Rhein-Hochwasser in Linz und Unkel
Linz war nur noch über die Höhe zu erreichen
Unkel/Linz. „Emol im Johr tritt der Rhing us em Bett, nämlich dann, wenn er Huhwasser hät“, weiß schon der Karnevalsschlager. Freuen konnten sich die Rheinanlieger darüber Anfang des neuen Jahres nicht und so sahen sie mit Besorgnis, wie der Fluss ab Silvester wegen starker, anhaltender Regenfälle innerhalb weniger Tage um rund zwei Meter anstieg.
So war bereits am Freitagabend in Linz die Unterführung der B 42 zur Straße „Am Sändchen“ nicht mehr zu passieren und auch die „Nixe“ hatte ihren Fährbetrieb zwischen Erpel und Remagen eingestellt. Angesichts steigender Pegelstände am Wochenende stellte auch die große Auto- und Personenfähre zwischen Remagen-Kripp und Linz ihren Dienst ein, da ein sicherer Fährverkehr erst wieder aufgenommen werden kann, wenn der Pegelstand bei Andernach etwa mit 7,15 Meter, Tendenz fallend, angegeben wird.
Am Samstag hatte die braune Flut dann auch das Linzer Rheintor passiert und den Strünzerbrunnen auf dem Burgplatz umrundet, der nur noch über Stege zu passieren war. Erreichen konnte man die Bunte Stadt am Rhein vom Norden aus nur noch über Bruchhausen und Kretzhaus und wer von Süden Erpel und Unkel anfahren wollte, musste in Bad Hönningen auf die Höhe gelangen.
Da konnte die Alte und Freie Herrlichkeit von Norden noch über die Rheinstraße erreicht werden, hatte sich der Rhein doch breitflächig vorerst nur durch den Torbogen des Fronhofes und die schmalen Rheingassen Zugang nach Erpel geschaffen. Auch am frühen Sonntagvormittag wagten dann nur mutige Autofahrer noch, die überspülte Zufahrt Richtung Rheinstraße zu passieren, am Abend war Erpel nur noch über Heister zu erreichen.
Da war natürlich auch die Rheinpromenade von Unkel im Hochwasser untergegangen und bereits am Samstagvormittag hatten Bewohner im gefährdeten Gebiet, wie etwa der evangelische Pfarrer Michael Busch, längst begonnen, ihre Keller leer zu räumen.
Allerdings lief die Marienstatue an der Burg da noch nicht ernsthaft Gefahr, nasse Füße zu bekommen. Entsprechend gelassen bewertete der Unkeler Wehrführer Akin Karga beim Neujahrsfrühschoppen am Sonntagmittag die Situation. „Der Rhein wird bis morgen Mittag zwar noch etwas ansteigen, insgesamt aber gehen wir davon aus, dass das Hochwasser niedriger ausfällt als ursprünglich befürchtet“, so seine Einschätzung.
Einen höheren Pegelstand hatte es genau vor 15 Jahren am 5. Januar gegeben, kurz nachdem die Fahrbahn der B 42 vor Erpel zwischen August 2001 und Juli 2002 angehoben worden war. Von den Pegelständen wie beim Weihnachtshochwasser 1993 oder im Januar zwei Jahre später war man weit entfernt.
Am Dienstag war dann das Schlimmste für die Rheinanlieger überstanden, sieht man vom Groß-Reine-Machen einmal ab.
Die braune Brühe des über die Ufer getretenen Flusses wich jedenfalls merklich zurück, so dass sich die Hochwasserlage allmählich entspannte. DL
„Land unter“ auch auf der Unkeler Rheinpromenade.
