Allgemeine Berichte | 20.11.2023

Theater in Kaifenheim

Liebesbrief voller Poesie sorgt für Irritationen

Das engagierte Ensemble des Kaifenheimer Theatervereins begeistert einmal mehr beim Dreiakter Traumcafé „Zur wahren Liebe“.  Fotos: TE

Kaifenheim. Kurzweilige Gaudi und Lachtränengarantie sind Programm, wenn das örtliche Theaterensemble zu seiner seit 30 Jahren stets erfolgreichen Vorstellungsreihe einlädt. Hier wird zur Freude eines überregionalen Publikums überzeugende Bühnenkultur gelebt und erlebt. So nach unfreiwilliger Pandemiepause auch in 2023, wo die versierten Laiendarsteller pünktlich zur Premiere bereits zur Hochform auflaufen. Für diese und weitere Vorstellungen haben sie sich seit Juli diesen Jahres bei insgesamt 43 Probeläufen akribisch vorbereitet, was gleich zum Auftakt ein begeistertes Publikum hinterlässt. In diesem Zusammenhang präsentieren die Bühnenakteure heuer ein mit amüsanten Höhepunkten gespicktes Lustspiel. Unter dem Titel Traumcafé „Zur wahren Liebe“ von Klaus Städele, entwickelt dieses neben einer intensiven romantischen Dynamik auch den sportlichen Drehmoment eines Karussells für Verliebte jedweden Alters. Dabei verleihen nicht nur die in urigem Kademer Platt geführten Monologe und Dialoge der Aktiven dem Dreiakter die erhoffte Würze. Dazu tragen überdies trefflich aufeinanderprallende Charaktere bei, die mittels provokativer Kommunikation per Körpersprache sowie artgerechter Eifeler Wortwahl, für unterhaltsames Vergnügen sorgen. Ein exzellent dargebotenes Verwirrspiel mit derart spielfreudigen Akteuren, das sich die Freudentränen der Theaterfreunde schnell eines permanenten Fließens ausgesetzt sehen. So haben die engagierten Theatermacher ihre Bühne aktuell in ein Caféhaus mit farbenfrohem Blütenambiente verwandelt, das überdies den Anspruch eines florierenden Hotelbetriebes vermitteln soll. Vor und in dieser Kulisse versucht der offensichtlich schwer verliebte Kellner Franz Bernhart einer gastfreundlichen Tätigkeit nachzugehen. Aber es ist jene Verliebtheit, die ihn bei deren Ausübung zum Tagträumer und Tollpatsch werden lässt. Sehr zum Unmut seiner ebenfalls verliebten Chefin Hilde Moosbach, die in dem anreisenden Stammgast Prof. Karl-Heinz von Bücken den Mann ihrer Träume gefunden zu haben scheint. Der trifft jedoch zum Schrecken der Caféhausbesitzerin mit Partnerin Gabriele Sonnenschein ein, die den vermögenden Witwer von Bücken bereits unter der eigenen Fuchtel wähnt. Letzterer gedenkt mit dem Kauf eines Hotels in „Kaifenheim am See“ einen Neustart hinzulegen und hat dazu Töchterchen Anneliese inkognito zum Sondieren der Lage vorgeschickt. Tatsächlich hat die sich beim letzten Caféhausaufenthalt in Kellner Franz verliebt, kann dies aber ebenso wenig an den Mann bringen wie der schüchterne Franz. Der fürchtet überdies von der Chefin entlassen zu werden, wenn eine Liaison zwischen ihm und der Professorentochter bekannt wird. Derweil sieht sich Hilde Moosbach dem Drängen des schleimigen Maklers Josef Schachern ausgesetzt, der ihr das Hotel-Café für einen Spottpreis abkaufen und hinter ihrem Rücken unisono an den Professor veräußern will. Währenddessen taucht im Gastraum Sigi, Freund von Kellner Franz auf, der ebenfalls vor einer anstehenden Verlobung mit dessen Schwester Lisbeth auf der Flucht ist und um einen kurzfristigen Unterschlupf zwecks gedanklicher Sortierung bittet. Der wird gewährt, wenn er sich als Schwester von Franz ausgibt und in eine weibliche Aushilfsbedienung verwandelt. Parallel dazu erscheint mit Hugo Holzer der örtliche Schreinermeister auf dem Plan, der eher für den Verzehr von alkoholischen Getränken als mit dem Umgang von Holz geeignet scheint. Und dann wäre da noch der verwirrte Wanderer Kurt Breitkreuz, der sich auf der Suche nach der Burg Eltz immer wieder ins Caféhaus verirrt. Dabei platzt er zur Freude des Publikums in die pikantesten Situationen zwischenmenschlichen Austauschs, während die Bratpfanne am Kopf von Schreiner Holzer eine deftige Platzwunde hinterlässt. Die hat er sich beim Herantasten an das falsche Gesäß eingefangen. Ein poesieschwangerer Liebesbrief in der Café-Speisenkarte erwischt zunächst den falschen Empfänger und sorgt damit, als abschließender Höhepunkt, für amüsante Irritationen vor dem erwarteten Happy-End. In die Rolle der resoluten Caféhaus-Chefin Hilde Moosbach schlüpft gekonnt Renate Umminger, während Oliver Meiner als tollpatschiger Kellner erfreut. Den in alkoholische Getränke verliebten Schreiner Hugo Holzer mit zwei linken Händen verkörpert in seiner unnachahmlichen Art, das Kademer Bühnenurgestein Jakob Kaiser. Lukas Simons weiß von der Baritonstimme des Kumpels Sigi exzellent in die Sopranversion der Aushilfsbedienung Sieglinde zu wechseln und Lukas Schlaf brilliert als betrügerischer Makler Josef Schachern. Dem introvertierten Professor von Brücken haucht Alexander Kaiser amüsantes Leben ein, während sich Birgit Hammes trefflich als seine Partnerin und verwöhnte Krawallschachtel Gabriele Sonnenschein outet. Bestnoten in Sachen Ausdruck und Darstellung verdienen sich überdies Celina Schwall als Lisbeth Bernhart und Elisa Kaiser als Anneliese von Bücken. Im Part des verwirrten Wanderers Breitkreuz, der weder eine topografische Karte noch die Uhrzeit korrekt ablesen kann, glänzt Martin Simmons, dem auch die letzte Szene gehört. TE

Schreinermeister Hugo Holzer hat sich bei der Aushilfsbedienung Sieglinde alias Sigi an das falsche Gesäß herangetastet.

Schreinermeister Hugo Holzer hat sich bei der Aushilfsbedienung Sieglinde alias Sigi an das falsche Gesäß herangetastet.

Das engagierte Ensemble des Kaifenheimer Theatervereins begeistert einmal mehr beim Dreiakter Traumcafé „Zur wahren Liebe“. Fotos: TE

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