Schwere Unwetter überschatteten Konzertauftakt in Halle 129
Lava-Rock-Konzert begeisterte in kleinem Kreis
Mayen. Um die Freunde der Rockmusik auf das jährliche Open Air Festival einzustimmen, veranstaltete die Kulturinitiative Mayen e. V. (KIM) am 03. Juni einen Konzertabend in der Halle 129. Beworben wurde das Event mit einem Bandcontest für Nachwuchsbands, bei dem Newcomer die Möglichkeit bekommen sollten, im Vorprogramm der hochkarätigen Rockbands „Giant for a Day“ und „Red County Jail“ vor großem Publikum zu spielen. Doch bereits im Vorfeld musste die KIM das geplante Programm der Veranstaltung kurzfristig umstellen, da vollkommen überraschend mit keiner der sich beworbenen Nachwuchsbands ein Arrangement getroffen werden konnte.
In den späten Nachmittagsstunden des Veranstaltungstages kam es in der Region dann noch zu verheerenden Unwettern, die dem Konzertabend eine eher mäßige Besucherzahl bescherten. Zahlreiche Feuerwehren und Rettungskräfte waren im Einsatz, um viele betroffenen Bürgern in ihrem Kampf gegen schwere Hagelschäden, übergetretene Kanalisationen und vollgelaufene Keller zu unterstützen. Das Ausmaß der Unwetter wurde deutlich, als der anwesende Oberbürgermeister Wolfgang Treis die Veranstaltung aufgrund der Krisensituation überraschend verlassen musste. Von alle dem bekamen die Besucher der Halle 129 jedoch nur wenig mit. Deren Aufmerksamkeit lag bei „Giant for a day, die trotz nach hinten verschobenen Konzertbeginn zum Auftakt mit „Court of the Crimson King“ vor spärlichem Publikum in die Saiten griff.
Nach den ersten Gitarrenriffs wurde jedem klar: Hier präsentiert die Kulturinitiative Mayen dem Publikum eine hochkarätige Coverband. Die fünf Musiker spielen mit progressiver Rock Musik aus einer Zeit, als Rock noch nicht in Kategorien zerteilt wurde. Die Lieder, die einem jungen Publikum eher unbekannt sind, drücken das Lebensgefühl einer Dekade aus, in der Legenden wie „Rush“ oder „Gentle Giant“ das Publikum mit schrägen Tönen überraschte. „Wir spielen mehr aus Passion und haben am Proben nicht weniger Spaß, als auf der Bühne“, meinte Keyboarder Toni Monschauer vor dem Auftritt und verriet damit ein offenes Geheimnis. Die Band, deren Mitglieder aus dem Mittelrhein zwischen Lahnstein und Kamp Bornhofen stammen, überraschte mit musikalischem Handwerk par excellence. In jedem der gespielten Hits war die Akribie der Vollblutmusiker bis ins Detail nachzuempfinden. Präzise wie ein Schweizer Uhrwerk gab das Schlagzeug kraftvoll den Takt vor, welchen Gitarrist und Bassist virtuos zu einem komplexen und zugleich überragenden Sounderlebnis formten. Selten klangen die alten Kracher von einst so frisch und knackig.
Die Band, deren Name nach eigenen Angaben als Hommage an die Rockband „Gentle Giant“ zu verstehen ist, bot ein vielfältiges Programm, das über neunzig Minuten jeden der Besucher mitriss. Kein Fuß, der nicht zu tippeln begann, wenn nicht schon die Hüfte im Takt gewiegt wurde.
Zur zweiten Halbzeit heizten dann „Red County Jail“ dem Publikum noch einmal bis nach Mitternacht ein. Die fünf jungen Männer komponieren seit zwei Jahren gemeinsam eigene Musik, die man zwar beschreiben, aber schwierig einer Musikrichtung zuweisen kann. „Wir entwickeln unsere Songs gemeinsam“, erzählten die jungen Musiker stolz. „Jeder von uns steuert seine Ideen bei, die dann gemeinsam umgesetzt werden.“ Ein Konzept, das aufzugehen scheint. Bereits ihr Auftakt mit „Hitchhike Pretty“ war eine klare Ansage, dass Rockmusik mehr zu bieten hat, als den gewöhnlichen Einheitsbrei. In einem begeisternden Potpourri aus acht Liedern und einer Jamsession rockten „Red County Jail“ eine erfrischende Mischung aus Nickelback, Alter Bridge und Lynyrd Skynyrd. Will man die Symbiose aus Hardrock, Blues und Post Grunge beschreiben, gestaltet sich die Suche nach entsprechendem schwierig. Kein Vergleich wird der Band aus Burgbrohl gerecht. Also lässt man es besser gleich und sagt: Das ist „Red County Jail“, die unter dem Ölteppich des aktuellen Mainstream ein paar tragende Pfeiler des Hardrock ausgegraben haben und damit geschickt herumexperimentieren. Es ist fetzig. Es ist laut. Es ist genial. Es gibt wenig Musik dieser Art und „Red County Jail“ sticht mit zeitlosen Songs für ein breitentaugliches Publikum hervor.
Nachdem die beiden Rockbands einen Bogen der Faszination über den kompletten Konzertabend gespannt hatten, waren nicht nur die Besucher begeistert „Es war die perfekte Mischung aus Gefühl, Kreativität und handwerklichem Können“, lobte Christoph Hennerici, 2. Vorsitzender der KIM die musikalische Leistung. Von einem Erfolg konnte jedoch aufgrund der geringen Besucherzahl nicht gesprochen werden. „Zusammenfassend hatten wir kein Glück mit dem Termin“, beurteilte Jochen Pickel, 1. Vorsitzender der KIM das Ergebnis des Konzertabends. „Wir hatten durch den Wegfall des Bandcontest weniger Besucher erwartet. Aber mit den schweren Unwettern konnte niemand rechnen.“ -MS-
Foto: Marco Schmitz
Bei der Jam-Session war „Red County Jail“-Gitarrist in seinem Element. Foto: Marco Schmitz
