Stadtrat bietet neue Bestattungsformen an
Letzte Ruhestätte unter einer Weinrebe
Ab Mitte kommenden Jahres sollen Urnengräber neuer Form angeboten werden – Wählergruppe Jakobs hat ethische und moralische Bedenken gegen das Vorhaben
Kreisstadt. Mit einer neuen Bestattungsform scheint die Kreisstadt einen Nerv getroffen zu haben. Ab Mitte kommenden Jahres soll es auf dem Bergfriedhof die Möglichkeit geben, unter einer Weinrebe bestattet zu werden. Das beschloss der Stadtrat mit 20 Ja-Stimmen bei sieben Ablehnungen und sieben Enthaltungen in seiner jüngsten Sitzung. Grünes Licht gab es auch für zwei Friedwald-Varianten mit kleinkronigen Bäumen auf einer hainartigen Wiesenfläche. „Mit der Bestattung unter Reben, deren Frucht aus Pietätsgründen aber bereits im Blütenstand abgeschnitten wird, bieten wir nicht nur ein völlig neues Angebot – wahrscheinlich deutschlandweit –, sondern vor allen Dingen eine Grabvariante, die erstmals unsere Heimat auch in der Bestattungskultur widerspiegelt“, lobte CDU-Sprecher Peter Diewald die neue Möglichkeit. Das Angebot habe bereits nach ersten Berichten in den lokalen Medien zu großem Interesse geführt, was die Bestatter der Stadt bei einem gemeinsamen Gespräch bestätigt hätten.
Zwei Varianten sind möglich
Die letzte Ruhestätte unter einem Rebstock soll künftig in zwei Varianten möglich sein: Entweder in einem halbanonymen Urnen-Reihengrabfeld oder in einer Familiengrabstelle. Beim Reihengrabfeld sollen um jeden Rebstock acht Urnen beigesetzt werden, insgesamt könnten auf dem Grabfeld 264 Urnen Platz finden. Die Ruhezeit beträgt 15 Jahre. Die Anlage und die Pflege des Grabfeldes sollen von der Stadt übernommen werden, wofür aber der Eigentümer des Grabfeldes die Kosten übernehmen muss. Martin Jung, in der Stadtverwaltung für Landschaftspflege und Forsten zuständig, rechnet mit 1100 Euro für 15 Jahre einschließlich Herrichtung, Pflege und allgemeinen Grabkosten. Wobei die Urne aus einen biologisch abbaubaren Material hergestellt sein muss. Die Namen der Verstorbenen sollen dabei nicht direkt am Rebstock, sondern auf einem zentralen Gedenkstein mit Namenstafeln angebracht werden. Bei einer Familiengrabstelle in einer Rebpflanzung sollen ebenfalls die Anlage und die Pflege des Grabfeldes von der Stadt übernommen werden. Auf der vorgesehenen Fläche am nordöstlichen Rand des Bergfriedhofes könnten 43 Rebstöcke gesetzt werden, um jeden davon sollen vier Urnen beigesetzt werden, sodass auf diesem Grabfeld insgesamt 172 Menschen ihre letzte Ruhestätte finden könnten. Hier beträgt das Nutzungsrecht 30 Jahre und kann eventuell verlängert werden. Jede Grabstelle erhält einen Kissenstein, dessen Größe und Material vorgeschrieben werden soll. Alternativ sind auch ebenerdigen Schriftplatten möglich. Biologisch abbaubare Urnen sollen hier nicht vorgeschrieben werden. Die kalkulierten Kosten für eine Grabstelle betragen etwa 5600 Euro für 30 Jahre einschließlich Herrichtung, Pflege und allgemeinen Grabkosten.
