Junge und Ältere sprachen bei Pulse of Europe über ihre Erfahrungen mit Europa
Linh Poth: „Ich stehe hier mit 18, weil ich die EU für wichtig halte!“
Koblenz. Zwei Themen standen kürzlich auf der Tagesordnung: Die Rede der Präsidentin des MEP (Modell Europa Parlament, an dem drei Koblenzer Schulen alljährlich teilnehmen) sowie der Bericht zu Italien, das große Wahlen für seine politischen Organe abhielt. Die 19. Veranstaltung seit dem Beginn im März letzten Jahres war mit etwa 70 Zuhörer/innen ein gelungener Auftakt für das erste Treffen in 2018.
Linh Poth, Schülerin und schon seit mehreren Jahren Teilnehmerin und dann Präsidentin des MEP.dek (Deutsches Eck Koblenz) hielt eine engagierte Rede für Europa, die mehrfach von Beifall unterbrochen wurde. Sie erklärte, wie die Simulation MEP funktioniert. Im 9. oder 10. Schuljahr nehmen freiwillig interessierte Schüler/innen daran teil, in diesem Jahr ca. 60, die sich in drei Ausschüssen zusammenfinden. Die Themen, die sie dort über ca. zwei Monate in Sitzungen bearbeiten, stehen vorher fest und sind analog zu derzeit diskutierten relevanten Fragen der Europäischen Union ausgesucht worden. Die Ausschussmitglieder vertreten jeweils ein europäisches Land, mit dem sie sich in der Diskussion identifizieren müssen. Zunächst haben sie alle dabei relevanten Gesichtspunkte zusammenzutragen, um dann für das Problem eine Lösung zu erarbeiten. Linh Poth resümierte diese Erfahrungen so: „In eine andere nationale Identität zu schlüpfen, hat mir erneut bewiesen, dass die Europäische Union nicht, wie behauptet, uns unsere Identität nimmt, sondern eine weitere, nämlich die europäische dazu gibt.“ Und: „Die rosarote Brille: Früher ist alles besser gewesen, ist Quatsch. Heute geht es uns so gut, dass wir uns über Vieles aufregen, was es nicht wert ist!“ An diesem Sonntag sind acht ausgewählte Mitglieder aus den teilnehmenden Koblenzer Schulen nach Berlin gefahren, um dort für eine Woche an der nächsten nationalen Runde teilzunehmen. Die Gewinner/innen der Runde dürfen dann noch an der internationalen Runde teilnehmen. „Das Ganze vermittelt uns einen einzigartigen Blick auf Europa, inklusive neuer Freundschaften“, so Linh Poth.
Vito Contento, Stadtrat, Italiener, Deutscher und Europäer hat Italien näher gebracht. Eine geeinte Nation erst seit 1861 mit historisch und geographisch sehr unterschiedlichen Regionen und Mentalitäten. Altiero Spinelli, der unter den Faschisten viele Jahre auf eine Insel verbannt worden war, ist einer der frühen Visionäre eines vereinigten Europas, der an seiner Entstehung und Gründung maßgeblich beteiligt war, sodass Italien eins der sechs Gründerländer der Europäischen Union wurde. Mit heute 61 Millionen Einwohnern gibt es immer noch eine breite Mehrheit für Europa. Aber es gibt auch viele ungelöste Probleme, die das Vertrauen in das zuletzt regierende Mitte-Links Bündnis aufgebraucht haben, ohne dass eine überzeugende Alternative den Italienern Mut machen könnte. Die Arbeitslosigkeit liegt um 2,5 Prozentpunkte über dem EU-Durchschnitt. Ein brennendes Thema ist die Armut von 8,4 Millionen Italienern. Würde die Familie nicht weiterhin zusammenhalten, wäre sie gerade für viele unerträglich. Ein großes Thema, das Europa lösen muß, sind auch in Italien große Firmen, die sich zunächst mit enormen staatlichen Hilfen ansiedeln, dann aber, wenn ein weiter östlicher Staat mit großen Subventionen lockt, dorthin ziehen. „Das ist Wasser auf die Mühlen der Extremisten“, so Vito Contento.
Pressemitteilung Pulse of Europe
