die Fachleute zeigten ihr Handwerk und animierten Kinder und Erwachsene, sich an den teilweise uralten Gerätschaften zu versuchen. „Uns geht es vor allem darum, die alte Tradition zu präsentieren und dem Nachwuchs darzustellen, wie es früher einmal war.“ Das gelang ihnen wieder eindrucksvoll. Bleibt nur zu hoffen, dass auch der neue Ortsbürgermeister Matthias Dahmen aufgepasst hat. Schließlich muss er in zwei Jahren die Glocke läuten, wenn der Bauern- und Handwerkermarkt in Mertloch zum neunten Mal über die Bühne geht.
In der Kirchstraße wimmelte es nur so von Menschen.
Eine beeindruckende Musikgruppe: die Eijefassdouwedengeler aus Ediger-Eller.
Die Engelslocken (gedrehte Kartoffeln, die anschließend frittiert werden) waren heiß begehrt.
