Allgemeine Berichte | 03.01.2026, 09:57 Uhr

Volker Danko, Weinhändler und Vorsitzender der Gewerbegemeinschaft Bad Neuenahr-Ahrweiler, über den Verlust der Geselligkeit

Leserbrief: Ahrtal: „Leise Zerstörung unserer Kultur“

Symbolbild. Foto: pixabay.com
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Wir Deutschen trinken weniger Wein als je zuvor – und sind trotzdem gestresster, einsamer und kränker an der Seele. Was als Gesundheitskampagne begann, ist dabei, unsere Kultur leise zu zerstören. Auch die jahrhundertealte Kultur des Ahrtals mit seinen handwerklich gemachten Weinen und nicht zuletzt seiner attraktiven, intakten Landschaft ist in Gefahr.

In Frankreich und den USA – und längst auch bei uns – wird Alkohol nicht mehr als Genuss, sondern als Risiko verwaltet. Der Wein am Tisch ist kein selbstverständlicher Begleiter mehr, sondern ein schlechtes Gewissen im Glas. Gleichzeitig arbeitet die Gesellschaft immer härter. Burnout gilt als Einsatz, Überarbeitung als Tugend. Ein Glas Wein ist verdächtig – zwölf Stunden Bildschirmarbeit oder stundenlanges Handygucken aber nicht.

Mit dem Rückzug des Genusses verschwinden auch seine Orte: Cafés, Restaurants, Weinhäuser. Stattdessen essen wir allein, starren auf Bildschirme und wundern uns über Einsamkeit. Maßvoller, gemeinschaftlicher Genuss wird verdrängt – übrig bleiben Abstinenz oder heimlicher Exzess. Alkoholische Getränke werden pauschal auf ihren Ethanolgehalt reduziert. Damit wird der kulturelle Unterschied zwischen industriellen Produkten und handwerklich hergestellten Gärgetränken wie Wein oder Bier ignoriert.

Wein verliert seinen Platz als Teil der Esskultur. Das ist so, als würde man Musik nur auf das Geräusch reduzieren, das sie macht. Aber Musik ist noch viel mehr als Geräusch, und Wein ist noch viel mehr als Ethanol. Brot ist auch viel mehr als erhitztes Getreide. Wein ist Emotion, Erinnerung, Kultur und Gemeinschaft.

Eine Gesellschaft, die den Genuss verlernt, verliert mehr als Alkohol – sie verliert Nähe, Vertrauen und Menschlichkeit. Vielleicht beginnt eine echte Lösung der Probleme der Gegenwart nicht im Labor der Pharmaindustrie sondern am Tisch: Mit viel Zeit. Mit guten Gesprächen. Und mit einem Glas Wein.

Volker Danko,

Bad Neuenahr-Ahrweiler

Symbolbild. Foto: pixabay.com

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