„Unausgegoren und nicht kalkulierbar“
„Unausgegoren, nicht bis zum Ende gedacht und daher nicht kalkulierbar“, ließ Dr. Jürgen Lorenz (Wählergruppe Jakobs) kein gutes Haar am Projekt der „Weinbergs-Grabstätten“. Das sei ethisch und moralisch höchst fragwürdig und werde von vielen Einwohnern als befremdlich angesehen. Hier werde eine Verbindung zwischen Wein als Kultur, als Genussmittel sowie als bedeutender Wirtschaftszweig im Ahrtal mit der ewigen Ruhe auf dem Friedhof geschaffen. „Wir vermarkten Wein, Weinfeste und zum Schluss noch den Rebstock als direkten Ort des Begräbnisses. Für mich persönlich ist dies in der geplanten Form kein gutes Signal.“ Er bezweifelte auch, dass die gewählte Rebsorte Blauer Muskateller auf Dauer gesund bleiben werde. Pflanzenschutz sei nämlich auf dem Friedhof kaum möglich, und eine Rebenkultur ohne Basispflanzenschutz sei auf Dauer nicht machbar, vor allem nicht in Nachbarschaft zu konventionellen Rebflächen mit hohem Infektionsdruck. Die kalkulierten sechs Minuten pro Jahr und Stock für die Pflege der Rebstöcke seien ebenfalls unrealistisch niedrig, das wisse jeder Winzer. Zumal eine solche Schaupflanzung besonders attraktiv und ansprechend aussehen müsse, das könnten die Käufer der Urnenplätze erwarten. Da die Stadt aber eine rechtliche Verpflichtung von 30 Jahren eingehe, in der die Pflege und der ordnungsgemäße Betrieb gewährleistet werden müssen, seien Regressforderungen nicht auszuschließen. Für ihn sei die ideale Lösung eine klare Trennung von Rebe und Urnenplätzen. „Das könnte sehr attraktiv über eine mit Reben oder wildem Wein bewachsener Pergola mit Ruhebänken und einer zentralen Rasenfläche umgesetzt werden.“ Das vorliegende Konzept habe jedenfalls so viele kritische Punkte, dass es nicht sinnvoll umgesetzt werden könne. „Ob jemand ethische Bedenken habe, muss jeder selbst entscheiden, aber wir machen ja nur ein Angebot, das niemand wahrnehmen muss“, entgegnete Diewald. Bürgermeister Guido Orthen (CDU) hatte Verständnis für die ethischen Bedenken von Lorenz, die er aber nicht teile. Abgesehen davon habe auch von kirchlicher Seite noch niemand Bedenken gegen das Vorhaben geäußert – wobei er aber auch zugeben musste, dass mit den kirchlichen Vertretern überhaupt noch nicht geredet worden sei. Dennoch stimmte die große Mehrheit des Stadtrates der geplanten Weinbergs-Grabstätte zu, wobei noch einige Details bis zur Umsetzung zu klären seien.
Einstimmiges Votum für den Friedwald
Einstimmig hingegen war das Votum für den Friedwald, der ebenfalls auf einer kleinen Teilfläche des Bergfriedhofs errichtet werden soll. Dieser neue Grabtyp soll mit einer naturnahen Pflanzung kleinkroniger Bäume in einer hainartigen Wiesenfläche angeboten werden. „Das verbindet die Idee eines Friedwaldes mit den Annehmlichkeiten eines normalen Friedhofs“, so Jung. Das „Friedwald“-Gelände sei auch bei schlechtem Wetter begehbar und barrierefrei, anders als in einem „normalen“ Friedwald üblich. Hier sollen sowohl Urnen-Reihengrabfelder wie auch Familienbäume angeboten werden. Die Bäume für das Reihengrabfeld sollen in die vorhandene Rasenfläche im nördlichen Teil des Bergfriedhofs gepflanzt werden und die Pflege anschließend durch die Stadt erfolgen. Um jeden Baum herum sollen zwölf Urnen beigesetzt werden, sodass auf dem Grabfeld insgesamt 156 Urnen Platz finden könnten. Die Ruhezeit beträgt 15 Jahre, wobei diese Bestattung halbanonym erfolgen könne durch das Aufstellen eines zentralen Gedenksteins mit Namenstafeln. Ebenso sei eine anonyme Bestattungsform ohne jegliche Namensnennung möglich. Die kalkulierten Kosten liegen zwischen 1000 und 1200 Euro pro Grabstelle, jeweils für 15 Jahre einschließlich Herrichtung, Pflege und allgemeinen Grabkosten.
Familienbäume auch im Teilerwerb möglich
Auch die Familienbäume sollen in die vorhandene Rasenfläche gepflanzt, Anlage und Pflege des Grabfeldes ebenfalls von der Stadt übernommen werden. Auf der vorgesehenen Fläche könnten zehn Bäume gepflanzt werden für jeweils zwölf Urnen, sodass hier insgesamt 120 Urnen Platz finden könnten. Die Nutzungsrechte betragen in diesem Fall 30 Jahre. Jede Grabstelle soll einen Kissenstein oder eine ebenerdige Schriftplatte mit dem Namen des Verstorbenen erhalten. Die kalkulierten Kosten für eine Grabstelle betragen hierbei 11.800 Euro für 30 Jahre einschließlich Herrichtung, Pflege und allgemeinen Grabkosten. Diewald schlug allerdings vor, beim Familienbaum auch einen Teilerwerb zu ermöglichen, „denn zwölf Urnengräber auf einmal erwerben zu müssen, sprengt zumeist jedwede sinnvolle Dimension für Familien.“ Vier oder sechs Gräber würden hingegen sicher mehr dem Bedarf entsprechen. Nach einer Testphase, bei der die Akzeptanz der neuen Grabformen überprüft werden soll, wolle man die Möglichkeit der Anlage dieser Grabtypen auch auf den übrigen städtischen Friedhöfen untersuchen. JOST
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