Allgemeine Berichte | 04.10.2018

Eirene und Amnesty International hatten eingeladen - Interkulturelle Wochen in Neuwied

Lesung mit Tupoka Ogette und Stephen Lawson war ein voller Erfolg

Tupoka Ogette hielt in Neuwied einen beeindruckenden und spannenden Vortrag.sl

Neuwied. Obwohl Rassismus in allen Bereichen der Gesellschaft wirkt, ist es nicht leicht, über ihn zu sprechen. Keiner möchte rassistisch sein, und viele Menschen scheuen sich vor dem Begriff.

Der christliche Friedensdienst Eirene und die Neuwieder Gruppe der Menschenrechtsorganisation Amnesty International veranstalteten jetzt im Rahmen der Interkulturellen Wochen eine Lesung mit der Expertin für Vielfalt und Antidiskriminierung Tupoka Ogette aus Berlin und ihrem Mann Stephen Lawson. Die studierte Afrikanistin und Wirtschaftswissenschaftlerin Tupoka Ogette leitet bundesweit Workshops und Seminare und ist Autorin des Buches exit RACISM.

Mehr als hundert Menschen hörten Ogettes Ausführungen zu. Ohne erhobenen Zeigefinger erläuterte sie auf engagierte und einfühlsame Weise warum Rassismus in Deutschland tabuisiert wird, wie er wirkt und was er bei den Menschen auslöst, die davon betroffenen sind.

Sie erklärte, dass die Kategorie weiß sein unbewusst als Norm angenommen werde und mit Privilegien verbunden sei, zum Beispiel bei der Wohnungssuche oder auf dem Arbeitsmarkt. Nicht weiß sein werde als minderwertige Abweichung wahrgenommen. Dieser Ausgrenzungsprozess - Othering genannt - vollziehe sich in Äußerungen wie „Woher kommst du?“ oder „Sie sprechen aber gut Deutsch“.

„Othering“ lässt Zugehörigkeitsgefühl leiden

Bei Betroffenen werde dadurch das Gefühl erzeugt, nicht dazuzugehören. Am Saalmikrofon schilderte eine schwarze Frau hierfür ein eindrucksvolles Beispiel: Der gesellschaftliche Druck, dass der Anblick von krausem Haar in der Öffentlichkeit nicht erwünscht sei, bewirke bei ihr, dass sie sich genötigt fühle, ihr Haar in einem aufwändigen und schädigenden Prozess glätten zu lassen, um Ausgrenzungserfahrungen zu reduzieren. Eine weiße Frau aus dem Publikum fragte, ob es in Südafrika Rassismus gegen Weiße gäbe. In ihrer Antwort richtete Tupoka Ogette den Blick auf den Umstand, wie die Zugänge zu Bildung, Arbeit und Wohnungen in diesem Land gestaltet seien. Hier seien weiße nach wie vor im Vorteil gegenüber schwarzen Menschen. Für Schwarze sei es auch heute noch ungleich schwerer Arbeit oder eine Wohnung zu finden. Ogette empfahl, sich darüber zu informieren, warum Weiße überhaupt in Südafrika zugegen sind und dass dies untrennbar mit der Geschichte der Kolonialisierung und Versklavung schwarzer Menschen verbunden sei.

Hinweise für einen rassismuskritischen Alltag

Am Ende der Lesung gab sie Hinweise für einen rassismuskritischen Alltag. Weiße sollten sich klar, laut und deutlich gegen Rassismus positionieren, sich Argumentationshilfen in der Literatur suchen und wo immer möglich mit ehrlichem Interesse zuhören und dazulernen.

Gemäß Martin Luther Kings Worten „Am Ende werden wir uns nicht an die Worte unserer Feinde erinnern, sondern an das Schweigen unserer Freunde“ sollten Weiße nicht wegsehen und schweigen, wenn es zu rassistischen Äußerungen kommt, sondern diese benennen und ansprechen. Nach der Lesung hatten die Besucher Gelegenheit, mit Tupoka Ogette zu sprechen und ihr Buch zu erwerben. Davon wurde reger Gebrauch gemacht, und es kam zu einigen berührenden Begegnungen.

Sina Theiler vom Projekt Starke Nachbar*innen (Eirene), Manfred Kirsch (Amnesty International) und Simone Mertsch zeigten sich sehr zufrieden mit dem Verlauf des Abends. Sie werteten die Veranstaltung als ersten Schritt auf einem rassismuskritischen Weg, dem weitere folgen sollen.

Tupoka Ogette hielt in Neuwied einen beeindruckenden und spannenden Vortrag.Foto: sl

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Kommentare
04.10.201814:51 Uhr
Siegfried Kowallek

Dass Rassismus tiefer geht und uns alle als Struktur beeinflusst, auch wenn wir nicht rassistisch sein wollen, war mir schon lange klar. So weiß ich zum Beispiel, dass es auch rassistisch ist, von einem Menschen mit schwarzafrikanischem Hintergrund zu erwarten, dass er Rhythmus im Blut zu haben hat. Besonders beeindruckt hat mich in der Veranstaltung der Bericht der schwarzen Frau im Publikum, die ihr krauses Haar glättete, um ihrem weißen Freundeskreis zu gefallen.Trotzdem ist es manchmal schwierig. Ein französischer Musiker, der schon lange im Westerwald lebt, antwortet auf die Frage, wo er herkommt, nicht, dass er aus der Bretagne kommt, sondern aus Holzappel bei Montabaur. Das fand ich bisher lustig und irgendwie schlagfertig.

Siegfried Kowallek, Neuwied

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